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Corona-PandemieWann auch Kinder geimpft werden könnten

Eine Impfung wird in einen Oberarm gegeben (picture alliance /dpa/Klaus Rose)
Auch Kinder sollten laut Experten gegen das Coronavirus geimpft werden (picture alliance /dpa/Klaus Rose)

Neue Studien legen nahe, dass sich die britische Coronavirus-Variante besonders unter Kindern und Jugendlichen ausbreitet. Für diese Personengruppe gibt es aber noch keinen Impfstoff. Welche Gefahren sehen Experten und wann ist mit einem Vakzin für Kinder zu rechnen?

Zahlreiche Studien belegen inzwischen, dass die zuerst in Großbritannien aufgetretene Corona-Mutante B.1.1.7 ansteckender und gefährlicher ist als das ursprüngliche Sars-Cov-2-Virus. Zugleich verdichten sich die Hinweise, dass die mittlerweile dominante Virusvariante vor allem Kinder und Jugendliche befällt.

Das Magazin "Der Spiegel" berichtet von einer Analyse aus Großbritannien, in der eine Mathematikerin mit einem ausgeklügelten Verfahren nachweisen konnte, dass die Mutante sich wohl tatsächlich bevorzugt unter Kindern verbreitet. Eine Studie des Londoner Imperial College habe dies bereits im Januar nahegelegt.

"Die Kinder infizieren ihre Eltern"

Ähnlich eindeutige Erkenntnisse gibt es auch in Belgien. "Wir konnten hier in den letzten Wochen ein lebhaftes Infektionsgeschehen bei Kindern beobachten", zitiert das Magazin den Medizinprofessor und Public-Health-Experten Dirk Devroey von der Freien Universität Brüssel. "Speziell bei den Sechs- bis Zwölfjährigen."

Das sei für ihn keine Überraschung, da diese Altersgruppe vor Ort in den Schulen unterrichtet werde. "Die Kinder stecken sich an, gehen nach Hause, infizieren ihre Eltern, die es wiederum an ihren Arbeitsplatz tragen." Devroey hält die Schulen für einen "Motor des Infektionsgeschehens".

Auch in Deutschland werden laut "Spiegel" seit Mitte Februar zunehmend Kinder bis 14 positiv auf das Coronavirus getestet. Drei Wochen später zeigten RKI-Tabellen, dass die Fallzahlen bei Jugendlichen und ungeimpften Erwachsenen sprunghaft anstiegen – auch in der Generation der Eltern. Das RKI selbst betont: Die COVID-19-Fallzahlen steigen in allen Altersgruppen wieder an, besonders stark jedoch bei Kindern und Jugendlichen, von denen auch zunehmend Übertragungen und Ausbruchsgeschehen ausgehen."

"Long Covid" und "Post Covid" trifft auch Minderjährige

Mit der Zunahme der Corona-Ansteckungen bei Kindern und Jugendlichen sind nach Einschätzung des pädiatrischen Infektiologen Markus Hufnagel vom Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Freiburg aber auch für diese selbst mehr Spätfolgen zu erwarten, nicht zuletzt infolge politisch motivierter Öffnungsschritte. "Wir rechnen durch die Lockerungen der Maßnahmen mit mehr Betroffenen mit meist diffusen, länger anhaltenden gesundheitlichen Problemen", sagte Hufnagel der Deutschen Presse-Agentur. "Darauf ist die Pädiatrie im Vergleich zur Versorgungssituation bei Erwachsenen nach überstandener Infektion noch nicht vorbereitet."

Akute Corona-Infektionen laufen bei Kindern oft symptomlos ab, schwere Krankheitsverläufe sind auch noch bei Jugendlichen eher selten. Von Spätfolgen wird aber auch bei Minderjährigen berichtet. In der Fachsprache ist bei dem Phänomen von "Long Covid" oder "Post Covid" die Rede. Da für Kinder und Jugendliche noch keine Corona-Impfstoffe zugelassen sind, zählen sie zu den Gruppen, die noch einige Monate empfänglich für das Virus sein werden.

Dass eine Infektion mit dem Coronavirus auch für Kinder und Jugendliche gravierende Langzeitfolgen haben kann, ist mittlerweile in der Medizin bekannt. Als mögliche Reaktion nach einer meist symptomlosen Infektion rückte zuletzt das Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) in den Blick. Eines von 1.000 Kindern wird vier bis sechs Wochen nach der Infektion plötzlich krank und entwickelt Sympomtome wie hohes Fieber, Probleme am Herzen, im Darm und Hautausschlag. Die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie hat 245 Kinder mit PIMS registriert, sieben haben bisher Folgeschäden behalten, vor allem am Herzen.

Schnelltests oder Schulschließungen als Mittel der Wahl

Solange es keinen Impfstoff für Kinder und Jugendliche gibt, könnte es schwierig sein, das Problem in den Griff zu bekommen. Derzeit kommen vor allem regelmäßige Schnelltests oder eine Schließung der Schulen in Frage, um zumindest die Infektionsketten zu unterbrechen. Doch eine dauerhafte Schulschließung hat immer gravierende Auswirkungen auf die Bildung der Kinder. Wissenschaftler fanden zudem heraus, dass fast jedes dritte Kind im Alter zwischen sieben und 17 Jahren psychische Auffälligkeiten zeigt, kurzum auch die "Seele leidet", wie es die DLF-Sendung "Lebenszeit" nennt. Die DLF-Sendung "Campus und Karriere" berichtet von der Erfahrungen mit Schnelltests an Schulen in Sachsen.

Die freiwilligen Corona-Schnelltests an Bremer Schulen haben unterdessen in eineinhalb Wochen neun Infektionen zutage gefördert. Seit 15. März seien etwa 20.000 Tests mit Schülerinnen und Schülern durchgeführt worden und 4.700 Tests mit Beschäftigten der Schulen, teilte die Bildungsbehörde mit. Bei den Schülern hätten 13 Schnelltests eine Infektion angezeigt, die sich in 8 Fällen durch einen PCR-Test bestätigt habe. Bei den Beschäftigten gab es zwei positive Schnelltests, von denen sich einer hinterher als Infektion bestätigte.

Eine nachhaltigen Ausweg bietet deshalb wohl nur der Impfstoff. Aktuell laufen mehrere klinische Studien zur Impfung von Kindern.

Alle großen Hersteller testen bereits

Die Unternehmen Biontech und Pfizer haben gerade mit Studien zu Wirkung und Sicherheit ihres Corona-Impfstoffs bei Kindern unter 11 Jahren begonnen. Bisher ist der Covid-19-Impfstoff, den das Mainzer Unternehmen zusammen mit dem US-Hersteller entwickelt hat, erst für Jugendliche ab 16 bedingt zugelassen. Nun wurden Kinder zwischen 11 Jahren und 6 Monaten in die Studien einbezogen, wie eine Biontech-Sprecherin mitteilte. Wenn Sicherheit und Wirksamkeit bestätigt würden und die Behörden die Zulassung genehmigten, könne der Impfstoff für jüngere Kinder Anfang 2022 verfügbar sein.

Auch der US-Hersteller Moderna ist laut einem Bericht von tagesschau.de im März in die klinischen Studien eingestiegen. Getestet werden demnach 6.750 gesunde Kinder im Alter zwischen 6 Monaten und 11 Jahren und in einer weiteren Studie 3.000 Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren. Moderna wolle bis zum Sommer erste Ergebnisse vorlegen.

Ebenfalls bis zum Sommer rechneten das britisch-schwedische Unternehmen Astrazeneca und die Universität Oxford mit Ergebnissen. Sie testen ihren Corona-Impfstoff den Angaben zufolge seit Februar an 300 Freiwilligen im Alter von 6 bis 17 Jahren.

Auch der vierte in der EU zugelassene Corona-Impfstoff des US-Herstellers Johnson & Johnson werde bereits in Studien auf die Wirksamkeit und Sicherheit bei Kindern geprüft. Seit August würden Teilnehmer ab 12 Jahren getestet.

STIKO-Chef rechnet mit Impfstoff zum Jahresende

Der Vorsitzende der Ständigen Impfkommission (STIKO), Thomas Mertens, zeigte sich zuletzt zuversichtlich, dass es in Deutschland zum Jahresende einen Corona-Impfstoff für Kinder gibt.

Es zeichnet sich ab, dass andere Länder schneller sind: Großbritannien will laut einem Bericht der Zeitung "The Telegraph" bereits im August mit der Impfung von Kindern beginnen.

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