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Corona-PandemieWas bedeutet der rasante Anstieg der Neuninfektionen?

Spritze, ein Fläschchen mit Impfstoff und ein Coronavirus-Modell sind vor gelbem Hintergrund zu sehen.  (imago / Christian Ohde)
Welche Aussagekraft hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen? (imago / Christian Ohde)

Das Infektionsgeschehen nimmt auch in Deutschland zu. Die Zahl von 4.000 neuen Corona-Infektionen, die dem Robert Koch-Institut innerhalb von 24 Stunden gemeldet wurde, wurde erneut mehrfach überschritten. Doch welche Aussagekraft hat dieser Wert überhaupt?

Die Zahl der registrierten täglichen Neuansteckungen ist zwar eine der wichtigsten Kennzahlen für den Verlauf der Corona-Pandemie - auch hier in den Deutschlandfunk-Nachrichten greifen wir deshalb darauf zurück - aber sie spiegelt nur einen Teil der Entwicklung wieder. Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Wieler, betonte, man konzentriere sich auf eine Vielzahl von Indikatoren, etwa auch auf die Zahl schwerer Krankheitsverläufe oder die Belegung der Intensivstationen.

Die 7-Tage-Inzidenz als wichtige Orientierungszahl

In dem täglichen Lagebericht des RKI spielt auch auch die so genannte Inzidenz eine wichtige Rolle, die das Infektionsgeschehen in den einzelnen Städten und Regionen in Deutschland wiedergeben soll. Diese Zahl macht deutlich, wie weit Corona-Infektionen innerhalb der Bevölkerung in einer Region verbreitet sind. Maßgeblich ist, wie viele von 100.000 Menschen sich insgesamt in den letzten 7 Tagen neu infiziert haben - die so genannte 7-Tage-Inzidenz.

Wichtig ist auch die Angabe, welcher Prozentsatz der Corona-Tests positiv ausgefallen ist. Und auch dort lässt sich erkennen, dass das Virus sich wieder schneller verbreitet. Nach einer anfänglich hohen Zahl (Anfang April waren zeitweise neun Prozent der Tests positiv), sank dieser Wert im Sommer bis auf 0,59 Prozent, liegt inzwischen aber wieder bei 1,64 Prozent in Kalenderwoche 40. Jeden Mittwoch bildet das RKI auch diese Zahlen im Lagebericht ab.

Kritik an Infektionszahlen als wichtigster Maßstab

Kritiker wenden oft ein, die absolute Zahl der Infizierten müsse zwangsläufig steigen, da ja auch die Zahl der Tests deutlich zugenommen habe. Vielmehr seien die Erkrankungszahlen maßgebend. Auf diesen Aspekt geht auch der Epidemiologe Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung im Deutschlandfunk-Interview ein. Die Erkrankungszahlen seien ein Vorbote für die schweren Erkrankungen und um diese gehe es wesentlich. Man müsse daher jetzt den direkten Schutz von Risikogruppen, zu denen besonders ältere Menschen zählen, stärken.

Wann wäre das Gesundheitssystem überlastet?

Wichtig ist auch, ob das Gesundheitssystem mit einer steigenden Zahl von behandlungsbedürftigen Corona-Patienten umgehen kann oder davon überfordert würde. Zur Einschätzung der Lage dient das Intensivregister, in dem aufgeführt wird, wieviele Klinikbetten zur intensivmedizinischen Behandlung zur Verfügung stehen. Aktuell ist die Lage dort noch vergleichsweise entspannt: Derzeit werden in Deutschland 509 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen behandelt. Knapp 8.500 Intensivbetten stehen zur Verfügung, rund 28 Prozent der Betten sind nicht belegt; zudem können innerhalb von sieben Tagen mehr als 12.000 Intensivbetten aufgestellt werden.

(Stand: 9.10.2020)

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+ Lage in Deutschland: Was bedeutet der rasante Anstieg der Neuinfektionen? (Stand: 09.10)
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