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Corona-PandemieWas bedeutet der rasante Anstieg von Neuinfektionen und Inzidenzwert?

Spritze, ein Fläschchen mit Impfstoff und ein Coronavirus-Modell sind vor gelbem Hintergrund zu sehen.  (imago / Christian Ohde)
Welche Aussagekraft hat die Zahl der Corona-Neuinfektionen? (imago / Christian Ohde)

Das Infektionsgeschehen nimmt auch in Deutschland stark zu, viele Städte und Landkreise melden einen Inzidenzwert von mehr als 50 und teils weit über 100. Die Zahl der nachgewiesenen Neuinfektionen hat zuletzt auch den Wert von 10.000 überschritten. Welche Aussagekraft haben diese Zahlen?

Die Zahl der registrierten täglichen Neuansteckungen ist zwar eine der wichtigsten Kennzahlen für den Verlauf der Corona-Pandemie - auch hier in den Deutschlandfunk-Nachrichten greifen wir deshalb darauf zurück - aber sie spiegelt nur einen Teil der Entwicklung wieder. Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Wieler, betonte, man konzentriere sich auf eine Vielzahl von Indikatoren, etwa auch auf die Zahl schwerer Krankheitsverläufe oder die Belegung der Intensivstationen.

Die 7-Tage-Inzidenz als wichtige Orientierungszahl

In dem täglichen Lagebericht des RKI spielt die so genannte Inzidenz eine wichtige Rolle, die das Infektionsgeschehen in den einzelnen Städten und Regionen in Deutschland wiedergeben soll. Diese Zahl macht deutlich, wie weit Corona-Infektionen innerhalb der Bevölkerung in einer Region verbreitet sind. Maßgeblich ist, wie viele von 100.000 Menschen sich insgesamt in den letzten 7 Tagen neu infiziert haben - die so genannte 7-Tage-Inzidenz.

In Deutschland haben sich Bund und Länder darauf verständigt, ab einer Inzidenz von 50 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner innerhalb von 7 Tagen die betroffene Stadt, Kommune oder Verwaltungseinheit als Risikogebiet einzustufen. Es gelten dann für die Menschen strengere Corona-Auflagen wie eine erweiterte Maskenpflicht, Kontaktbeschränkungen oder Sperrstunden.

In Deutschland überschreiten immer mehr Regionen diese wichtige Grenze. Inzwischen gelten nahezu alle großen Städte wie Köln, Hamburg, Berlin oder München sowie über 100 Landkreise als Risikogebiete. Auf der Website tagesschau.de gibt es eine interaktive Karte, die für jeden Landkreis den Inzidenzwert ausweist.

Kritik am Inzidenzwert

An der Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner gibt es seit der Einführung Kritik. Der Epidemiologe Gerard Krause sagte etwa im Deutschland, er habe nie verstanden wo der Grenzwert herkomme. Er plädiert dafür, nicht ausschließlich auf die Zahl der Neuinfektionen zu blicken, sondern einen anderen Aspekt ins Visier zu nehmen: "Für mich ist die Anzahl der Erkrankungen ein sehr wichtiger Parameter, weil er darüber bestimmt, erstens, wer wird überhaupt krank, zweitens, ist davon auszugehen, dass die Leute, die erkrankt sind, tatsächlich maßgeblicher zu der Übertragung beitragen." Krause

Au�?erdem wird immer wieder kritisiert, dass der Wert rein aus verwaltungstechnischen Gründen eingeführt wurde und nicht aus virologischen oder epidemiologischen. So ist bei 50 Neuinfektionen von Seiten der Gesundheitsämter meist noch gewährleistet, die Kontakte der Infizierten nachzuverfolgen. Alles, was darüber liegt, übersteigt die Kapazitäten der meisten Ämter. Infektionsketten können dann nur noch schwer unterbrochen werden.

Auch Prozentsatz der positiven Corona-Tests in den Blick nehmen

Von Bedeutung ist für die Beurteilung der Lage auch die Angabe, welcher Prozentsatz der Corona-Tests positiv ausgefallen ist. Und auch dort lässt sich erkennen, dass das Virus sich wieder schneller verbreitet. Nach einer anfänglich hohen Zahl (Anfang April waren zeitweise neun Prozent der Tests positiv), sank dieser Wert im Sommer bis auf 0,59 Prozent, liegt inzwischen aber deutlich höher - bei mehr als drei Prozent. Jeden Mittwoch bildet das RKI auch diese Zahlen im Lagebericht ab.

Wann wäre das Gesundheitssystem überlastet?

Wichtig ist auch, ob das Gesundheitssystem mit einer steigenden Zahl von behandlungsbedürftigen Corona-Patienten umgehen kann oder davon überfordert würde. Zur Einschätzung der Lage dient das Intensivregister, in dem aufgeführt wird, wieviele Klinikbetten zur intensivmedizinischen Behandlung zur Verfügung stehen. Aktuell ist die Lage dort noch vergleichsweise entspannt, aber auch die Zahlen der schweren Erkrankungen und der Todesfälle steigen. Knapp 8.500 Intensivbetten stehen zur Verfügung, rund 29 Prozent der Betten sind derzeit nicht belegt; zudem können innerhalb von sieben Tagen mehr als 12.000 Intensivbetten aufgestellt werden.

(Stand: 22.10.2020)

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