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StartseiteEuropa heute"Sonderweg noch nicht ganz verlassen"24.11.2020

Corona-Politik in Schweden"Sonderweg noch nicht ganz verlassen"

Wegen steigender Corona-Infektionen gelten in Schweden neue Kontaktbeschränkungen. Das bedeute aber noch keine vollständige Abkehr der Regierung von ihrem Corona-Sonderweg, sagte der Nordeuropaexperte Tobias Etzold im Dlf. Seine Begründung: In Schweden gibt es nach wie vor keinen Lockdown.

Tobias Etzold im Gespräch mit Christoph Schäfer

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Eine trotz Corona-Pandemie belebte Einkaufsstraße in Schwedens Hauptstadt Stockholm. Niemand trägt eine Mund-Nasen-Bedeckung. (Fredrik SANDBERG / TT News Agency / AFP)
Eine trotz Corona-Pandemie belebte Einkaufsstraße in Schwedens Hauptstadt Stockholm (Fredrik SANDBERG / TT News Agency / AFP)
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In Schweden treten strengere Vorschriften in Kraft. Ab heute gelten nach offiziellen Angaben erstmals Auflagen für Treffen in der Öffentlichkeit; nur noch acht Menschen dürfen zusammenkommen. Bisher konnten dies je nach Anlass 50 bis 300 Menschen sein. Schulen und Restaurants bleiben laut der Regierungsanordnung weiter geöffnet. Betreiber von Restaurants müssen allerdings darauf achten, dass pro Tisch nicht mehr als acht Gäste Platz nehmen.

Zudem sind die Menschen nicht dazu verpflichtet, eine Mund-Nasen-Bedeckung im öffentlichen Raum zu tragen. Dadurch, dass die Regierung bisher kaum verpflichtende Beschränkungen beschlossen habe, "ist der schwedische Sonderweg im Moment noch nicht ganz verlassen", wie der Politologe von der norwegischen Universität Trondheim erklärt: "Es gibt nach wie vor keinen Lockdown, auch keinen Lockdown light, wie wir ihn in Deutschland sehen." Für Etzold steht aber fest: Mit dem neuen Versammlungsverbot in der Öffentlichkeit von bis zu acht Personen habe die Regierung im Zuge steigender Infektionszahlen striktere Maßnahmen ergreifen müssen.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Wird die Regierung unabhängiger von der Gesundheitsbehörde?

Dabei agiere Ministerpräsident Stefan Löfven nun offenbar unabhängiger von der schwedischen Gesundheitsbehörde. Diese habe bislang hohes Vertrauen im Land genossen. "Es scheint tatsächlich in den letzten Wochen vermehrt zu unterschiedlichen Bewertungen und Einschätzungen der Lage gekommen zu sein", so Etzold zum Infektionsgeschehen in Schweden. "Bis vor kurzem – im Prinzip die ganze Pandemiezeit über - hat sich die Regierung sehr stark verlassen auf die Empfehlungen der Gesundheitsbehörde". Dessen Chefepidemiologe Andrs Tegnell bekräftigt den schwedischen Sonderweg und hat bislang ausgeschlossen, dass das Land eine zweite Pandemie-Welle erreichen könnte.

Dem Nordeuropa-Experten zufolge ist Schweden im Gegensatz zu anderen EU-Mitgliedern zwar nicht so sehr auf den Corona-Wiederaufbau-Fond angewiesen. Etzold räumt aber ein, dass die schwedische Wirtschaft dennoch Einbußen verzeichnet habe: "Weil Schweden ein sehr stark exportabhängiges Land ist, hat auch Schweden – obwohl Geschäfte und Restaurants weiterhin offen waren – auch wirtschaftlich gelitten." Zugleich betont er, dass das Land allerdings zu den Nettozahlern in der EU gelte – also mehr in den gemeinsamen Haushalt und den Wiederaufbau-Fond investiere, als es an Finanzmitteln herausbekäme.

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