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StartseiteKommentare und Themen der WocheKultusminister wollen passgenaue Corona-Maßnahmen16.10.2020

Corona-Regeln für SchulenKultusminister wollen passgenaue Corona-Maßnahmen

Die KMK-Präsidentin Stefanie Hubig beließ es heute bei wenig spektakulären Aussagen zu Corona-Regeln für Schulen und Kitas. Völlig zu Recht, meint Sebastian Engelbrecht. Weil die Schulen nicht Treiber der Pandemie sind, setzt Hubig auf maßgeschneiderte Lösungen vor Ort, etwa bei der Maskenpflicht.

Von Sebastian Engelbrecht

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Schülerbeine in Jeans und Turnschuhen stehen mit Abstand voneinander im Flur einer Schule. (imago / Lichtgut / Max Kovalenko)
Das Erscheinungsbild der Pandemie ist in den Bundesländern sehr unterschiedlich, dies müssen die Maßnahmen widerspiegeln, meint Sebastian Engelbrecht (imago / Lichtgut / Max Kovalenko)
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Die Kultusministerkonferenz verzichtete heute darauf, mit einem neuen Regelkatalog für Schulen und Kindergärten auf die zweite Welle in der Corona-Pandemie zu reagieren. Erst recht konnte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Stefanie Hubig, keine einheitlichen Regularien für die Schulen in ganz Deutschland verkünden.

Sehnsucht nach einfachen Maßnahmen entspricht nicht föderaler Realität

Das ist gut so, und es kann in einem föderal organisierten Land gar nicht anders sein. Die Sehnsucht nach einfachen, überschaubaren Maßnahmen, die in ganz Deutschland, in allen Bildungseinrichtungen, in Schulen und Kindergärten, gleichermaßen gelten – diese Sehnsucht ist verständlich und zutiefst menschlich. Aber das Erscheinungsbild der Pandemie ist in den Bundesländern sehr unterschiedlich. Und auch innerhalb der Länder kann das Infektionsgeschehen in Großstädten und Landkreisen weit voneinander abweichen. Ja, sogar an einzelnen Schulen innerhalb einer Stadt ist die Situation nicht überall gleich.

03.08.2020, Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin: Schüler gehen am ersten Schultag nach den Sommerferien in Klassengruppen durch den zugeordneten Eingang zu ihrem Klassenraum in der Grundschule Lankow. Unter Corona-Bedingungen beginnt in Mecklenburg-Vorpommern wieder der Unterricht. Die Kultusminister der Länder haben vereinbart, dass die Schulen nach den Ferien trotz der Corona-Pandemie in den Regelbetrieb zurückkehren. Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/ZB | Verwendung weltweit (picture alliance / Jens Büttner / dpa-Zentralbild / ZB) (picture alliance / Jens Büttner / dpa-Zentralbild / ZB)Kultusministerkonferenz - Mehr Einheit gegen pädagogische Freihändigkeit
Schluss mit dem Bildungsförderalismus, mehr Transparenz und Einheitlichkeit, vor allem beim Abitur – darauf einigte sich die Kultusministerkonferenz. Ein Zeitplan steht noch aus.

Hubig: Schulen seien nicht Treiber der Pandemie

Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz hatte heute eine undankbare Aufgabe. Sie konnte sich nicht als Akteurin präsentieren, geschweige denn politisch durchgreifen. Stattdessen wiederholte sie eine wichtige Feststellung: "Die Schulen sind nicht Treiber der Pandemie", sagte die Präsidentin der KMK und Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz. Diese Position wird von einer heute vorgestellten Studie des Robert Koch-Instituts ausdrücklich bestätigt.

Passgenaue Lösungen vor Ort finden

Völlig zu Recht beließ es Hubig deshalb bei wenig spektakulären Sätzen im Namen ihrer Kolleginnen und Kollegen aus den Ländern: Das Lüften in den Klassenzimmern bleibe das A und O im Kampf gegen das Virus. Lüftungsgeräte seien nur dann sinnvoll, wenn das sogenannte "Stoßlüften" nicht möglich sei. Auch eine Maskenpflicht im Unterricht will die Kultusministerkonferenz nicht anordnen. Im Umgang mit der Maske müssten "jeweils passgenaue Lösungen" gefunden werden, sagte Hubig.

Wer jetzt mosert, das ergebe am Ende wieder einen "Flickenteppich an Maßnahmen", verkennt die Situation. Die Corona-Lage ist bunt. Sie ist in Berlin-Neukölln ganz anders als in Sachsen-Anhalt auf dem Lande. Eine komplexe Wirklichkeit verlangt komplexe politische Antworten, keine populistischen.

Korrespondent Sebastian Engelbrecht (Deutschlandradio / Christian Kruppa)Korrespondent Sebastian Engelbrecht (Deutschlandradio / Christian Kruppa) Sebastian Engelbrecht, geboren 1968 in Berlin, besuchte die Deutsche Journalistenschule in München und studierte Evangelische Theologie in Heidelberg, Berlin und Jerusalem. Promotion an der Universität Leipzig. Er war von 2008 bis 2012 ARD-Hörfunk-Korrespondent in Tel Aviv und anschließend Referent des Intendanten von Deutschlandradio. 2017-2018 unterwegs im In- und Ausland als Dlf-Reporter. Seit 2019 ist Sebastian Engelbrecht Korrespondent im Landesstudio Berlin von Deutschlandradio in Berlin-Mitte.

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