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StartseiteSprechstundeWie sollen Über-80-Jährige außerhalb von Pflegeheimen geimpft werden?05.01.2021

Corona-SchutzimpfungWie sollen Über-80-Jährige außerhalb von Pflegeheimen geimpft werden?

Seit gut einer Woche impfen mobile Teams Menschen über 80 in den Senioren- und Pflegeheimen. Doch ähnlich Hochbetagte leben auch in den eigenen vier Wänden. Wann können sie den Impfstoff erhalten und wie hilft man ihnen dabei?

Von Lennart Pyritz

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Ein Mann wird in Sindelfingen einem Altenpflegeheim von einem Mitglied eines Mobilen Impfteams des Klinikum Stuttgart mit einer Dosis eines Covid-19 Impfstoffes geimpft. (dpa-Bildfunk / Marijan Murat)
In Seniorenheimen können sich Bewohner und Bewohnerinnen sowie das Personal gegen das Corona-Virus impfen lassen (dpa-Bildfunk / Marijan Murat)
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Während mobile Impfteams in Senioren- und Pflegeheimen unterwegs sind, um die Bewohner dort zu impfen, können sich auch Mitarbeitende von Seniorenheimen impfen lassen, ebenso wie das Personal in Krankenhäusern, das durch Vorerkrankungen besonders gefährdet ist. Zur Gruppe derjenigen, die zuerst vor Corona geschützt werden soll, gehören aber auch alle Menschen über 80 Jahren, die nicht in einem Heim, sondern in der eigenen Wohnung oder bei ihrer Familie leben.

Wann beginnen die Impfungen für die Menschen über 80 Jahren, die zu Hause leben?

Frühestens am 11. Januar, in der Regel aber erst ab Februar werden diese Impfungen richtig anfangen. Dann nehmen die großen Impfzentren ihren Betrieb auf, wo sich auch alle Menschen über 80 impfen lassen können. In Deutschland hat man sich sehr früh dafür entschieden, solche zentralen Impfeinrichtungen aufzubauen, um möglichst schnell möglichst viele Menschen zu impfen. In der Anfangszeit der Kampagne, wo es darum geht, betagte und hochbetagte, also besonders gefährdete Menschen zu impfen, da wären sicherlich auch andere Lösungen denkbar gewesen. Ein Ansatz wären wohnortnahe Angebote in Kliniken oder großen Arztpraxen wie in Israel oder Großbritannien.

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Wie kommen Über-80-Jährige zu den zentralen Impfzentren?

Die Erreichbarkeit der Zentren ist in der Tat ein Problem. Gerade in ländlichen Regionen gibt es mitunter lange Anfahrtswege. Einige Impfzentren sind schlecht an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden. Auch vor Ort sind längere Wegstrecken zu bewältigen, nicht alle Zentren sind barrierefrei. Eine Ad-hoc-Befragung der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie unter 118 Hochbetagten legt das Dilemma offen: Zwar möchten sich über 70 Prozent der Hochbetagten gerne impfen lassen, die Mehrzahl von ihnen auch möglichst schnell. Aber nur etwa jeder Vierte von ihnen gibt an, dass er den Weg oder den Transport zum Impfzentrum selbst organisieren kann. Und jeder Zweite sagt, alleine ginge die Organisation des Transports nicht. Außerdem braucht es ja zwei Spritzen und damit zwei Impfzentrum-Besuche im Abstand von drei Wochen, damit die Impfung ihre volle Wirksamkeit entfaltet. 

Wie erfahren die Hochbetagten in Deutschland von ihren Impfterminen?

Das regeln die Bundesländer sehr unterschiedlich. Berlin will Beispiel die Senioren anschreiben und ihnen Impftermine vorschlagen. In den meisten anderen Bundesländern wie Thüringen, Schleswig-Holstein oder auch Nordrhein-Westfalen setzt man auf eine zentrale Telefonhotline und Onlinetools, um übers Internet Termine zu vereinbaren. Auch eine bundesweite einheitliche Hotline-Nummer, die 116117, soll eingerichtet werden. Über die Nummer 116117 ist es zurzeit aber noch nicht möglich, Termine zu vereinbaren. Das wird erst kurz vor Inbetriebnahme der Impfzentren eingerichtet. Auf dem Portal der Landesregierung NRW zum Beispiel heißt es, die Telefonnummern werden erst freigeschaltet, wenn der zugelassene Impfstoff in ausreichender Menge zur Verfügung stehe. Auf der Internetseite zur Telefonnummer www.116117.de erhält man einen schnellen Überblick, wie die Terminvergabe in den einzelnen Bundesländern funktioniert.

Telefonhotlines und Onlineformularen - überfordert das nicht die Hochbetagten?

Ob Anreise oder Online-Terminvereinbarung, all das können viele Hochbetagte nicht alleine organisieren. Die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie fordert deshalb, dass zügig Möglichkeiten geschaffen werden müssten, um die Senioren dabei zu unterstützen - etwa durch die Wohlfahrtsverbände, Kirchengemeiden, ehrenamtliche Begleiter. Auch die Familie oder Nachbarn können Hilfe anbieten, damit Menschen über 80 die Impfzentren erreichen und so den Impfstoff frühzeitig bekommen.

Wie sollen Hochbetagte, die nicht mehr mobil sind, geimpft werden?

Bei Senioren, die zwar zu Hause leben, aber so pflegebedürftig sind, dass sie die Wohnung nicht mehr verlassen können, ist eine Impfung besonders problematisch. Von offiziellen Stellen wie dem Gesundheitsministerium in Thüringen heißt es bislang, solche Menschen könnten derzeit nicht geimpft werden. Das liege vor allem am aktuellen Impfstoff von Biontech, der schwierig zu handhaben ist. Da der Impfstoff schnell verbraucht werden müsse und erschütterungsempfindlich sei, sei es unmöglich, mobile Impfteams auf Hausbesuche zu schicken. Stattdessen müssten diese Menschen auf die Zulassung von Impfstoffen warten, die weniger anspruchsvoll in der Lagerung und Handhabung seien.

Dem widerspricht die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie. Sie fordert, auch pflegebedürftige Seniorinnen und Senioren außerhalb der Heime so schnell wie möglich zu immunisieren, und regt an, dass mobile Impfteams Hausbesuche machen, wenn alle Pflegeheime versorgt sind.

Denn auch die Hochbetagten zu Hause zählen zu den Menschen, die eine Coronaschutzimpfung besonders dringend brauchen.

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