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StartseiteUmwelt und VerbraucherCO2-Ampeln als Erinnerung zum Lüften04.02.2021

Corona und AerosoleCO2-Ampeln als Erinnerung zum Lüften

SARS-CoV-2 kann beim Einatmen über­tragen werden. In schlecht belüfteten Innenräumen droht Anste­ckungs­gefahr. CO2-Sensoren können keine Coronaviren erkennen – zeigen aber an, wann es Zeit zum Lüften ist. Markus Bautsch von der Stiftung Warentest sagte im Dlf, gute CO2-Mess­geräte gebe es schon für unter 100 Euro.

Markus Bautsch im Gespräch mit Georg Ehring

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Ein Gerät zum Messen von Aerosolen steht auf dem Tresen der Bar "Chocolate" auf der Partymeile "Barfussgässchen". Die Gastronomen haben in dem Club eine Corona-Teststation eingerichtet, in der vor und nach den Feiertagen Schnelltests durch Fachpersonal angeboten werden. (dpa-Zentralbild)
Gerät zum Messen von Aerosolen: Die mittlere Arbeitsplatzkonzentration von CO2 liegt bei einem halben Prozent, die Warnschwelle sollte aber eher bei 0,1 Prozent liegen, sagt Markus Bautsch von der Stiftung Warentest. (dpa-Zentralbild)
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Viren sind zu klein für das menschliche Auge und lassen sich auch von Messgeräten nicht beobachten. Weil sie sich aber in der Luft sammeln und eine Zeit lang halten, wenn eine infizierte Person da ist, empfehlen Experten derzeit für Räume mit mehreren Personen dringend häufiges Lüften. Einen Anhaltspunkt gibt der CO2-Gehalt der Raumluft. Wenn der zu hoch wird, dann ist die Luft weitgehend verbraucht und es sollte gelüftet werden. Um dies zu beurteilen, gibt es Messampeln. Markus Bautsch von der Stiftung Warentest hat die derzeit erhältlichen Messgeräte nach verschiedenen Kriterien untersucht. 

   (www.imago-images.de) (www.imago-images.de)Coronavirus und Aerosole - Luftfilter können Virenlast in Räumen halbieren
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Markus Bautsch: Wir haben versucht, so viel zu berücksichtigen wie möglich. Wir haben Geräte, die eine Digitalanzeige haben, wo man den Messwert des Kohlenstoff-Dioxid-Gehalts ablesen kann. Wir haben aber auch Geräte mit Ampelanzeige, wo verschiedene Farben aufleuchten, und sogar zwei Geräte, die mit einer mobilen App abgelesen und gesteuert werden können.

Warnung beim richtigen Kohlendioxid-Gehalt

Georg Ehring: Messen die denn alle genau?

Bautsch: Die Frage der Genauigkeit ist gar nicht so sehr im Vordergrund, sondern die Frage ist, ob sie bei der richtigen Kohlendioxid-Gehaltsschwelle schalten und warnen. Wir haben Geräte, die das sehr hervorragend und reproduzierbar machen, und wir haben sogar auch Geräte, die das genau an den richtigen Stellen machen, wo man dann auch vor Corona-Viren gut gewarnt wird.

Ehring: Das heißt, es gibt festgelegte Schwellenwerte, die man nicht individuell einstellen kann?

Bautsch: Manche Geräte kann man sogar individuell einstellen. Da sollte man dann aber wirklich ganz genau wissen, was man tut. Es ist so, dass Kohlendioxid in der Atmosphäre zwar durch den Menschen immer intensiver wird, aber trotzdem nur ein Spurenelement ist mit sehr, sehr geringer Konzentration. Wir sind ungefähr bei 0,04 Prozent in der Außenluft.

In Innenräumen, wenn nicht gelüftet wird, reichert es sich durch den Atem an. Je mehr Personen und je kleiner der Raum, desto stärker. Und dann kann das schnell auf ein Prozent wachsen. Dann fangen auch schon Müdigkeitserscheinungen an. Aber das wäre viel zu spät, um vor Corona-Viren in der Atemluft zu warnen. Die mittlere Arbeitsplatzkonzentration liegt bei einem halben Prozent und die Warnschwelle sollte wirklich eher bei 0,1 Prozent liegen, spätestens bei 0,2 Prozent, damit man dann lüftet und die Viren aus dem Fenster rauslässt.

Farb- oder Digitalanzeige für Virenkonzentration

Ehring: Wie wird das denn angezeigt in den Geräten, die Sie geprüft haben?

Bautsch: Alle Geräte, die wir geprüft haben, haben eine Farbanzeige, mindestens rot und grün für in Ordnung oder nicht in Ordnung. Manche haben sogar vier oder fünf Abstufungen, wo es dann von blau über grün bis zu Rot oder sogar violett geht. Einige Geräte haben auch eine Digitalanzeige, wo man die Konzentration direkt als Messwert ablesen kann.

Ehring: Wie teuer ist denn so ein Gerät?

Bautsch: Es gibt gute Geräte für unter 100 Euro, aber je nach Ausstattungsgrat kann man dafür auch über 400 Euro ausgeben.

Ehring: Gibt es denn auch schlechte Geräte?

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Am besten dort platzieren, wo gearbeitet wird

Bautsch: Ja, wir haben einige Geräte im Test, die nicht geeignet sind, um zuverlässig zu warnen – entweder weil sie nicht hinreichend genau messen, oder weil die Messschwelle nicht für Corona-Viren geeignet ist, und die sind dann auch entsprechend schlecht bewertet worden.

Ehring: Wenn ich jetzt so ein Gerät habe, wo sollte ich es platzieren?

Bautsch: Man sollte es natürlich nirgends platzieren, wo Zug herrscht. Am halb offenen Fenster oder so macht wenig Sinn. Man sollte es möglichst in die Nähe der Menschen bringen und man sollte auch dafür sorgen, dass die Raumluft möglichst verwirbelt ist. Es nützt nichts, in der Ecke zu messen, wenn die Menschen am Fenster sitzen und die schlechte Luft praktisch gar nicht zum Messgerät hinkommt. Aber wenn Bewegung im Raum ist und ein bisschen zirkuliert, dann ist es nicht zu kritisch, wo man das Gerät aufstellt. Man kann es auch an die Wand hängen oder am besten natürlich auf den Tisch, wo gearbeitet wird.

Ehring: Sind denn solche Geräte auch empfehlenswert über Corona hinaus? Sie zeigen ja auch dann an, wenn die Luft verbraucht ist.

Bautsch: Die wirklichen Ermüdungserscheinungen, die treten wirklich erst bei einem halben bis ein Prozent auf. Wenn man natürlich dauerhaft schlechte Luft hat, dann wird es irgendwann auch ermüdend. Insofern warnen die auch davor, aber die Schwellen, die für die Corona-Viren wichtig sind, sind deutlich niedriger als die, die für Müdigkeit relevant sind.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Der Deutschlandfunk macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

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