Kommentare und Themen der Woche 11.08.2020

Corona und der FußballMilliardenbranche kann nicht erneut privilegiert werdenVon Mathias von Lieben

Beitrag hören Europa League Bayer 04 Leverkusen vs. Internazionale Mailand Stadion Innenraum Anpfiff Gedenkminute Fußball , UEFA, Europa League, Saison 19/20 Viertelfinale Bayer 04 Leverkusen : Internazionale Mailand In der Merkur Spiel Arena in Düsseldorf Foto: Norbert Schmidt / Pool Nur für journalistische Zwecke. Editorial use only Duesseldorf Merkur Spiel Arena NRW Germany *** Europa League Bayer 04 Leverkusen vs. Internazionale Milano Stadium Interior Kick-off Minute of Commemoration Football , UEFA, Europa League, Season 19 20 Quarterfinal Bayer 04 Leverkusen Internazionale Milano In der Merkur Spiel Arena in Düsseldorf Photo Norbert Schmidt Pool For journalistic purposes only Editorial use only Duesseldorf Merkur Spiel Arena NRW Germany Poolfoto Norbert Schmidt / Pool ,EDITORIAL USE ONLY (imago images / Poolfoto / Norbert Schmidt)Keine Zuschauer: Fußball Europa League Spiel Leverkusen gegen Inter am Montagabend in Düsseldorf (imago images / Poolfoto / Norbert Schmidt)

Die Gesundheitsminister sind vorerst gegen eine Rückkehr der Fans in die Fußballstadien. Dies ist die einzig logische und richtige Konsequenz, meint Mathias von Lieben. Denn es wäre eine Öffnung hinein in eine zunehmende Infektionsgefahr, die Epidemiologen für den Herbst sowieso erwarten.

Werfen wir einen Blick auf das aktuelle Szenario: Das Robert Koch-Institut meldet heute fast 1.000 neue Corona-Infektionen. Viele Reisende kehren aus ihrem Urlaub zurück - müssen sich aber erst seit Samstag testen lassen, wenn sie in einem Risikogebiet waren. Und in fünf Bundesländern sitzen Kinder und Lehrende wieder im Klassenzimmer, während an anderen Orten Strände und Badeseen wegen der Hitzewelle überfüllt sind. Allein dieser neue Alltag mit lauter potenziellen Infektionsherden ist in dem aktuellen Pandemie-Stadium Versuchsballon genug.

Virenverdächtige Enge

Dass die Gesundheitsminister der Bundesländer sich vor diesem Hintergrund zunächst einmal gegen das Konzept der Deutschen Fußball Liga über eine Rückkehr von zehntausenden Fans in die Fußballstadien ausgesprochen haben, ist die einzig logische und richtige Konsequenz. Denn: Es wäre eine Öffnung hinein in eine zunehmende Infektionsgefahr, die Epidemiologen für den Herbst sowieso erwarten, wenn sich die Menschen wieder vermehrt in geschlossenen Räumen aufhalten. Während die einen vor einer zweiten Welle und die anderen vor einem zweiten Lockdown warnen, kann nicht gleichzeitig die Milliardenbranche Fußball erneut privilegiert werden.

Ein Fan hält einen Plastikbecher mit Bier auf der Tribüne in der Hand. (imago) (imago)DFL-Hygienekonzept - Alle müssen verzichten: die Liga, die Vereine, die Fans Auch die nächste Saison in der Fußball-Bundesliga wird eine unter Ausnahmebedingungen sein. Das von der Deutschen Fußball-Liga vorgeschlagene Hygienekonzept sei ein Kompromiss, mit dem am Ende alle leben können oder leben lernen müssen, kommentiert Matthias Friebe.

Besonders dann nicht, wenn zum Beispiel der finanziell deutlich angeschlagenere Kulturbetrieb mit strengeren Zuschauer-Beschränkungen klarkommen muss. Außerdem: Warum sollten all die Testkapazitäten der Gesundheitsämter für Fans und ihr Hobby verwendet werden, während Erzieher, Erzieherinnen und Pflegekräfte diese in ihrem Beruf doch viel eher bräuchten? Ja, die gesellschaftspolitische Bedeutung des Fußballs ist nicht zu unterschätzen. Nur: Gerade in Pandemiezeiten ist die Verhältnismäßigkeit politischer Entscheidungen ein viel höheres Gut.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Als Wirtschaftsunternehmen steht es der DFL und den Vereinen zu, sich über eine Rückkehr zum Normalbetrieb mit Zuschauern Gedanken zu machen. Und das Konzept ist ja vernünftig und durchdacht: Das Verbot von Stehplätzen, Gästefans und Alkohol soll Infektionsherde verhindern, personalisierte Tickets sollen für eine bessere Nachverfolgung möglicher Infektionen sorgen. All das und vieles mehr klingt gut und kann später einmal beispielhaft für andere Bereiche sein. Doch auch das Konzept kann nicht verhindern, dass sich Fans zum Beispiel bei der An- und Abreise zu einem Fußballspiel in die virenverdächtige Enge von Bussen und Bahnen zwängen.

Von einem kleinen Schritt kann keine Rede sein

Christian Seifert, der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga, hatte es kürzlich selbst gesagt: Der Profifußball könne wie alle anderen Bereiche nur in kleinen Schritten zurückkehren zum Normalbetrieb. Der erste Schritt war die erfolgreiche Rückkehr zum Spielbetrieb mit Geisterspielen in der vergangenen Saison. Schritt zwei sollte nun die Rückkehr der Zuschauer in die Stadien sein, wenn Mitte September in erster und zweiter Bundesliga wieder der Ball rollt. Doch von einem kleinen Schritt kann dabei keine Rede sein. Nein: Er ist derzeit eher viel zu groß.

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