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CoronaWie die Arbeitswelt mit den Infektionszahlen umgeht

Eine Mitarbeiterin macht im neuen Amazon-Logistikzentrum ein Paket für den Versand bereit. (dpa-Zentralbild)
In diesem Logistikzentrum gilt Maskenpflicht - weite Teile der Wirtschaft laufen so weiter wie bisher (dpa-Zentralbild)

Arbeiten von zu Hause aus gilt als wichtiges Mittel, um Kontakte zu reduzieren und das Coranavirus einzudämmen. Viele Betriebe haben im März vergangenen Jahres ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor allem aus Büros nach Hause geschickt. Doch in der zweiten Welle der Pandemie zögerten einige Unternehmen, mit gleicher Konsequenz zu handeln. Wie ist der Status quo, was ist möglich und sinnvoll?

Weil sich das Coronavirus weiter rapide verbreitet, gelten für viele Bereiche des Landes weitreichende Beschränkungen: Kultur, Breitensport und Freizeitangebote sind geschlossen, genau wie weite Teile von Gastronomie und Einzelhandel. In den meisten anderen Berufen wird jedoch weitergearbeitet wie zuvor.

Wie ist die aktuelle Gesetzeslage?

Als politische Appelle nicht die erhoffte Wirkung zeigten, erließ Bundesarbeitsminister Heil Ende Januar eine Arbeitsschutzverordnung, die zunächst bis zum 15. März befristet ist. Hier heißt es: "Der Arbeitgeber hat den Beschäftigten im Fall von Büroarbeit oder vergleichbaren Tätigkeiten anzubieten, diese Tätigkeiten in deren Wohnung auszuführen, wenn keine zwingenden betriebsbedingten Gründe entgegenstehen." Die zwingenden Gründe definiert der Arbeitgeber.

Heil empfiehlt Beschäftigten im Zweifelsfall, das Gespräch mit dem Chef oder dem Betriebsrat zu suchen. Bleibt es beim Konflikt zwischen Chef und Mitarbeiter, kann sich der Beschäftigte an die zuständige Arbeitsschutzbehörde wenden. Sie und die Unfallversicherungsträger haben die Möglichkeit, die Umsetzung der Verordnung zu kontrollieren und gegebenenfalls auch Homeoffice für einzelne Mitarbeiter durchzusetzen. Ihre Sanktionsmöglichkeit sind Bußgelder.

Aus rechtlichen Gründen können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht gezwungen werden, zu Hause zu arbeiten. Heil appelliert aber nachdrücklich, die Möglichkeit zum Homeoffice wahrzunehmen, um Kontakte und damit mögliche Ansteckungen zu vermeiden.

Wie viel Homeoffice ist überhaupt möglich?

Im Januar hat jeder vierte Erwerbstätige in Deutschland vorwiegend im Homeoffice gearbeitet. Das waren zehn Prozent mehr als im November, berichtet die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung unter Berufung auf eine Umfrage. Für einen Drittel der Befragten spielten die dringenden Empfehlungen von medizinischen Experten, der Politik und Sozialpartnern eine wichtige Rolle für den Wechsel ins Homeoffice.

Knapp 40 Prozent der Befragten gaben im Januar an, sie könnten ihre beruflichen Tätigkeiten uneingeschränkt oder zu einem großen Teil in Heimarbeit erledigen. Allerdings schien es in manchen Betrieben immer noch Druck auf die Beschäftigten zu geben, vor Ort zu arbeiten, berichtet die Hans-Böckler-Stiftung.

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt auf einen Anteil von rund 40 Prozent der Erwerbstätigen, die von zu Hause arbeiten könnten. Einer Studie des Deutschen Jugendinstituts zufolge liegt das Potenzial sogar noch höher - bei 56 Prozent, unter den Erwerbstätigen mit Hochschulabschluss sogar bei 86 Prozent.

Welche Argumente werden diskutiert?

Die Gewerkschaften unterstreichen immer wieder die Forderung nach einem Rechtsanspruch auf Homeoffice, so auch der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann. Er sagte er im Deutschlandfunk, wo es die Möglichkeit gebe, zuhause zu arbeiten, müssten Arbeitnehmer auch einen Anspruch darauf haben.

Die Grünen drängen auf eine Verlängerung der bis zum 15. März befristeten Corona-Arbeitsschutzverordnung, die Arbeitgeber verpflichtet, Homeoffice anzubieten. Fraktionschefin Göring-Eckardt sagte laut FAZ: „Dass inmitten der Pandemie jetzt wieder mehr Menschen von zuhause arbeiten und mehr Arbeitgeber das auch ermöglichen, zeigt, wie überfällig eine rechtliche Regelung war.“

Anfang Januar hatte die Berliner Grünen-Politikerin Laura Dornheim unter dem Hashtag #MachtBürosZu ihre Follower in sozialen Medien um Angaben gebeten, wie es um Präsenzpflicht und Infektionsschutz bei ihren Unternehmen bestellt ist. Eine Liste mit in dieser Hinsicht vorbildlichen Arbeitgebern machte sie öffentlich; die Negativ-Liste wollte sie mit Blick auf mögliche juristische Folgen nicht selbst veröffentlichen. Auch jetzt noch kursiert der Hashtag rege. Zum Teil gesellt sich noch #MachtFabrikenZu dazu, also die Forderung, auch Produktionsstätten still zu legen.

Von Arbeitgeberseite wurde und wird mit dem starken wirtschaftlichen Druck gegen nach Ansicht der Firmen und Betriebe zu harte Corona-Maßnahmen argumentiert. "Wir müssen die Menschen pandemiegeschützt so gut es geht in Brot und Arbeit halten. Nur mit Wertschöpfung können wir unsere Sozialsysteme am Leben halten, die im Moment alle versorgen", sagte etwa Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Das Land müsse am Laufen gehalten, Insolvenzen sollten vermieden werden. Er meint: "Sie können doch nicht alle Betriebe schließen".

Noch mehr Informationen rund um das Thema Homeoffice in der Pandemie finden Sie hier.

(Stand: 16.02.2021)

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