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StartseiteKommentare und Themen der WocheNicht nur der Staat kann helfen04.04.2020

CoronakriseNicht nur der Staat kann helfen

Vermeintlich glänzend aufgestellte Unternehmen haben selbst nach jahrelanger Hochkonjunktur kaum Rücklagen gebildet. Das müsse sich ändern, kommentiert Burkhard Ewert. Denn viele Firmen werden trotz der staatlichen Hilfsprogramme die Coronakrise nicht überstehen.

Von Burkhard Ewert, stellv. Chefredakteur Neue Osnabrücker Zeitung und MHN Medien

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Nike und Adidas-Filialen in der Berliner Tauentzienstraße (imago / Stefan Zeitz)
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Kein Arbeitsplatz werde verloren gehen, sagte Peter Altmaier, als absehbar wurde, dass in der medizinischen Dimension nur eines der Covid-19-Probleme liegt und es mittelfristig womöglich nicht einmal das mit den größten gesellschaftlichen Folgen ist. Keine vier Wochen ist das her. Dem Bundeswirtschaftsminister wird schnell klar geworden sein, dass sich seine Bemerkung in ihrer Allgemeinheit bald rächen würde.

Gemeint war sie natürlich eher so: Der Staat werde alles tun, zumindest alles, was ihm möglich ist, damit eine Firma, zumindest, wenn sie gesund ist, nicht schließen müsse, zumindest nicht wegen der Corona-Krise.

Viele Unternehmen werden schließen

Ziemlich viele Einschränkungen, die unausgesprochen blieben, aber logisch sind, so lange Deutschland nicht als Planwirtschaft aus der Krise hervorgehen will. Daher gilt: Es werden viele Unternehmen schließen. Einige, weil sie sowieso wankten. Andere werden leiden, weil sie gegenwärtig schlecht geführt oder beraten werden und Konkurrenten besser aus der Krise herauskommen als sie. Weitere werden einfach machtlos zusehen müssen, wie ihre Geschäftsfelder de facto stillgelegt worden sind.

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Damit die Folgen ansatzweise beherrschbar bleiben, hat die Bundesregierung gemeinsam mit den Ländern Hilfen in bisher ungekanntem Ausmaß auf den Weg gebracht. Hier und da kam deshalb Häme auf, nach dem Motto: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren, das könne es doch nicht sein. Und es stimmt ja auch. Wer in guten Zeiten in Saus und Braus lebt und beim kleinsten Lüftchen nach dem Staat ruft, macht es sich zu einfach. Da geht es nicht nur um Adidas, eines der Unternehmen, die Mietzahlungen zunächst aufschieben wollten.

Strengere Eigenkapitalregeln auch für Unternehmen

Selbst den Verbänden fiel auf, wie viele selbstbewusste Chefs vermeintlich glänzend aufgestellter Firmen selbst nach jahrelanger Hochkonjunktur keine nennenswerten Rücklagen gebildet hatten.

Liquidität ist es, um die sich in vielen Unternehmen derzeit alles dreht – also um das flüssige Geld zur Zahlung kurzfristiger Verpflichtungen. Es lohnt die Frage, wieso die Reserven hierfür eigentlich so gering sind. Nach der Coronakrise wäre zu prüfen, ob ähnlich wie Banken auch Unternehmen zu rigideren Rücklagen- und Eigenkapitalregeln verpflichtet werden sollten, gestaffelt nach Größe und Rechtsform.

Am Staat gibt es bisher wenig zu mäkeln. Donnerstag den Antrag gestellt, am Montag floss das Geld: Wenn ein Programm erst mal lief, gab es solche Beispiele vielerorts. Ist jetzt aber jede Hilfe gerechtfertigt? Das sollte geprüft werden, aber erst hinterher. Und komplett gerecht kann es in einer Zeit wie dieser ohnehin nicht zugehen, im Übrigen auch nicht bei den Beschäftigten. Während viele Freiberufler vor dem Nichts stehen und Hundertausende Angestellte sich zumindest auf Kurzarbeit einstellen müssen, arbeiten andere derzeit bei vollen Bezügen so gut wie gar nicht.

Coronavirus (imago / Science Photo Library)Alle Beiträge zum Thema Coronavirus (imago / Science Photo Library)

Aber wer weiß? So wie Krankenschwestern und Kassierern gegenwärtig eine gestiegene Wertschätzung entgegenschlägt, so vielleicht künftig auch den Selbstständigen? Hilfen hin oder her, es ist riskant, aus eigener Kraft und mit eigenem Geld eine Firma zu führen. Und wer jetzt in der Krise als Heimarbeiter gelassen vom Balkon grüßt, der sollte hinterher womöglich auch Beratern ihren Bonus gönnen, so wie Krankenschwestern ihren Rentenzuschlag, auch wenn der zulasten der eigenen Pensionszahlung geht.

Zum Helfer werden kann ja derweil auch jeder selbst und ganz ohne den Staat. Muss es die Online-Bestellung chinesischer Billigwaren beim amerikanischen Online-Marktplatz sein, bezahlt über globale Dienstleister und geliefert von osteuropäischen Wanderarbeitern? Vielleicht tut es ja künftig auch der Kauf beim Laden um die Ecke, verbunden mit einem Schwatz über die Lage im Viertel und die Zeit damals in der Krise mit Corona.

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