Montag, 25.05.2020
 
StartseiteWirtschaft am MittagWelche Staatshilfen bekommt die Lufthansa?04.05.2020

Coronakrise Welche Staatshilfen bekommt die Lufthansa?

Noch fließen keine Staatshilfen für Deutschlands größte Airline. Doch das könnte sich schon bald ändern. Welche Modelle kommen für den Einstieg des Staates in Frage? Ein Überblick.

Von Brigitte Scholtes

Hören Sie unsere Beiträge in der Dlf Audiothek
Maschinen der Fluggesellschaft Lufthansa stehen auf dem Areal des Hauptstadtflughafens Berlin-Brandenburg (BER) abseits der Start- und Landebahn.  (dpa / picture alliance / Tino Schöning)
Corona-Zeit: Maschinen der Lufthansa zum Parken verdammt (dpa / picture alliance / Tino Schöning)
Mehr zum Thema

Staatliches Rettungspaket Ringen um Geld und Mitsprache in Sachen Lufthansa

Lufthansa im Schrumpfprozess Das Aus für Germanwings sozialverträglich gestalten

Enorme Geschäftseinbußen Lufthansa bittet um Staatshilfe

Zehn Milliarden Euro – so hoch könnte die Staatshilfe für die Lufthansa ausfallen. Spekuliert wird darüber, dass der Staat zum einen 5,5 Milliarden Euro gibt als stille Beteiligung, 3,5 Milliarden Euro könnten als Kredit der KfW fließen, mit einer weiteren Milliarde Euro würde sich der Staat dann ein Aktienpaket mit einer Sperrminorität von gut 25 Prozent sichern.

Die Stille Beteiligung

Die stille Beteiligung wäre der Lufthansa am angenehmsten, vermutet Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der DSW, der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Denn dabei verzichtet der Staat auf Mitspracherecht im Konzern. Diese stille Beteiligung wird als Eigenkapital gewertet, das erleichtert dem Unternehmen dann auch die Refinanzierung am Kapitalmarkt. Doch eine solche stille Beteiligung würde der Bund sich angemessen bezahlen lassen über eine sogenannte Garantiedividende. Das ist nicht mit einer Dividende, also einer Ausschüttung an die Aktionäre zu verwechseln, mit einer Gewinnbeteiligung also, die die Lufthansa in guten Zeiten zahlt, erklärt Tüngler:

"Es ist im Endeeffekt ein Zins, und der fällt sehr hoch aus. Man muss ja fast schon sagen, das hat schon den Charakter von Wucher, 9 Prozent oder mehr. Aber der Staat geht ja auch mit Steuergeldern stark ins Risiko, weil die stille Beteiligung eben als Eigenkapital gewertet wird. Also würde die Lufthansa insolvent gehen, was ja eben nicht passieren wird, weil ja gerade der Staat eintritt, dann wird aber dieses Geld auch weg sein. Und dafür muss man einen Preis zahlen, dafür muss die Lufthansa einen Preis zahlen, und der wird gezahlt in Form einer Garantiedividende." Ein höherer Zins ist dann auch Anreiz für das Unternehmen, diese Geldspritze des Staates in besseren Zeiten dann möglichst schnell zurückzuzahlen.

Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)

Hinzu käme eben ein Kredit der staatseigenen KfW, der vielleicht mit vier Prozent verzinst würde. Auch damit lässt der Staat sich das Risiko angemessen bezahlen. Allerdings dürfte die Lufthansa am Markt aktuell ohnehin zu solchen Bedingungen kaum Kredit aufnehmen können.

Sperrminorität und aktive Beteiligung

Umstritten ist aber die aktive Beteiligung, die der Staat wohl auch anstrebt, wenn er also Aktien erwirbt und damit eine Sperrminorität. Damit hätte man beträchtlichen Einfluss auf die Geschäftspolitik diskutiert, sagt Tüngler:

"Mit 25 Prozent plus ein bisschen hat man schon Sperrminoritäten. Also, man kann große, wesentliche Entscheidungen verhindern, zum Beispiel wenn neues Kapital aufgenommen werden muss oder wenn die Satzung geändert wird. Da hat man schon Power, hat man Macht reinzuregieren, gerade bei den großen Fragen. Nicht im Tagesgeschäft, aber bei den großen strategischen Fragen schon, und da muss der Staat einfach Zurückhaltung üben."

Denn bei einer direkten Beteiligung stünden dem Staat auch ein oder zwei Sitze im Aufsichtsrat zu, für Michael Gierse, Luftfahrtexperte der genossenschaftlichen Fondsgesellschaft Union Investment, wäre das eine schlimme Vorstellung:  "Die Lufthansa muss natürlich versuchen, das ganze effizient zu gestalten, das heißt: Sie haben heute schon zwei Drehkreuze in Deutschland mit München und Frankfurt, und zum Beispiel ein drittes Drehkreuz in Berlin, was vielleicht Politiker fordern könnten, das ist überhaupt nicht machbar. Das wäre viel zu ineffizient operativ."

Abonnieren Sie unseren Coronavirus-Newsletter (Deutschlandradio)Abonnieren Sie unseren Coronavirus-Newsletter! (Deutschlandradio)

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie den Deutschlandfunk