Donnerstag, 09. Dezember 2021

Coronaschutz an SchulenDie Maske muss bleiben

Dass mehrere Bundesländer die Maskenpflicht an Schulen aufheben, sei ein großer Fehler, kommentiert Christina Sartori. Denn gerade an den Schulen schnellen die Infektionszahlen derzeit in die Höhe, und eine Corona-Infektion sei störender als eine Maske - das gelte auch für Schüler.

Ein Kommentar von Christina Sartori | 28.10.2021

Eine Schülerin einer 4. Klasse sitzt im Unterricht an der Grundschule Russee in Kiel mit einer FFP-2-Maske an ihrem Platz. Trotz weiterhin verschärfter Kontaktbeschränkungen für die Bevölkerung in der Coronakrise sollen in Schleswig-Holstein ab heute Grundschüler und Kindergartenkinder wie die jeweiligen Einrichtungen besuchen.
Die Maske störe, sie sei pädagogisch gesehen ein Hindernis, aber trotzdem müsse sie bleiben, kommentiert Christina Sartori (picture alliance/dpa | Gregor Fischer)
Dass nach Bayern, Berlin und Brandenburg jetzt auch in den Schulen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein die Masken fallen sollen – das ist ein großer Fehler.
Denn es stimmt zwar: Kinder gehen in die Schule, um zu lernen. Lernen und Lehren – das geht beides nur, wenn die Kommunikation stimmt. Ein Mund Nasenschutz erschwert das. Vor allem im Fremdsprachenunterricht, aber auch in Deutsch ist eine Maske ein echtes Hindernis. Und für einen Erstklässler kann das Lächeln seiner Lehrerin eine große Hilfe sein, um den Übergang zur Schule zu meistern. Auch hier stört die Maske – sie ist pädagogisch gesehen: Ein Hindernis. Aber trotzdem muss sie bleiben.

Inzidenzen an Schulen auf Rekordhoch

Denn gerade in den Schulen ist das Risiko derzeit besonders hoch, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Schon seit längerem gibt es bei den unter 18-Jährigen deutlich häufiger Neuinfektionen als in allen anderen Altersgruppen: In Bayern ist die Inzidenz der unter 18-Jährigen auf einem Rekordhoch, in Berlin und Brandenburg liegt sie bei über 180. Auch in NRW ist sie deutlich höher als bei den Erwachsenen des Bundeslandes.
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Jeder, der sich schon einmal auf einem Elternabend in eine Schulbank gequetscht hat, weiß warum: Enger zusammensitzen geht nicht. Da hilft dann auch das Lüften nur bedingt und Lüftungsfilter, wenn vorhanden, bewirken noch weniger als das aufgerissene Fenster. Dazu kommen die Millionen von Erwachsenen, die immer noch ungeimpft sind – Dank ihnen kursiert das Corona Virus noch immer in unserer Gesellschaft – und damit eben auch in den Schulen. Das bedeutet: Da in der Bevölkerung die vierte Welle jetzt an Fahrt aufnimmt, wird wohl auch in den Schulen die Zahl der Neuinfektionen weiter steigen. Es wird schlechter, nicht besser werden in den kommenden Wochen.

Kinder können sich nicht durch Impfung schützen

Wer jetzt einwendet, dass in Restaurants und Kneipen am Sitzplatz auch keine Masken getragen werden müssen, der vergisst: Die Impfquote ist in der Gruppe der Erwachsenen deutlich höher als bei den unter 18-Jährigen. Denn: Kinder unter 12 können sich nicht per Impfung vor Covid19 schützen und sie müssen in die Schule gehen – Erwachsene können sich schützen, wenn sie wollen, außerdem gibt es keine Pflicht in die Kneipe zu gehen.
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Und es stimmt zwar: Für gesunde Kinder und Jugendliche ist das Risiko, schwer an Covid19 zu erkranken äußerst gering. Aber: Es liegt nicht bei null. Kranke Kinder oder Kinder mit bestimmten Risikofaktoren können sehr wohl richtig krank werden, und einige leiden nach einer Corona-Infektion an einer schweren Entzündung, müssen deswegen ins Krankenhaus. Das alles geschieht recht selten – aber es geschieht. Dazu kommt: Bisher weiß man erst wenig über die Spätfolgen, die dieses Virus bei jungen Menschen verursachen kann. Zu wenig jedenfalls, um das Virus durch die Schulen rauschen zu lassen.
In wenigen Tagen wird sehr wahrscheinlich in den USA der Biontech Impfstoff auch für Kinder zwischen 5 und 12 Jahren zugelassen, in Europa könnte das bis Ende des Jahres geschehen. Solange sollten sie so gut wie möglich vor dem Corona Virus geschützt werden. Masken im Unterricht sind da ein effektives Mittel, wenn sie auch manchmal stören. Denn: Eine Corona-Infektion und ihre Folgen können noch störender sein.