Kommentare und Themen der Woche 24.07.2020

Coronatests für UrlaubsrückkehrerSchläfriges Agieren der GesundheitsministerVon Frank Capellan

Beitrag hören Eine einsame Reisende mit zwei großen Koffern menschenleeres Terminal 1 in der Abflughalle B im Flughafen Frankfurt, Hessen, Deutschland (www.imago-images.de/Ralph Peters)Rückkehr aus Risikogebieten - eine Corona-Untersuchung verpflichtend vorzuschreiben, ist nicht möglich (www.imago-images.de/Ralph Peters)

Es ist ein schlechter Witz, kommentiert Frank Capellan, dass sich die Gesundheitsminister erst auf dem Höhepunkt der Reisewelle damit beschäftigen, wie mit Urlaubs-Rückkehrern in der Coronakrise zu verfahren ist. Bis alle Teststellen eingerichtet sind, sind die meisten Urlauber vermutlich wieder zu Hause.

Und sie reisen doch, völlig überraschend! Konnte ja auch niemand ahnen, dass sich die Deutschen ihren Auslandstrip nicht verbieten lassen würden … Nein – es ist ein schlechter Witz, dass sich die Gesundheitsminister erst jetzt – auf dem Höhepunkt der Reisewelle – damit beschäftigen, wie mit Rückkehrern aus sogenannten Risikogebieten zu verfahren ist.

Bis alle Teststellen eingerichtet sind, sind die meisten Urlauber vermutlich längst wieder zu Hause. Und weil die Politik geschlafen hat, ist es nicht einmal möglich, die Corona-Untersuchungen verpflichtend vorzuschreiben. Es wäre juristisch schwierig, Menschen die schon im Ausland sind, nach ihrer Rückkehr nun zu einem solchen Test zu verdonnern.

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Um dennoch möglichst viele Urlauber vom Test überzeugen zu können, soll also niemand aus eigener Tasche zahlen müssen. Länder und gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Kosten, die mit 90 bis 150 Euro pro Schnelltest beziffert werden. Bleibt die Frage, warum die Allgemeinheit dafür blechen muss, wenn Mitbürger in sogenannte Risikogebiete geflogen sind. Damit werden all diejenigen bestraft, die sich brav darangehalten haben, in diesem Corona-Sommer doch bitte in Deutschland zu bleiben.

Ein Mann mit Koffer geht durch die Halle eines Flughafens. (Getty Images) (Getty Images)"Tests sollten kostenlos durchzuführen sein"
Nur ein Coronatest für Reiserückkehrer bei der Ankunft in Deutschland sei unsinnig, sagte der Mediziner Eckhard Nagel im Dlf. Denn trete eine Infektion erst im Flugzeug auf, sei diese kurze Zeit später am Flughafen nicht feststellbar. 

Natürlich ist niemand zu verurteilen, der trotzdem ins Ausland gefahren ist – und übervolle Strände an der deutschen Küste etwa legen die Frage nahe, ob es nicht ohnehin sinnvoller gewesen wäre, auf den Bleibt-in-Deutschland-Rat zu verzichten. Die Massen hätten sich dann besser verteilt. Sinnvoll ist es allerdings, nun nicht mehr zwischen Risikoländern und EU-Staaten zu differenzieren. Deutsche, die am Ballermann die Sau rausgelassen haben, ließen Mallorca etwa zum Risikogebiet werden, da ist es gut, dass sich alle testen lassen können, die nun ein ungutes Gefühl haben, dort gewesen zu sein.

Dass schläfrige Agieren der Gesundheitsminister wird aber mitverantwortlich sein, wenn die Infiziertenzahlen nun wieder steigen. Sinnvoll wäre es gewesen, vor Beginn der Reisewelle die Bedingungen für Auslandsreisen klipp und klar auf den Tisch zu legen: Zwangstest nach Rückkehr und Kostenübernahme durch den Urlauber. Aber wer konnte schon ahnen, dass es doch so viele Menschen in ferne Gefilde zieht.

Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub  )Frank Capellan, Hauptstadtstudio (Deutschlandradio / Bettina Straub )Frank Capellan, geboren 1965 im Rheinland, studierte Publizistik, Neuere Geschichte und Politikwissenschaften, Promotion an der Universität Münster. Nach einer Ausbildung bei der Westdeutschen Zeitung folgte ein Volontariat beim Deutschlandfunk, dem er bis heute treu geblieben ist. Zunächst Moderator der Zeitfunk-Sendungen, unter anderem der Informationen am Morgen; seit vielen Jahren als Korrespondent im Hauptstadtstudio tätig, dort u. a. zuständig für die SPD und Familienpolitik.

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