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CoronavirusAuf der Suche nach einem wirkungsvollen Medikament

02.04.2020, Nordrhein-Westfalen, Köln: Apotheke am 02.04.2020 in Köln  Kunden müssen am 02.04.2020 vor einer Apotheke in Köln Schlange stehen.  Als Apotheke wird ein Ort bezeichnet, an dem Arzneimittel und Medizinprodukte abgegeben, geprüft und hergestell (Revierfoto)
Medikamente gegen Covid-19 sind noch in der exerimentellen Erforschung - oder schon Bestandteil der Hausapotheke. (Revierfoto)

Im Kampf gegen die Corona-Pandemie stehen die Impfstoffe im Mittelpunkt. Weniger Aufmerksamkeit bekommt die Suche nach Medikamenten gegen Covid-19. Aber die Krankheit ist trotz der Zulassung mehrerer Impfstoffe noch längst nicht verschwunden. Wie steht es um die Arzneimittel - ein Überblick.

Die Bundesregierung setzt offenbar große Hoffnung auf sogenannte Antikörper-Mittel bei Covid-19-Erkrankungen. Für Deutschland kaufte sie 200.000 Dosen für 400 Millionen Euro. Laut Bundesgesundheitsministerium handelt es sich um die Medikamente REGN-COV2 und Bamlavinimab. Beide Mittel haben in den USA bereits eine Notfallzulassung erhalten, in der EU sind sie bislang nicht zugelassen. REGN-COV2 hatte im vergangenen Oktober weltweite Bekanntheit erlangt, nachdem der damalige US-Präsident Trump mit diesem Antikörper-Cocktail behandelt worden war. Ausführliche Informationen über die Antikörper-Mittel haben wir hier zusammengestellt.

Daneben gibt es noch zahlreiche weitere Ansätze zur Behandlung von Covid-19-Patienten. Viele Medikamente, die eigentlich für andere Krankheiten entwickelt worden waren, wurden ausprobiert. Denn bis ganz neue Arzeimittel entwickelt und zugelassen sind, können Jahre vergehen. Allerdings gab es bei den Behandlungsversuchen auch Rückschläge. So setzte man große Hoffnungen in das Medikament Remdesivir, das ursprünglich gegen Hepatitis C und Ebola entwickelt worden war. Letztlich zeigte sich aber in Studien, dass es nur in begrenzten Fällen einen Auswirkung auf den Krankheitsverlauf bei Infektionen mit dem Coronavirus hatte. Weitere Zusammenhänge werden noch erforscht.

Deutsches Unternehmen setzt auf ein "Pförtner"-Präparat

In Bayern forscht das Pharmaunternehmen Formycon an einem sogenannten Blocker gegen das Coronavirus. FYB207 heißt das Mittel, und es nutzt dem Unternehmen zufolge die Eigenschaft von Coronaviren, über einen Rezeptor auf der Oberfläche menschlicher Körperzellen einzudringen oder sich weiter zu verbreiten. Dieser Rezeptor wird durch das Mittel blockiert - und damit auch die Pforte in den Organismus. Es ist ein sogenanntes Antikörper-Fusionsprotein, das da zum Einsatz kommen könnte, und das sich den Forschungsergebnissen zufolge effektiv an Sars-Coronaviren bindet.

Der Vorsitzende von Formycon, Brockmeyer, sieht vor allem für schwer erkrankte Covid-19-Patienten eine Chance, einen milderen Verlauf zu durchleben. "Dadurch haben auch (diese) Patienten eine Behandlungsmöglichkeit", so Brockmeyer im Gespräch mit tagesschau.de. "Wir blockieren die Eintrittspforte, die das Virus nutzt, um in die Zellen einzudringen. Das bietet einen maximalen Schutz vor Mutationen. So beugen wir auch künftigen Coronavirus-Epidemien vor", betont Brockmeyer.

Bis das Medikament allerdings Marktreife erlangt, kann es noch dauern: Das Unternehmen rechnet frühestens in einem Jahr mit einer Zulassung.

Grippemedikament soll die Übertragung von Coronaviren stoppen

Einen anderen Ansatz verfolgt das Grippemedikament mit der komplexen Bezeichnung MK-4482/EIDD-2801. US-amerikanische Forscher gehen davon aus, dass das Mittel die Verbreitung von Coronaviren im Körper stoppen kann. Das Forscherteam aus Atlanta hat im Fachblatt Nature Microbiology eine Studie veröffentlicht, die im Tierversuch nachweist, dass das Medikament innerhalb von 24 Stunden die Übertragung von Coronaviren ausbremst.

Das Mittel wird auch Molnupiravir genannt. Die Wissenschaftler haben das Mittel an Frettchen ausprobiert. Die Tiere bekamen Molnupiravir zweimal täglich verabreicht - dadurch wurde die Sars-CoV-2-Belastung in den oberen Atemwegen deutlich nachweisbar reduziert, und die Ausbreitung auf unbehandelte Kontakttiere wurde unterbunden. Sollte sich zeigen, dass die Wirksamkeit beim Menschen ähnlich ist, dann wären Covid-19-Erkrankte nach der Einnahme des Medikaments innerhalb von 24 Stunden nicht mehr ansteckend.

Geld für mehr Forschungsarbeit

Die Bundesregierung setzt in der Pandemie-Bekämpfung neben dem Einsatz von Impfstoffen auch auf Medikamente für Covid-19-Patienten. Sie fördert bis Ende des Jahres 2023 sowohl die Entwicklung von Arzneimitteln als auch deren klinische Prüfung.

Einzelheiten zur Forschung an weiteren Medikamenten hat unsere Forschungsredaktion zusammengestellt. Vor allem an Fachleute richtet sich die Leitlinie zur stationären Behandlung von COVID-19-Patienten, die von mehreren Fachgesellschaften zusammengestellt wurde.

(Stand: 30.1.2021)

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