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StartseiteKommentare und Themen der WocheEuropa muss Italien helfen25.02.2020

CoronavirusEuropa muss Italien helfen

Die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus in Italien wird sich auch auf die EU-Haushaltsberatungen auswirken, kommentiert Karl Hoffmann. Denn die klamme Regierung in Rom könne den betroffenen Betrieben nicht die nötige Soforthilfe zukommen lassen.

Von Karl Hoffmann

Eine junge Frau mit einer Schutzmaske vor einer Apotheke in Turin, Italien, 24. Februar 2020  (dpa / NurPhoto / Mauro Ujetto )
In Italien stieg die Zahl der Infektionen sprunghaft an, es gibt erste Todesopfer (dpa / NurPhoto / Mauro Ujetto )
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Italien hat das Coronavirus kalt erwischt. Die Quarantäne italienischer Manager und Touristen in Fernost in den letzten Wochen war wahrscheinlich umsonst. Denn der Erreger hat sich trotzdem nach Norditalien eingeschlichen und legt das halbe Land mit einem Schlag lahm. Das hat fatale Folgen, und zwar – wie immer mehr Experten beschwören – weniger für die Gesundheit der Menschen, als für das Wohlergehen von Wirtschaft und Gesellschaft. Geschlossene Schulen und Universitäten in den Regionen Norditaliens, viele Betriebe stillgelegt, ganze Ortschaften abgeriegelt. Der Schaden geht schon jetzt in die Milliarden, die Mailänder Börse erlebte gestern einen massiven Einbruch.

Und der italienische Ministerpräsident Giuseppe Conte beklagt sich – wohl nicht ganz Unrecht – darüber, dass italienische Bürger im Ausland plötzlich wie Aussätzige behandelt werden. Von Tschechien bis Iran –Besucher aus Italien sind derzeit unerwünscht. Und umgekehrt bleiben die in Italien sehr erwünschten Touristen nun massiv aus. Ein doppelter Schlag für das von einer Dauerkrise geplagte Land.

Auswirkungen auch auf deutsche Betriebe

Aber auch für die global vernetzte Wirtschaft, die ein winzig kleiner Erreger offenbar schneller in die Knie zwingen kann, als man sich das je hätte vorstellen können. Dass ausgerechnet der dynamische Norden Italiens betroffen ist, dürfte kein Zufall sein. Italien hat enge Wirtschaftsbeziehungen zu China und natürlich auch inzwischen enorme Besucherzahlen aus Fernost, siehe den chinesischen Massenandrang auf der Rialto-Brücke.

In Norditalien sind aber auch viele Zulieferbetriebe für die deutsche Industrie angesiedelt, und wenn die ihre Produktion plötzlich einstellen, dann haben deutsche Autobauer auch sehr schnell ein Problem. Corona ist kein chinesisches und auch kein italienisches sondern ein globales Virus, auch wenn es nicht überall auftritt.

Hilfe nötig - trotz leerer Kassen

Trotz angespannter Haushaltslage muss die italienische Regierung jetzt für betroffene Betriebe erst einmal Soforthilfe leisten, um die Zwangspause zu überstehen. Aber sie wird auch von Europa mehr als nur Solidarität fordern. Italien hat schnell und drastisch reagiert, um das Virus zu bändigen und das ist anerkennenswert. Aber es hat seinen Preis, der sich wahrscheinlich auch bei den EU-Haushaltsberatungen niederschlagen wird.

Italien steckt nun wegen des Corona–Virus noch tiefer in der Klemme und die anderen Europäer müssen dem Land unter die Arme greifen, gerade auch wenn sie weniger betroffen sein sollten als die Menschen südlich der Alpen.

Ausverkaufte Supermärkte, abgesagter Karneval in Venedig, leere Straßen und verwaiste Museen – Italiens Bürger haben mit ihrem teilweise panischen Verhalten wohl auch selbst die Angst vor dem Virus jenseits der Landesgrenzen geschürt. Aber sie werden sich auch schnell wieder beruhigen, wenn die Virus-Gefahr gebannt ist. Und dann kann man getrost den nächsten Italien-Urlaub planen. Italien wird es danken.

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