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StartseiteKommentare und Themen der WocheWachsamkeit ist das Gebot der Stunde28.01.2020

Coronavirus in DeutschlandWachsamkeit ist das Gebot der Stunde

Bislang gebe es zwar nur eine bestätigte Infektion mit dem Coronavirus in Deutschland, die Berichterstattung darüber aber als Panikmache zu kritisieren, sei falsch, kommentiert Mario Dobovisek. Sachliche Erklärungen und Hinweise seien nützlich und notwendig. Denn am Ende gelte: Wissen schützt!

Von Mario Dobovisek

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Pressekonferenz zum ersten Fall des neuartigen Coronavirus in Deutschland (dpa / Peter Kneffel )
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Nein, Grund zur Panik gibt es keinen. Aber ja, es ist richtig, über die Ausbreitung des Coronavirus zu berichten. Das Geschehen einzuordnen, weil es viele Fragen aufwirft. Dabei müssen wir nicht wissen, wie die Patienten heißen und was ihre Angehörigen denken. Auch brauchen wir keine rührseligen Nahaufnahmen der Betroffenen. All das wäre falsche Effekthascherei. Aber eine besonnene wie sachliche Einordnung, Erklärungen und Hinweise sind nützlich und notwendig.

Noch Vieles unbekannt

Denn selbst den Wissenschaftlern ist heute noch Vieles unbekannt. Und genau das ist die Krux: Nach all dem, was die Forscher bis jetzt über das Corona-Virus in Erfahrung gebracht haben, folgt der Infektion oft kein schwerer Krankheitsverlauf. Dem Patienten in Bayern gehe es gut, sagen die Ärzte. Er sei fieberfrei. Doch die Erkrankung kann auch tödlich enden – das sehen wir in China. Die Mediziner wissen noch nicht, wie sich das Virus verändern könnte, wenn es sich weiter - wie offenbar in Bayern geschehen - von Mensch zu Mensch überträgt. Welche Faktoren seine Entwicklung und den Krankheitsverlauf beeinflussen. Bis jetzt sprechen wir überwiegend von Vermutungen.

All jene, die jetzt in der Berichterstattung über das Virus Panikmache sehen, eine Hysterie, wären wohl die ersten, die laut aufschreien würden, sollte das Virus am Ende doch gefährlicher sein, als anfangs vermutet. Warum haben uns Politik und Medien nicht gewarnt? - würden sie dann zurecht fragen.

Gerade weil das Virus bislang unbekannt ist und sich Krankheitserreger in der globalisierten Welt buchstäblich wie im Fluge ausbreiten können, ist Wachsamkeit das Gebot der Stunde.

Wissen schützt

Politik und Behörden haben aus den Pandemien der vergangenen Jahre gelernt – aus dem Ausbruch des mit dem aktuellen Virus verwandten SARS-Erregers. Es gibt bessere Notfallpläne für Flughäfen, für Krankenhäuser – mit eingeübten Abläufen und Meldeketten. Auch ist es richtig, dass Gesundheitsminister Spahn per Eilverordnung eine Meldepflicht für Verdachtsfälle einführen will. Am Ende gilt: Wissen schützt!

Das gilt übrigens auch für die gerade Fahrt aufnehmende Grippe-Saison. Hier sprechen wir über eine reale Gefahr, aber ein kalkulierbares Risiko, weil wir die Erreger kennen – selbst wenn sie sich regelmäßig verändern. Besonders heftig war der Grippe-Winter 2017/2018: 25.000 Menschen starben Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zufolge an den Folgen der Infektion – allein in Deutschland. Das steht in keinem Verhältnis zu den aktuellen Zahlen des Corona-Ausbruchs. Doch wie gesagt: wir wissen nicht, was kommen mag.

Stärker auf Hygiene achten

Eines haben beide Viren übrigens gemeinsam: Mit einfachsten Maßnahmen kann sich jeder selbst besser schützen – mit gründlichem wie regelmäßigem Händewaschen zum Beispiel. Achten Sie einmal darauf, wie oft Sie sich am Tag unbewusst ins Gesicht fassen. Weil die Nase juckt, das Auge tränt, der Schweiß auf der Stirn steht oder im Mundwinkel ein Brotkrümel hängt. Das verträgt sich schlecht mit den Virenschleudern unseres Alltags: der Haltestange im Bus, dem Geldautomaten, dem Griff am Einkaufswagen, der Tastatur im Großraumbüro. Auch dem Händeschütteln, weil Viele nach wie vor in ihre Hände husten und niesen, statt in die Armbeuge.

Auch das sollte eine Erkenntnis dieser Tage sein – selbst wenn, und das bleibt zu hoffen, der Corona-Ausbruch ein baldiges Ende finden sollte: im winterlichen Alltag sollte jeder Einzelne stärker auf diese Hygiene achten. Ganz ohne Panik!

Mario Dobovisek (Deutschlandradio / Annika Pesch)Mario Dobovisek (Deutschlandradio / Annika Pesch)Mario Dobovisek In Berlin geboren, Studium der Politikwissenschaft in Berlin, Frankfurt am Main und Ljubljana. Freier Korrespondent in Slowenien. Volontariat beim Deutschlandradio. Korrespondent im Deutschlandradio-Hauptstadtstudio. Redakteur und Moderator im Zeitfunk des Deutschlandfunk. Zuvor tätig im Zivil- und Katastrophenschutz. 

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