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StartseiteInformationen am MorgenAlles (fast) wie immer 16.03.2020

Coronavirus in GroßbritannienAlles (fast) wie immer

Großbritannien hält sich mit Zwangsmaßnahmen wegen der Corona-Krise wie Schließungen der Schule zurück - als letzte westeuropäische Nation. Die Erwägung des höchsten wissenschaftlichen Beraters, dass sich die Bevölkerung in Maßen anstecken soll, gilt aber selbst im Königreich als riskant.

Von Friedbert Meurer

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Der britische Premierminister Boris Johnson während einer Pressekonferenz, in der es um die Vorgehensweise der Regierung im Umgang mit dem Coronavirus geht  (AFP / Simon Dawson)
"Mehr und mehr Familien werden durch das Corona-Virus vorzeitig einen nahen Angehörigen verlieren" - mit dieser Warnung schockte Premierminister Johnson die britische Bevölkerung vergangene Woche. (AFP / Simon Dawson)
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Die Zahl der Toten in Großbritannien aufgrund des Corona-Virus steigt und bringt die britische Regierung in Zugzwang. Erst nach einigem Zögern hat sie sich gegen Massenveranstaltungen wie zum Beispiel Fußballspiele  ausgesprochen. Aber in London sind die Theater im Westend immer noch offen, das Nachtleben ist weit weniger eingeschränkt als zum Beispiel in Berlin. Auch die Schulen in Großbritannien werden vorerst noch nicht geschlossen, anders als in vielen anderen Ländern.

Der Kurs ändert sich vorsichtig. Gesundheitsminister Matt Hancock kündigte gestern eine radikale Maßnahme an, die seiner Ansicht nach einen größeren Effekt hat als die Schließung von Schulen. Ältere Menschen über 70 Jahre und gesundheitlich geschwächte Personen sollen in Kürze ihre Wohnungen nicht mehr verlassen.

Grenzschließungen überhaupt kein Thema

"Wir sagen jetzt noch nicht formal, dass die Menschen das tun sollten.  Sie werden eine lange Zeit über in Selbstisolation verbleiben müssen, um sich zu schützen. Das ist von ihnen viel verlangt, weil es so lang dauern wird."

Coronavirus (imago / Science Photo Library)Alle Beiträge zum Thema Coronavirus (imago / Science Photo Library)

Wann die Aufforderung an alle über 70-Jährigen ergehen wird, ließ der Minister offen. Auf anderen Gebieten agiert Großbritannien dagegen im Vergleich zu anderen Ländern aber weit weniger drastisch. Grenzschließungen sind überhaupt kein Thema. Allgemein herrscht die Ansicht vor, da das Virus in allen europäischen Ländern verbreitet sei, mache es überhaupt keinen Sinn, Grenzen zu schließen.

Die Schulen auf der britischen Insel bleiben aus mehreren Gründen offen. Krankenschwestern, Polizisten unter anderem werden dringend gebraucht und sollen keine Probleme mit der Betreuung ihrer Kinder bekommen. Für erhebliche Diskussionen sorgt eine prinzipielle Erwägung des höchsten wissenschaftlichen Beraters der Regierung, Patrick Vallance: die Bevölkerung soll sich gezielt in Maßen anstecken.

"Wenn Sie alles für vier oder mehr Monate herunterfahren, dann unterdrücken Sie das Virus. Wenn Sie die Maßnahmen dann aufheben, kommt die Epidemie zurück. Außerdem wollen wir, dass so viele Leute immun werden, dass sie am Ende die anderen schützen."

Unvermittelte Warnung des Premierministers

Bewusst in Kauf zu nehmen, dass sich ein Teil der Bevölkerung  ansteckt, gilt aber auch in Großbritannien als riskant. Angeführt werden die Kritiker immerhin vom ehemaligen britischen Gesundheitsminister Jeremy Hunt. "Länder, die früher reagieren, haben mehr Erfolg. Die Bereitschaft der Menschen, Maßnahmen zu ertragen, kann sich ändern, wenn es die Gefahr verringert, dass ein Angehöriger stirbt."

Wichtigstes Ziel der britischen Politik ist, mit welchen Maßnahmen auch immer, das nationale Gesundheitssystem NHS auf den zu erwartenden Ansturm von Kranken und Schwerkranken vorzubereiten. Krankenhäuser werden nahezu komplett darauf eingestellt, sich fast nur noch um Corona-Fälle zu kümmern. Operationssäle werden umgewidmet, um Kranke zu beatmen. Naheliegende Hotels werden angemietet, ebenso Betten und Krankenzimmer in privaten Hospitälern.

Über allem schwebt eine Warnung, mit der Premierminister Boris Johnson Ende letzter Woche recht unvermittelt die britische Bevölkerung geradezu schockte: "Mehr und mehr Familien werden durch das Corona-Virus vorzeitig einen nahen Angehörigen verlieren."

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