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StartseiteThemaWas die Neuinfektionen für die kommenden Wochen bedeuten14.01.2021

Coronavirus in ZahlenWas die Neuinfektionen für die kommenden Wochen bedeuten

Eine Epidemie bedeutet ständige Veränderung. Die Situation ist im Fluss, doch wohin? Zahlen bieten Orientierung, aber sie verwirren auch. Ein Wert alleine wird der Dynamik nicht gerecht. Deshalb hier ein Überblick über Zahlen und Trends – für Deutschland und die Welt.

Von Arndt Reuning und Volkart Wildermuth

Die Entwicklung in Deutschland - eine Chronik (Stand: 14.01.2021) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)
Die Entwicklung in Deutschland – eine Chronik (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Aktuelle Zahlen der JHU für Deutschland

Lockdown light, harter Lockdown. Jetzt weitere Beschränkungen - aus Sorge vor neuen, wohlmöglich noch ansteckenderen Virus-Varianten. Auf dem COVID-19-Dashboard des Robert Koch-Instituts ist zwar die Meldung verschwunden, dass die Zahlen im Umfeld der Feiertage nicht belastbar seien, weil weniger Tests durchgeführt wurden. Doch ob die Angaben tatsächlich das wahre Infektionsgeschehen widerspiegeln, ist weiterhin unklar. Und so muss die Politik weiterhin im Nebel agieren.

Die Intensivstationen verzeichnen erstmals seit dem Herbst einen – wenn auch sehr leichten – Rückgang der Patientenzahlen. Dagegen bewegen sich die Todesfälle an und mit COVID-19 weiter auf Höchstniveau. Am 14.1.2021 melden die Gesundheitsämter 1.244 Corona-Todesfälle innerhalb von 24 Stunden. Im weltweiten Vergleich steht die Bundesrepublik damit weiterhin an fünfter Stelle bei der Zahl der Todesfälle innerhalb von sieben Tagen. Wohin also bewegt sich die zweite Welle, wie breitet sich SARS-CoV-2 aus und welche Konsequenzen hat COVID-19 für die Menschen?

Hier werden regelmäßig die wichtigsten Zahlen zusammengefasst, eingeschätzt und grafisch dargestellt. Die dynamischen Grafiken aktualisieren sich überwiegend an jedem Vormittag. Dabei gilt trotz der massiven Ausweitung der Tests noch immer: Die Dunkelziffer lässt sich nur grob schätzen, Meldeverfahren unterscheiden sich von Land zu Land und verändern sich manchmal sprunghaft von einem Tag auf den anderen. Gut, dass der Erkenntnisgewinn nicht nur in den absoluten Werten steckt, sondern vor allem in den Mustern und typischen Verläufen, die ein Infektionsgeschehen produziert.

COVID-19: So war die Woche in Deutschland

Neuinfektionen in Deutschland pro Tag

"Die vor uns liegenden Monate Januar, Februar und März werden noch erhebliche Geduld und Disziplin aller erfordern", so steht es im Beschlusspapier von Bund und Ländern. Kein Spielraum für Lockerungen, zumal das Arbeitsleben nach der Feiertagsruhe wieder begonnen hat und damit die Kontakte eher zunehmen dürften.

Die Kurve der Johns-Hopkins-Universität lässt keinen klaren Trend erkennen. Die Werte bei den Neuinfektionen bewegen sich weiterhin auf hohem Niveau. Weil um den Jahreswechsel herum weniger COVID-Tests durchgeführt wurden, waren die Werte in diesem Zeitraum mit Vorsicht zu betrachten. Doch mittlerweile ist die Zahl der Testungen in Deutschland wieder deutlich angestiegen – um fast fünfzig Prozent. Sie erreicht damit wieder ungefähr den Stand von Ende Oktober 2020. Die Rate der Tests mit positivem Ergebnis bleibt weiterhin hoch. Dieser Anteil spiegelt das ungefähre Infektionsgeschehen wider, auch wenn die absolute Zahl der Testungen schwankt. Die Positivrate lag in der ersten Kalenderwoche bei 13,7 Prozent (zum Vergleich die Vorwoche: 16,4 Prozent). Der Effekt des harten Lockdowns hat noch nicht eingesetzt. Und das spiegelt sich auch in der Zahl der gemeldeten Todesfälle in Zusammenhang mit COVID-19 wider. Sie überschreiten immer wieder die Marke von 1000 Menschen pro Tag. 

Fortschritt der Impfungen
 

Umso wichtiger, dass die Impfungen in Deutschland und der ganzen EU begonnen haben. Das Mainzer Unternehmen BioNTech hat in Zusammenarbeit mit Pfizer in weniger als einem Jahr einen Impfstoff entwickelt und die Wirksamkeit und Sicherheit in großen Studien belegt. Auch der amerikanische Impfstoff von Moderna hat seine EU-Zulassung erhalten und wird bald zur Verfügung stehen. Der – durch die begrenzten Produktionsmöglichkeiten erwartbare - Impfstoffmangel sollte sich mittelfristig auflösen, immer mehr Impfzentren in Deutschland nehmen ihre Arbeit auf. Laut Robert Koch-Institut wurden inzwischen über 800.000 Menschen geimpft. Damit liegt Deutschland Mitte Januar beim Impfanteil in der Bevölkerung weltweit an 14. Stelle. Die Impfquoten sind in den unterschiedlichen Bundesländern aber sehr verschieden. Bezogen auf die Bevölkerung liegt Mecklenburg-Vorpommern vorne. Das Schlusslicht bildet Thüringen, wo gleichzeitig der aktuelle Schwerpunkt der Epidemie liegt.  

Anke Döring, Internistin im Städtischen Klinikum Dresden, hält im Impfzentrum für Mitarbeiter ein Injektionsfläschchen mit dem Impfstoff gegen Corona in den Händen. Am Montag haben die Corona-Impfungen mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer im Städtischen Klinikum für medizinisches Personal in den Hochrisikobereichen und den Covid-19-Stationen begonnen. (dpa-Zentralbild) (dpa-Zentralbild)Was Sie über die Corona-Impfung wissen müssen
 Die Impfungen gegen das Coronavirus haben in Deutschland begonnen. Wer kann sich wann und wo impfen lassen? Wie sicher sind die Impfstoffe? Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten und ist man danach immun?

Im ersten Quartal 2021 werden sich aber nur Menschen der höchsten Prioritätsgruppe impfen lassen können. Dazu zählen nach §2 der Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums Menschen über 80 Jahre, Pflegende in Heimen und der ambulanten Betreuung, medizinisches Personal mit hohem Ansteckungsrisiko und solches, das besonders gefährdete Patienten betreut (PDF des Bundesgesundheitsministeriums). Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bleibt sehr optimistisch und will allen Deutschen im Sommer ein Impfangebot machen. Das würde aber voraussetzen, dass weitere Impfstoffe zugelassen werden. Aussichtsreichster nächster Kandidat ist dabei aktuell das Produkt des Teams Universität Oxford/AstraZeneca.

Sollte es gelingen, 60 Prozent der Bevölkerung zu impfen, würde langsam eine Gruppenimmunität aufgebaut, die dem neuen Coronavirus die Verbreitungsmöglichkeiten abschneidet. Wenn sich ansteckendere Viren-Varianten verbreiten, liegt die Hürde für die Gruppenimmunität allerdings höher.

Auf dem Dashboard des Robert Koch-Instituts verblassen die Unterschiede zwischen den Landkreisen langsam wieder, da die gestiegene Zahl der Tests das Infektionsgeschehen wieder verlässlicher wiedergibt. Trotzdem sind deutliche Gefälle zwischen einzelnen Regionen zu erkennen: Die meisten Fälle konzentrieren sich in Sachsen und Thüringen, diese Bundesländer verzeichnen eine mehr als doppelt so hohe 7-Tage-Inzidenzen wie der Bundesdurchschnitt. Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt kratzt in der zweiten Januarwoche an der Marke von 600 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner/innen in sieben Tagen. Ihm folgen die Landkreise Sächsische Schweiz-Osterzgebirge, Saalekreis und Altenburger Land. Sie bewegen sich um eine 7-Tage-Inzidenz von 500 herum. Aber auch der Süden von Sachsen-Anhalt und Brandenburg ist in der RKI-Karte weiterhin tief rot eingefärbt.

Dagegen sind der Westen und Norden deutlich weniger von der Corona-Epidemie betroffen. Außerdem gelten nach wie vor alle Bundesländer als Risikogebiet, überall liegen die 7-Tage-Inzidenzen über 50.

Bundesländer – Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner

Welche Sieben-Tage-Inzidenz hat welches Bundesland? Ein Überblick (Stand 14.1.2021)  (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Welche Sieben-Tage-Inzidenz hat welches Bundesland? Ein Überblick (Stand 14.1.2021) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)

Mit den Weihnachtstagen begannen die Kurven praktisch überall in Deutschland zu fallen, aber das liegt, wie erwähnt, vor allem an der geringeren Testaktivität. Mittlerweile setzt in vielen Bundesländern wieder ein leichter Trend nach oben ein, gleichzeitig mit der Ausweitung der Tests. Das heißt: Keine Region kann sich vor SARS-CoV-2 in Sicherheit wiegen. Sachsen und Thüringen verzeichneten lange sehr niedrige Werte und kämpfen jetzt in vielen Kreisen mit einer massiven Ausbreitung der Epidemie. Die Krankenhäuser dort sind ebenso wie im Süden Brandenburgs überlastet und müssen Patienten in andere Bundesländer abgeben. Auf der anderen Seite ist es durchaus möglich, die Epidemie zurückzudrängen: In vielen zwischenzeitlich besonders betroffenen Großstädten sind die Zahlen gefallen. Sie steigen dann aber wieder an. Sobald die Bevölkerung bei der Kontaktereduzierung nachlässt, breitet sich das Virus erneut aus. Entscheidend sind nicht nur die Strategien im Umgang mit der Epidemie, sondern vor allem auch deren Akzeptanz.

Die nach wie vor hohe Zahl der positiven Tests bringt die Gesundheitsämter an den Rand ihrer Kapazitäten – und darüber hinaus. Es gelingt kaum, die Infektionsketten nachzuverfolgen. Inzwischen ist nur noch bei einem Sechstel der positiv Getesteten klar, wo sie sich angesteckt haben. Viele der bekannten Infektionsorte liegen im eigenen Haushalt und im privaten Umfeld. Daneben steigt aber in den letzten Wochen die Zahl und Größe der Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen deutlich an. Die Epidemie erreicht damit die am meisten gefährdete Risikogruppe. Es gibt sowohl in den Krankenhäusern als auch in den Heimen inzwischen wieder ebenso viele Ausbrüche wie in der ersten Welle. Während es in den Krankenhäusern gelang, durch Hygienemaßnahmen die einzelnen Ausbrüche vergleichsweise klein zu halten, stecken sich in den Einrichtungen für Ältere tendenziell mehr Menschen innerhalb eines Ausbruchs an.

Viele Kinder werden zurzeit zu Hause betreut. Die Schulen und Kitas spielen deshalb eine untergeordnete Rolle. Dass in der Statistik der öffentliche Nahverkehr oder Restaurants oder Hotels kaum auftauchen, heißt nicht, dass sie keinen Einfluss auf des Infektionsgeschehen haben. Die Mathematikern Christina Pagel vom University College London schließt aus dem Vergleich verschiedener europäischer Lockdown-Strategien, dass gerade das Schließen von Restaurants und Bars einen wichtigen Einfluss hatte. Andere aktuelle Studien bewerten dagegen Schulschließungen als besonders wirksam. Insgesamt gibt es noch keine einheitliche Bewertung durch die Wissenschaft.

Wegen der vielen, eher kleinen, diffus verteilten Ausbrüche ist es schwer, dem Trend gezielt gegenzusteuern. Entscheidend bleibt die Prävention. Die Politik versucht über den harten Lockdown die Zahl der Kontakte zu senken. Aber auch jede und jeder Einzelne sollte an der AHA+L-Regel festhalten: Alltagsmaske, Hygiene, Abstand – und in Innenräumen viel lüften.

Die Reproduktionszahl R

Die Entwicklung der Reproduktionszahl

Die Reproduktionszahl R gibt an, wie viele weitere Personen eine Infizierte oder ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Liegt sie über eins, breitet sich eine Epidemie weiter aus. Um die Situation spürbar zu entschärfen, müsste der R-Wert dauerhaft auf 0,7 sinken, wie die Physikerin Viola Priesemann im Deutschlandfunk erklärte. Die Zahl spiegelt immer einen Blick in die Vergangenheit wider. Aktuell ist der R-Wert deshalb wenig aussagefähig, weil er noch immer vom starken Rückgang der Tests über die Feiertage dominiert wird – und nicht vom Verlauf der Epidemie selbst.

Für SARS-CoV-2 lag die Reproduktionszahl anfangs ungefähr bei drei. Dank der Ausgangsbeschränkungen und der anderen Gegenmaßnahmen ist R im März auf Werte unter eins gesunken – das Virus wurde langsam zurückgedrängt. Mit den Lockerungen stieg R Anfang Juni leicht. Auch der Ausbruch bei Tönnies Mitte Juni zeichnet sich in den Kurven deutlich ab. Ab September lag der R-Wert im Mittel wieder über eins – die COVID-19-Epidemie breitete sich weiter aus. Mit dem Teillockdown gelang es, R abzusenken, aber eben nur für sehr kurze Zeit. Der R-Wert liegt aktuell ungefähr bei eins. Durch Nachmeldungen passt das RKI im Wochenverlauf die R-Werte immer wieder an das tatsächliche Geschehen an. Doch vergleichbare R-Werte wird es erst wieder geben, wenn sich die Testhäufigkeit stabilisiert hat.

Datengrundlage für Sieben-Tage-R-Wert

Die Reproduktionszahl wird berechnet, indem man die gemittelte Zahl der Infizierten zu einem bestimmten Zeitpunkt vergleicht mit der Zahl der Infizierten zu dem Zeitpunkt vier Tage früher. Beim Sieben-Tage-R-Wert verwendet man dabei für jeden Zeitpunkt die Mittelwerte aus sieben Tagen. Der Mittelwert des zweiten Zeitraums wird dann geteilt durch den Mittelwert des ersten Zeitraums, um den R-Wert zu erhalten.

Der Verlauf der Epidemie wird zum Beispiel aufgrund des Meldeverzuges nur teilweise in den jeweils neuen Daten widergespiegelt. Um das auszugleichen nutzt das Robert Koch-Institut komplexe Modelle, deren Ergebnisse aber immer noch stark schwanken. Deshalb wird der Durchschnitt über vier (sensitiv) oder über sieben (geglättet) Tage angegeben. Diese Werte werden angepasst, sobald die nachgemeldeten Daten vorliegen. Meist korrigierte das RKI die Werte dabei nach oben korrigiert. 

Deutschland – Wachstum der aktiven Fälle

Neben den Neuinfektionen bietet auch die Zahl der aktiven Fälle einen Blick auf die Entwicklung der Pandemie in Deutschland. Das sind alle Personen, die sich angesteckt haben, aber noch nicht genesen beziehungsweise zum sehr viel kleineren Teil noch nicht verstorben sind. Sie bilden sozusagen die Flammen der Epidemie, denn die aktiven Fälle können das neue Coronavirus weiterverbreiten. Wächst ihre Zahl, wachsen auch die Chancen des Virus. Aber sobald die Gruppe der aktiven Fälle zu schrumpfen beginnt, werden die Bemühungen von Politik, Medizin und Bevölkerung immer effektiver.

In der Grafik ist die prozentuale Veränderung dieser aktiven Fälle dargestellt. Liegt die Kurve über Null, wächst diese Gruppe weiter an und befeuert die Ausbreitung des Virus. Das war zuletzt im Spätherbst der Fall. Anfang Dezember war die Kurve kurzfristig unter die Nulllinie gesunken um dann wieder anzusteigen. Der Abfall seit Ende Dezember geht wohl auf die geringere Zahl der Tests während der Feiertage zurück.

Deutschland – Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner nach Altersgruppen

Auch in dieser Grafik lassen sich die Auswirkungen der Feiertage erkennen, vor allem wohl der Rückgang der Test. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass die Zahlen im Januar zunächst einmal wieder allmählich angestiegen sind. Die Verhältnisse zwischen den Altersgruppen dürften aber weiter verlässlich dargestellt werden. In seinem Lagebericht vom 12.1.2021 wies das RKI darauf hin, dass vor allem in den jüngeren Altersgruppen (zwischen 15 und 39 Jahren) deutliche Anstiege zu beobachten seien.

In der ersten Welle im Frühjahr wurden Menschen über 80 Jahren am häufigsten positiv auf SARS-CoV-2 getestet, auch weil damals vor allem beim Vorliegen von Symptomen getestet wurde. Dank der Ausweitung der Tests wurden später auch milde Verläufe erfasst. Damit geriet das Infektionsgeschehen bei den 15- bis 34-Jährigen in den Blick. Mit dem Ende der Ferien kam es in dieser besonders aktiven Gruppe vermehrt zu Ansteckungen. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben das Virus seit Oktober auch an andere Altersgruppen weitergereicht. An jüngere Schulkinder, vor allem aber auch an ältere Menschen. Dramatisch ist seit dem Winter der Anstieg bei den über 80-Jährigen, die ein erheblich höheres Risiko haben, schwer an einer SARS-CoV-2-Infektion zu erkranken. Aktuell liegt die 7-Tage-Inzidenz der Hochbetagten deutlich über der aller anderen Altersgruppen und steigt weiter steil an. Das liegt auch an den wieder häufig auftretenden Ausbrüchen in Alten- und Pflegeheimen.

Dabei darf nicht vergessen werden: COVID-19 ist auch für jüngere Altersgruppen gefährlich. Einerseits gibt es immer mehr Fälle von Long-Covid, eine monatelang anhaltende geistige und körperliche Erschöpfung. Auf der andern Seite zeigt eine aktuelle Analyse aus den USA, dass SARS-CoV-2 zu einer Übersterblichkeit gerade auch bei jungen Erwachsenen führt. Konkret sterben in den USA im langjährigen Mittel im Juli 11.000 Menschen zwischen 24 und 44 Jahren – im Juli 2020 starben 16.000 – der tödlichste Monat in der amerikanischen Geschichte für diese Altersgruppe, wie die Forscher in der "New York Times" schreiben. Und im mittleren Lebensalter ist das Sterberisiko durch COVID-19 inzwischen doppelt so hoch als das durch Autounfälle https://link.springer.com/article/10.1007/s10654-020-00698-1 .

Deutschland – Betten in der Intensivmedizin

Es braucht einige Zeit, bis sich nach einer Infektion mit SARS-CoV-2 ein schwerer Verlauf entwickelt. Inzwischen kommt die starke Welle aus dem November aber in den Krankenhäusern an. Dort werden infizierte Patientinnen und Patienten im Durchschnitt für zwei Wochen behandelt.

Wenn lebensbedrohliche Symptome entstehen, müssen COVID-19-Patienten auf die Intensivstation. Anders als die Infektionszahlen vermittelt die Belegung der Intensivbetten ein realistisches Bild der Situation. Seit dem November kämpften die Intensivstationen mit einem starken Ansturm. Mitte Januar mussten knapp 5.200 COVID-19-Patientinnen und Patienten betreut werden – deutlich mehr als während der ersten Welle. Seit Anfang des Jahres sinken die Zahlen leicht, wohlmöglich ein erstes Anzeichen für positive Effekte des Lockdowns. Nach wie vor ist aber mehr als jedes vierte Intensivbett mit einem COVID-19-Patienten belegt. Obwohl das Durchschnittsalter der Intensivpatienten zurzeit niedriger als im Frühjahr liegt, müssen knapp 60 Prozent von ihnen beatmet werden. Beatmungspatienten bleiben durchschnittlich 25 Tage in der Klinik. Die Sterblichkeit der Intensivpatientinnen und Patienten ist langsam gesunken von rund einem Drittel auf aktuell etwas mehr als ein Viertel.

Die Gesamtzahl der verfügbaren Intensivbetten sinkt seit Oktober sichtbar. Das liegt vor allem daran, dass auch das medizinische Personal von SARS-CoV-2 betroffen sein kann – entweder direkt über eine Infektion oder indirekt wegen Quarantäne-Auflagen oder weil Kinder betreut werden müssen, deren Kitas oder Schulen geschlossen haben. Derweil steigt die Zahl der COVID-19-Erkrankungen und wird noch einige Zeit weiter steigen. Noch sind mehrere Tausend freie Intensivbetten deutschlandweit verfügbar. In vielen Regionen gibt es aber auch Engpässe. Bundesweit verschieben viele Kliniken nicht notwendige Operationen, um auf einen Anstieg bei COVID-19-Intensivpatienten vorbereitet zu sein. 

Ein Arzt aus Zwickau berichtete, nicht mehr alle Patienten, die ein Beatmungsgerät benötigen, auch entsprechend versorgen zu können. In vielen Bereichen von Sachsen stoßen die Klinken "an die Grenze des Leistbaren", wie der Landkreis Görlitz mitteilte. Auch das Saarland und Brandenburg berichten von Problemen. Theoretisch gibt es eine große Zahl von Intensivbetten in der Notfallreserve. Sie verfügen zwar über die notwendige technische Ausstattung, der Engpass liegt aber beim gut ausgebildeten Personal. Deshalb wurden Patienten und Patientinnen über das "Kleeblatt-Prinzip" verlegt. Danach organisieren die Bundesländer im Norden, im Osten, im Südwesten, sowie die bevölkerungsreichsten Ländern Nordrhein-Westfalen und Bayern jeweils ein Austauschprogramm für ihre Kliniken, das im Notfall eine schnelle und unbürokratische Verteilung von schwer Erkrankten auch über die Grenzen von Verwaltungseinheiten hinweg ermöglicht.

Deutschland – Todesfälle pro Tag

Der wichtigste Risikofaktor für einen schweren Verlauf der Erkrankung ist das Alter. Nach den Zahlen des Robert Koch-Instituts waren in Deutschland 88 Prozent der Todesfälle an und mit COVID-19 älter als 70 Jahre. Dabei beträgt der Anteil dieser Altersgruppe an allen COVID-19-Fällen aktuell nur 20 Prozent.

Seit Ende Oktober steigt die Zahl der Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus steil an. Am 30. Dezember wurden dem RKI im Vergleich zum Vortag 1.129 neue Todesfälle übermittelt – und damit erstmals mehr als 1000 Fälle an einem Tag. Diese Marke wurde noch mehrmals überschritten, auch der Mittelwert bleibt weiter hoch. Der Saarbrücker Pharmakologe Thorsten Lehr hatte angegeben, er rechne erst für Mitte Januar mit langsam sinkenden Todeszahlen. Doch tatsächlich hat der Wert am 14. Januar mit 1.244 Opfern einen neuen Höchststand erreicht.

Das Statistische Bundesamt hat die Sterbefallzahlen in Deutschland im Verlauf dieses Jahres mit dem Durchschnitt der Vorjahre verglichen. Im April 2020 lagen die Werte deutlich höher als zu erwarten, eine Folge der ersten Welle der Corona-Epidemie. Der Anstieg im August geht dagegen auf eine ungewöhnliche Hitzeperiode zurück. Seit Oktober beobachten die Statiker aber wieder eine durch die zweite Welle bedingte Übersterblichkeit. Sachsen ist mit 41,8 COVID-19-Todesfällen je 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner am schwersten betroffen – hier ist auch der Anteil der über 80-Jährigen an der Bevölkerung besonders groß. Auch Bayern und Baden-Württemberg verzeichnen überdurchschnittlich viele COVID-19-Todesfälle, diese beiden Bundesländer waren von der ersten Welle am stärksten betroffen.  

Trotzdem gibt es auch eine positive Nachricht: Laut einer Auswertung deutscher Daten, die im September veröffentlicht wurde, sinkt die Sterblichkeit auch unter den sehr alten COVID-19-Patientinnen und -Patienten im Krankenhaus im Vergleich zum Beginn der Pandemie. Vielleicht zeichnet sich hier schon der Einfluss von Medikamenten wie Dexamethason und vor allem der zunehmenden Erfahrung des medizinischen Personals ab.

Die Ausbreitung des Coronavirus im internationalen Vergleich

Noch immer prägen zwei gegensätzliche Entwicklungen die weltweite Pandemie: in vielen Ländern haben die Impfungen gegen SARS-CoV-2 Fahrt aufgenommen. Am 14. Januar zählte Ourworld in Data bereits 32,6 Millionen verimpfte Dosen. Gleichzeitig breiten sich neue, wahrscheinlich ansteckendere Virenvarianten in Großbritannien und in Südafrika weiter aus. Die Varianten wurden auch in anderen Ländern nachgewiesen, haben sich dort aber noch nicht im gleichen Maße durchgesetzt. Beides wird sich aber erst nach und nach in den globalen Zahlen widerspiegeln. Die Johns-Hopkins-Universität hat inzwischen über 92 Millionen Infektionen mit SARS-CoV-2 dokumentiert. Auch die Weltgesundheitsorganisation berichtet, dass der Anstieg beständig weiterläuft. In der zweiten Januar-Woche hat die WHO gut fünf Millionen Ansteckungen registriert. Auch die Zahl der Sterbefälle pro Woche ist mit 85.000 um elf Prozent im Vergleich zur Vorwoche angestiegen. Insgesamt sind in der Pandemie fast 2,0 Millionen Menschen an und mit COVID-19 gestorben. Das sind allerdings nur die offiziellen Zahlen, tatsächlich dürften deutlich mehr Menschen dem neuen Coronavirus zum Opfer gefallen sein.

Kontinentalvergleich – Neuinfektionen international in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner

Vergleicht man die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen bezogen auf die Bevölkerungsgröße, dann scheint sich die Pandemie fast nur noch in Europa und Nordamerika abzuspielen. Der kurze Rückgang durch die Feiertage ist dort schon wieder ausgeglichen und die Kurven weisen erneut nach oben. Europa ist aktuell für rund ein Drittel der Neuinfektionen und gut 42% der globalen Todesfälle verantwortlich. Nord- und Südamerika zusammen verzeichneten in der zweiten Januarwoche 51 Prozent aller Neuansteckungen und 45 Prozent der aktuellen Todesfälle.

Der Rest der Welt scheint demgegenüber kaum noch eine Rolle zu spielen. In Süd-Ost-Asien ist SARS-CoV-2 seit November auf dem Rückzug. Die Zahl der Neuinfektionen hat sich im Vergleich zur Vorwoche kaum geändert, die Zahl der Todesfälle ist um 12 Prozent gesunken. Aufgrund der großen Bevölkerungszahlen sind dort dennoch sehr viele Menschen betroffen. Besorgniserregend sind die Trends in Afrika. Auch wenn die absoluten Zahlen vergleichsweise niedrig sind, stiegt dort die Zahl der Todesfälle in den vergangenen sieben Tage wieder um 31 Prozent.

Auf der Ebene einzelner Nationen ist das Bild aber sehr heterogen. In der vergangenen Woche meldeten die USA und Brasilien die meisten Fälle, gefolgt von Großbritannien, Spanien und Russland. Deutschland liegt an sechster Position.

Bezieht man die Infektionszahlen auf die Bevölkerung, sind wieder europäische Länder und Regionen am stärksten betroffen (Gibraltar, Irland, Tschechien). Die USA liegen nur noch an zehnter Stelle. Die traurige Statistik der Todesfälle pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohnern führen Gibraltar, Tschechien und Großbritannien an. Erst auf Platz zwölf liegt mit Südafrika ein nicht-europäisches Land. Die USA und Deutschland befinden sich bei der Sterblichkeit dicht beinander auf den Plätzen 14 und 16, getrennt durch Panama.

Europa – Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner

In Europa beginnen die Zahlen wieder leicht zu steigen. Vor allem aber sind die absoluten Werte noch immer höher als auf jedem anderen Kontinent. Dabei sind die Entwicklungen sehr unterschiedlich, je nachdem, wie schnell in der zweiten Welle strenge Maßnahmen beschlossen wurden.

Problematisch ist die Entwicklung in Tschechien, aber auch in Großbritannien und Irland. In England ist eine neue Variante des Coronavirus aktiv. Sie trägt eine große Zahl von Mutationen, die offenbar die Verbreitung des Erregers erleichtern, ebenso wie eine Phase mit vielen Kontakten gerade der Menschen in London und Umgebung. Innerhalb eines Monats stiegen die Infektionen von 15.000 auf fast 60.000 pro Tag – zehnmal mehr, als in der ersten Welle. Die Krankenhäuser sind an vielen Stellen überlastet, entsprechend hoch ist die Sterblichkeit. Premierminister Boris Johnson hat deshalb drakonische Kontakteinschränkungen erlassen. Entspannung erhofft sich das Land von seinem Impfprogramm, es wurden schon über eine Million Briten geimpft. Damit liegt das Vereinigte Königreich weltweit an fünfter Stelle.

Irland hatte seine Zahlen im November deutlich senken können, nachdem es einen drastischen Shutdown durchlaufen hatte. Die Zahlen der Neuinfektionen hatten sich bis in den Dezember hinein auf einem niedrigen Niveau stabilisiert. Gegen Ende des Jahres war der Kurvenverlauf dann förmlich explodiert – in nie zuvor erreichte Höhen. Die mutierte Variante B.1.1.7 könnte dabei eine Rolle gespielt haben, aber auch gelockerte Regeln und ein verändertes Sozialverhalten um die Feiertage herum. Der Anstieg setzt auch das Personal in den Kliniken stark unter Druck. Mitte Januar sind nun auch die Todeszahlen in Irland sprunghaft angestiegen.

Es gibt aber auch Länder in Europa, die erfolgreicher agiert haben. Gerade Belgien, im Herbst weltweit Spitzenreiter bei den Todesfällen bezogen auf die Bevölkerung, konnte die Epidemie erfolgreich zurückdrängen. Auch in Italien, Österreich, und Polen waren die Zahlen im Dezember gesunken. Mittlerweile scheint aber ein gewisses Niveau erreicht, unter das die Zahlen nicht sinken. Die Kurven der Neuinfektionen zeigen eine deutliche "Schulter". Die Slowakei hatte versucht, über Massentests den Großteil der aktiven Fälle zu finden und zu isolieren. Diese Strategie hat nur kurzfristig funktioniert, deshalb verhängt auch dieses Land einen Lockdown. Auch im lange sehr liberalen Schweden gelten inzwischen Kontaktbeschränkungen, weil die Zahlen steigen.

In ganz Europa haben inzwischen auch Impfprogramme begonnen, vielerorts allerdings mit erheblichen Anlaufschwierigkeiten. Auf Dauer werden sie erheblich dazu beitragen, die Infektionszahlen zu senken. Derzeit sind die Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna von der Europäischen Arzneimittelagentur zugelassen. Zusätzlich sind in Großbritannien der Impfstoff von der Universität Oxford/AstraZeneca und in Russland der des Gamaleya Instituts verfügbar.

Europa – Todesfälle in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner

Tschechien und Großbritannien verzeichnen aktuell besonders viele Todesfälle. Das liegt einmal an den dort besonders aktiven Epidemien und andererseits and der Überlastung der Kliniken. In London werden dreimal mehr Patienten in kritischem Zustand versorgt, als normalerweise. Zum Teil mussten schon Operationssäle in COVID-19 Intensivstationen umgewandelt werden und der Bedarf dürfte noch weiter ansteigen, berichtet das britische "Health Service Journal". Irland dagegen verzeichnet trotz hoher Infektionszahlen weiter vergleichsweise wenige Sterbefälle.

Aus deutscher Sicht besorgniserregend: Hier steigen die Sterbezahlen seit November stetig an, während die COVID-19-Sterblichkeit in vielen anderen Ländern bereits den Höhepunkt der ersten Welle überschritten hat. Das trifft insbesondere auf Frankreich, Italien, aber auch auf Belgien zu. Dort scheinen die Zahlen jedoch gerade nicht weiter zu sinken, sondern zu stagnieren. Tschechien verzeichnet dagegen nach der Aufhebung strenger Bestimmungen wieder stark steigende Zahlen.

Ähnlich wie in Deutschland gibt es regional in mehreren Ländern Europas Engpässe in den Krankenhäusern. Generell hat eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ergeben, dass in Europa das Hauptproblem der Gesundheitssysteme der Mangel an Pflegepersonal ist.

Ländervergleich – Neuinfektionen international in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner

Im Nahen Osten steckt Israel gerade mitten in einer dritten Welle mit exponentiell steigenden Infektionszahlen, vor allem auch in den Palästinensergebieten einschließlich Ost-Jerusalem. Das Beispiel zeigt, wie schwer es ist, mühsam errungene Erfolge aus der zweiten Welle auch dauerhaft zu sichern. Mit breit angelegten Impfkampagne versucht Israel gegenzusteuern. Kein Land weltweit hat einen größeren Anteil der Bevölkerung geimpft; knapp 25 % haben schon die erste Dosis erhalten. Wobei die Palästinenser im Westjordanland derzeit nicht mitgeimpft werden, sodass vorerst ein großes Virenreservoir mitten im Land bestehen bleibt.

Die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain haben als erste Länder außerhalb Chinas den Impfstoff der Firma Sinopharm zugelassen und bereits mit großen Impfkampagnen begonnen.

In vielen Ländern Asiens ist es gelungen, SARS-CoV-2 zurückzudrängen. Indien meldet die niedrigsten Infektionsraten seit sechs Monaten und auch die Todesfälle gehen zurück. Es ist dort gelungen, das Virus von Altenheimen fernzuhalten. Trotzdem verzeichnet Indien aufgrund der Größe seiner Bevölkerung hinter den USA weltweit die zweitmeisten SARS-CoV-2-Fälle und liegt bei der Gesamtzahl der Toten hinter den USA und Brasilien an dritter Stelle. Allerdings dürfte die Dunkelziffer erheblich sein. Entgegen dem Trend in Asien verzeichnen Indonesien, die Philippinen und inzwischen auch die vielfach für seine vorbildliche Strategie gepriesene Südkorea und Japan wieder deutlich steigende Zahlen – wenn auch auf niedrigem Niveau.

Seit Oktober steigt die Zahl der Neuinfektionen und auch der Todesfälle in Afrika. Die Länder dort sind entgegen aller Prognosen überraschend gut durch die erste Pandemiewelle gekommen. Hier spielten wahrscheinlich die junge Bevölkerung sowie die Erfahrung im Umgang mit Epidemien eine wichtige Rolle. Gerade in Südafrika ändert sich aber das Bild. Das Land verzeichnet inzwischen eine Sieben-Tage-Inzidenz von rund 220 Fällen pro 100.000 Einwohnern. Hier haben offenbar große Feiern zum Schuljahrsende die Epidemie befeuert. Zusätzlich breitet sich eine neue Variante des Coronavirus aus, die offenbar erheblich ansteckender ist. Epidemiologen machen sie dafür verantwortlich, dass die Fälle schneller ansteigen, als während der ersten Welle. Leider steigt inzwischen auch die Zahl der Todesfälle in Südafrika und vielen anderen Ländern Afrikas deutlich an. Außerdem tötet SARS-CoV-2 in Afrika nicht nur direkt: Wegen der Pandemie sind viele Gesundheitsangebote wie Impfungen, Malarianetze, HIV- und TB-Medikamente nur eingeschränkt verfügbar.

Das betrifft nicht allein Länder in Afrika, sondern auch in Asien und viele weitere. Weltweit ging die Nutzung von Gesundheitsleistungen laut Weltgesundheitsorganisation um 44 Prozent zurück. Das gefährdet die Fortschritte im Kampf gegen die großen Infektionskrankheiten. UNAIS geht von zusätzlichen 143.000 AIDS-Toten 2020 aus. Die WHO rechnet mit zwischen 50.000 und 100.00 weiteren Malaria-Opfern und einen Anstieg der Tuberkulose-Toten auf 400.000.

Lateinamerika zeigt ein heterogenes Bild: Mexiko und Peru konnten die Epidemie stabilisieren. Argentinien schien die zweite Welle zunächst überwunden zu haben, doch dort steigen die Zahlen wieder deutlich. Ob der Rückgang in Brasilien auf die Feiertage zurückgeht, oder auf eine echte Entspannung hindeutet, muss sich erst noch zeigen.

Die USA bekommen SARS-CoV-2 weiter nicht in den Griff. Das Land meldete am 13. Januar rund eine Viertelmillion Neuinfektionen an einem Tag (The COVID Tracking Project), und diese Zahl ist kein Ausreißer, sondern liegt im aktuellen Trend. Mitverantwortlich sind wohl Thanksgiving und Weihnachten, wo viele Amerikaner entgegen der Warnungen weit gereist sind und gemeinsam mit Verwandten und Freunden gefeiert haben.

Auch in den USA hat eine groß angelegte Impfkampagne mit den Impfstoffen von BioNTech/Pfizer und von Moderna begonnen. Fast zwei Prozent der Bevölkerung haben eine erste Dosis erhalten. Allerdings wäre viel mehr Impfstoff verfügbar, die Bundesstaaten und die einzelnen Countys haben zum Teil erhebliche Problem, die Impfungen praktisch umzusetzen.  

In Ozeanien bewährt sich das strikte Vorgehen von Neuseeland und Australien. Die beiden Länder konnten ihre Epidemien weitgehend zurückdrängen. Wenn es wie im Bundesstaat Süd-Australien doch zu einem Ausbruch mit nur 22 Infizierten kommt, wird gleich ein sechstägiger Lockdown erlassen.

Ländervergleich – Todesfälle international in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner

Die Zahl der Todesfälle geht in im Iran erfreulicherweise deutlich zurück, in Argentinien stabilisieren sich die Zahlen nach einem deutlichen Rückgang im vergangenen Jahr. Ganz anders die Entwicklung in den USA, in Südafrika und auch in Deutschland. Alle drei Länder liegen etwa gleichauf bei der Sterblichkeit bezogen auf die Gesamtbevölkerung. Wobei viele andere europäische Länder noch einmal deutlich höhere Werte verzeichnen. Absolut liegen die Zahlen in den USA natürlich am höchsten. Insgesamt sind in den USA rund 385.000 Menschen in Zusammenhang mit SARS-CoV-2 gestorben.

Dass die USA und Deutschland Anfang Januar eine so ähnliche COVID-19-Sterblichkeit verzeichnen, ist erstaunlich. Denn Mitte Dezember, also in die Zeit, in der sich die aktuell Verstorbenen wahrscheinlich angesteckt haben, verzeichneten die USA rund zweieinhalbmal mehr positive Tests als Deutschland. Es wäre also eine entsprechend höhere Sterblichkeit zu erwarten gewesen. Dass das nicht eingetreten ist, könnte theoretisch an einer deutlich besseren Versorgung der Patienten in den USA liegen. Aktuell berichten allerdings verschiedenen Regionen von einer Überforderung der lokalen Gesundheitssysteme, insbesondere aus Südkalifornien und Texas. Eine alternative Erklärung wäre, dass nicht alle COVID-19-Opfer auch tatsächlich als solche gemeldet werden. Dafür spricht, dass insgesamt im Winter rund 20 Prozent mehr Tote registriert wurden, als im Durchschnitt der Vorjahre, wie die "New York Times" berichtet.

Ähnlich rechnen auch die Centers for Disease Control and Prevention (CDC). Demnach sind zwischen Januar und September rund 300.000 zusätzliche Todesfälle in den USA aufgetreten, also deutlich mehr, als die Zahl der offiziell registrierten COVID-19-Todesfälle. Das liegt zum Teil an "übersehenen" SARS-CoV-2-Infektionen, außerdem kam es auch zu einer erhöhten Sterblichkeit bei anderen Krankheiten. Viele Erkrankte trauten sich nicht in die Krankenhäuser – oder diese waren durch die Corona-Epidemie überlastet. Überraschend an der Analyse: Gerade bei den 25- bis 44-Jährigen lag die Übersterblichkeit hoch. Es ist also keineswegs so, dass COVID-19 ausschließlich eine Gefahr für die Älteren darstellt.

In den Statistiken geht immerhin der Wert für die Gesamtsterblichkeit an COVID-19 vielerorts langsam zurück. Dafür gibt es Gründe: So wurden weltweit die Tests ausgeweitet – deshalb werden auch mehr infizierte Personen ohne oder mit nur milden Symptomen entdeckt. Außerdem infizieren sich derzeit vor allem junge Menschen, die zwar auch an COVID-19 sterben können, aber doch erheblich seltener als die über 70-Jährigen. Diese statistischen Effekte werden begleitet von realen medizinischen Fortschritten. Erste Analysen zeigen, dass durch die zunehmende Erfahrung von Ärztinnen und Ärzten, vermutlich auch durch Medikamente wie Dexamethason, die Überlebenswahrscheinlichkeit selbst für die Patientengruppe über 80 gestiegen ist. Trotz dieses Trends bleibt SARS-CoV-2 ein tödliches Virus.

Wenn es eine Lehre aus der internationalen Entwicklung der Pandemie gibt, dann lautet sie: SARS-CoV-2 wird jede Chance nutzen, die eine Gesellschaft bietet. Einen echten Ausweg bieten hier die Impfungen. Schon länger werden in Russland und China die im eigenen Land produzierten Impfstoffe auch breiter eingesetzt. Mehre arabische Länder nutzen ebenfalls chinesische Impfstoffe. Das Produkt von BioNTech/Pfizer ist im Vereinigte Königreich, den USA und Kanada zugelassen, die EU will nächste Woche nachziehen. Moderna erwartet die amerikanische Zulassung seines Impfstoffs noch diese Woche. Und die Universität Oxford steht zusammen mit AstraZeneca ebenfalls in den Startlöchern. All diese Impfstoffe und noch mehr werden notwendig sein, um SARS-CoV-2 weltweit zurückzudrängen.

Robert Koch-Institut (RKI) oder Johns-Hopkins-Universität (JHU)?

Ob man auf die Zahlen des RKI schaut oder auf die der JHU: Die Trends sind identisch, auch wenn sich die absoluten Werte ein wenig unterscheiden. Das liegt daran, dass beim RKI die offiziell gemeldeten Fälle verwendet werden. Es braucht einige Tage, bis Verdachtsfälle diagnostiziert und getestet sind, und die Information vom Gesundheitsamt vor Ort über das Bundesland nach Berlin gelangt.

Die JHU greift auf die Daten des RKI zu, ergänzt sie aber mit Modellen und weiteren Quellen (Veröffentlichungen der lokalen Behörden und der Weltgesundheitsorganisation sowie Berichte aus Medien/Internet).

Beide Datenquellen haben ihre Berechtigung. Beide hinken der tatsächlichen Situation hinterher. Vor allem im internationalen Vergleich muss man zudem von erheblichen Verzerrungen in der Abbildung des Geschehens ausgehen, die zum Teil strukturellen, zum Teil politischen Ursprungs sind.

(Redaktion: Andrea Kampmann, Christiane Knoll, Josh Moriarty, Charlotte Voß, Volkart Wildermuth, Anne Göbel, Frank Barknecht)

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