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StartseiteSport am Wochenende"Ideales Schlupfloch für potenzielle Doper"16.02.2020

Coronavirus: Keine Dopingtest in China"Ideales Schlupfloch für potenzielle Doper"

Die Chinesische Antidopingagentur setzt wegen des Coronavirus bis auf weiteres die Kontrollen aus. "Es gibt momentan wenig, womöglich sogar so gut wie gar keine Kontrollen", sagte Dopingexperte Hajo Seppelt im Dlf. Für potenzielle Doper ein ideales Schlupfloch, um in dieser Zeit zu manipulieren.

Hajo Seppelt im Gespräch mit Marina Schweizer

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Zwei Glasflaschen mit Urin für die A und die B Probe, aufgenommen am 16.08.2013 in der Zentrale der PWC Gesellschaft für medizinische Testverfahren im Sport GmbH in Gilching (Bayern). Die Flaschen lassen sich nach dem Zudrehen durch einen speziellen Verschluss nicht wieder öffnen. Foto: Peter Kneffel/dpa | Verwendung weltweit (dpa)
Je länger nicht kontrolliert werde, desto schwerwiegender sei dies für das Anti-Doping-Kontrollsystem, so Hajo Seppelt (dpa)
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Marina Schweizer: Wie schwer wiegt das zum jetztigen Zeitpunkt?

Hajo Seppelt: Nun, das ist am Ende eine Interessensabwägung. Auf der einen Seite steht natürlich der Schutz des Lebens an allererster Stelle. Und demgegenüber die Frage der Dopingtests in China. Es ist aus meiner Sicht natürlich verständlich, dass, wenn die Situation tatsächlich so gravierend ist, wie sie sich derzeit darstellt, was Covid-19, das Coronavirus, betrifft, dass dann natürlich die Priorität sein muss, erst einmal Menschen zu schützen. Das heißt, auf der einen Seite Athleten und auf der anderen Seite übrigens auch Dopingkontrolleure in China, die unterwegs sind, die durchs Land reisen und die natürlich auch sich der Gefahr aussetzen könnten, mit diesem Virus infiziert zu werden. Auf der anderen Seite steht demgegenüber die Frage der ordnungsgemäßen, der regelmäßigen Dopingkontrollen in China, gerade etwa in der Zeit vor den Olympischen Spielen von Tokio 2020. Und je länger dieser Zeitraum der wenigen oder Nicht-Kontrollen in China andauert, desto schwerwiegender ist das natürlich auch für das Anti-Doping- Kontrollsystem.

Eine Atemschutzmaske liegt auf dem Boden. (Getty Images Europe / Lennart Preiss ) (Getty Images Europe / Lennart Preiss )China setzt Dopingkontrollen aus
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Deutlich weniger Dopingkontrollen in China

Schweizer: Ab wann muss man sich denn bei einem solchen Ausstand Sorgen machen, dass die Periode zu lange wird, in der Athletinnen und Athleten nicht getestet werden?

Seppelt: Also nach meinem Kenntnisstand wird in den letzten Tagen und Wochen intensiv daran gearbeitet, auch auf internationaler Ebene, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Beispielsweise die International Testing Agency ist da wohl sehr aktiv momentan. Die kooperieren übrigens mit der CHINADA, der chinesischen Antidopingagentur. Es geht jetzt um die Frage, wie man mit Dopingkontrolleuren in China umgeht, auf der einen Seite also die direkte Kontrolle CHINADA, auf der anderen Seite Kontrollen der International Testing Agency, die für die internationalen Sportfachverbände, jedenfalls für einen Teil der internationalen Fachverbände diese Kontrollen unter anderem eben auch in China durchführt. Und nach dem, was ich jetzt in den letzten Tagen gehört habe, ist es wohl so, dass derzeit intensiv nach Auswegen gesucht wird.

Es gibt momentan in der Tat wenig, womöglich sogar so gut wie gar keine Kontrollen in China. Aber wie ich gehört habe, wird sowohl darüber nachgedacht, derzeit die Dopingtester, als die Kontrolleure in China, ob sie nun selbst Chinesen sind oder ob sie Ausländer sind oder ob sie im Auftrag ausländischer sogenannter Sample Collecting Agencies, also Dopingprobenentnahme-Firmen, wenn man so möchte, arbeiten – das ist dann jeweils zu unterscheiden. Aber bei all dem wird wohl jetzt versucht, die genau zu untersuchen, also eben auf dieses Virus hin zu untersuchen.

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Und wenn die in einer bestimmten Zeit durch diese Untersuchungen offensichtlich nachweisen können, dass sie nicht von diesem Virus infiziert sind, dann wird man wohl jetzt demnächst die Dopingkontrollen sukzessive wieder erhöhen. Aber in welcher Zahl, in welchem Umfang dies am Ende passiert, ist die zweite Frage. Also man muss wohl schon davon ausgehen, dass in der nächsten Zeit deutlich weniger Dopingkontrollen in China stattfinden. Und natürlich, wenn das jetzt Monate dauern sollte, dann muss man sich ernsthafte Fragen stellen. Denn das ist natürlich ein ideales Schlupfloch für potenzielle Doper, um so in dieser Zeit zu manipulieren.

Bei Chinesen im Ausland werden Dopingtests durchgeführt

Schweizer: Nun weiß man ja zum Beispiel von der deutschen Nationalen Antidopingagentur, dass sie sich auch um Athletinnen und Athleten aus Deutschland kümmert, wenn sie im Ausland sind. Jetzt wäre noch die Frage, gilt das Ganze eigentlich nur für Athleten, die sich in China befinden? Und was es mit den chinesischen Athletinnen und Athleten, die zum Beispiel gerade im Ausland sind?

Seppelt: Wenn man davon ausgeht, dass die chinesischen Athleten, die sich gerade im Ausland befänden, mit diesem Virus nicht infiziert sind, wo die Wahrscheinlichkeit deutlich größer zu sein scheint als bei Chinesen im Land selber, wo das Ansteckungsrisiko naturgemäß höher ist. Dann gehe ich mal davon aus, dass das Problem da bei Weitem nicht so akut ist. Und nach dem, was ich jetzt gehört habe, ist es eben auch so, dass Chinesen, die sich entweder regelmäßig oder dauerhaft oder jetzt auch gerade im Ausland aufhalten, das bei denen Dopingtests durchgeführt werden. Dann aber natürlich nicht von der chinesischen Antidopingagentur, sondern eben entweder von der International Testing Agency oder von den Sportfachverbänden, die noch keinen Vertrag mit der International Testing Agency haben.

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