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StartseiteSport AktuellMediziner als Spielmacher11.03.2020

Coronavirus Mediziner als Spielmacher

Der Coronavirus trifft den Sport auf allen Ebenen. Nominierungskriterien für Olympia müssen angepasst werden. Schwer wiegen vor allem auch die finanziellen Einbußen. Deswegen wird auch über einen Notfallfonds nachgedacht.

Von Tom Mustroph

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Ein Fan sitzt auf der leeren Tribüne im Dortmunder Fußballstadion. (dpa)
Geisterspiele dürften in der nächsten Woche die Regel werden - damit verbunden sind die finanziellen Einbußen. (dpa)
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Vertreter des Gesundheitsministerium, Innenministerium und des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) – sie alle sind heute in den Sportausschuss gekommen, um darüber zu berichten, wie sich das Coronavirus auf den Sport auswirkt.

"Die Lage ist schwierig, weil auch unübersichtlich. Es gab natürlich zahlreiche Fragen danach, wie vor allem kleinere Vereine von Spielabsagen betroffen sind, auch finanziell. Aber unter dem Strich teile ich persönlich die Ansicht des Bundesgesundheitsministeriums, dass im Moment übergeordnete Gesichtspunkte eine Rolle spielen müssen. Wir haben die gemeinsame Aufgabe, die Gesellschaft zu schützen", sagte Ausschussvorsitzende Dagmar Freitag.

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"Das, was jetzt läuft, dass es dem jeweiligen Ordnungsamt oder Gesundheitsamt überlassen wird, ob in Leipzig ein Spiel in der Champions League mit Zuschauern stattfindet, woanders findet es ohne Zuschauer statt, andere Spiele werden komplett abgesagt, und die Verbände entscheiden ja auch unterschiedlich. Da ist dann vor allem der DOSB gefragt, als Dachorganisation."

Die Olympia-Qualifikation ist nicht einzuhalten

Der DOSB könne allerdings keine Vorgaben machen, sagt Vorstandvorsitzende Veronika Rücker. Dies sei Aufagabe der lokalen Gesundheitsbehörden. Der DOSB verweist Verbände und Vereine auch auf die Richtlinien des Robert-Koch-Instituts. Und er modifiziert wegen der ausfallenden Wettkämpfe die Nominierungskriterien für Olympia:

"Wir sind an einigen Stellen dabei, Nominierungskriterien anzupassen, weil wir schon definitiv absehen könen, das dort die Qualifikationen nicht erreicht werden können.

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Bei mindestens zwei Verbänden sei dies aktuell bereits der Fall, sagte Rücker.

Notfallfonds für den Sport 

Ein weiteres Problem sind die finanziellen Einbußen. Es gibt erste Überlegungen für einen Notfallfonds auch für den Sport, aber noch keine konkreten Umrisse.

"Ich denke, wir werden ohnehin sehr häufig mit solchen Ansinnen konfrontiert werden. Es sind ja nicht nur Sportvereine betroffen, es sind Kinobetreiber betroffen, es sind Reisebüros betroffen. Wenn überhaupt muss das Wirtschaftsministerium dazu eine Lösung finden, eine isolierte Lösung für den Sport halte ich nicht für sinnvoll."

Die finanziellen Folgen für den Sport bleiben damit noch unklar, auch weil niemand weiß, wie sich das Virus weiter ausbreitet und wie viele Sportveranstaltungen noch abgesagt werden. In dieser Frage bleiben Mediziner die Spielmacher, noch für eine ganze Zeit.

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