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Coronavirus-PandemieBill Gates ist zum Ziel von Verschwörungstheoretikern geworden

Bill und Melinda Gates (picture alliance / dpa / Elaine Thompson)
Die "Bill & Melinda-Gates-Stiftung" engagiert sich seit vielen Jahren im Bereich der Impfstoffentwicklung und deren Verbreitung. (picture alliance / dpa / Elaine Thompson)

Microsoft-Gründer Bill Gates setzt sich mit seiner Stiftung unter anderem für die Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus ein. Er ist daher derzeit vermehrt in den Medien - und Ziel von Verschwörungtheoretikern.

Das Video hat 2,5 Millionen Abrufe: "Gates kapert Deutschland!" heißt es und darin spricht der ehemalige Radiomoderator Ken Jebsen von kruden Theorien. Kurz gesagt: Bill Gates und seine Ehefrau Melinda kontrollieren angeblich die Welt in der Corona-Pandemie. Das was sie wollen, müssten Regierungen, Virologen wie Christian Drosten oder die Weltgesundheitsorganisation umsetzen. "Inzwischen ist es so, dass es ein Ehepaar ist, das der ganzen Welt diktiert, wie es zu leben hat", meint Jebsen. Das sei "mehr Macht als seinerzeit Roosevelt, Churchill, Hitler und Stalin gemeinsam".

Jebsen ist im Internet nicht alleine mit seinen Anschuldigungen gegenüber dem Microsoft-Gründer. Auch der Autor erfolgreicher veganer Kochbücher, Attila Hildmann, postete auf Facebook unter anderem: "Gates will über die nationalen Regierungen eine globale Gesundheitsdiktatur errichten!" Im Netz kursieren weitere Theorien, wonach Bill Gates etwas mit der angeblichen Erschaffung des Sars-CoV-2-Virus in einem Labor zu tun habe oder Menschen Mikrochips zur Überwachungen von Covid-19 unter die Haut setzen wolle.

Unterschieden werden muss zwischen legitimer Kritik an Gates oder etwa der Finanzierung der Weltgesundheitsorganisation - die WHO ist mehr von Großspendern abhängig als von den Beiträgen ihrer Mitgliedstaaten. Auch ist Gates an dem umstrittenen Konzern Monsanto beteiligt. Doch die Theorien gehen weit darüber hinaus.

Warum ist Gates Ziel von Verschwörungstheorien?

Bereits seit Jahren setzt sich die "Bill und Melinda Gates Stiftung" für den Gesundheitsschutz ein - daher ist es wenig überraschend, dass Gates Gelder für die Suche nach einem Impfstoff einsetzt. Dem Bayerischen Rundfunk sagte Andreas Jungherr, Professor an der Universität Konstanz für den Studiengang "Social Science Data Collection and Analysis", mit Verschwörungstheorien um Bill Gates könne man die Schwere der Corona-Pandemie herunterspielen. "Was vorher objektiv notwendig und wissenschaftlich begründet schien, kann jetzt als im Interesse einer globalen Elite diskreditiert werden", sagte er. Auch wirtschaftliche Interessen könnten dahinterstecken. "Verschwörungstheorien ziehen Klicks, die werden wiederum durch Werbung monetisiert", erklärt Jungherr. Zudem dürfte Gates als Ziel taugen, da Menschen mit viel Geld große Einflussmöglichkeiten zugeschrieben werden.

Gates selbst sagte kürzlich in einem CNN-Interview: "Es gibt Leute, die wollen das durch eine politische, nicht durch eine wissenschaftliche Brille betrachten." Das könne zu seltsamen Ansichten führen.

Einen ausführlichen Beitrag zu Verschwörungstheorien haben die Kollegen der Sendung Hintergrund recherchiert. Faktenchecks zu Behauptungen, die rund um das Coronaviurs kursieren, gibt es unter anderem bei Correctiv und der Tagesschau.

Der Faktencheck der dpa zu Bill Gates

BEHAUPTUNG I: Gates will im Kampf gegen den Erreger den Menschen Mikrochips einpflanzen lassen - und so die totale Kontrolle erlangen.

BEWERTUNG: Falsche Zusammenhänge.

FAKTEN: Gates schrieb im März, dass irgendwann "digitale Zertifikate" Auskunft darüber geben könnten, wer eine Infektion mit dem Coronavirus bereits durchgestanden hat oder - sobald das möglich ist - dagegen geimpft ist. Diese Aussage wurde mit vollkommen anderen Projekten verrührt, die von der Gates-Stiftung unterstützt werden - etwa Forschungen zur digitalen Identifizierung, zu einer Technik, die Impfungen im Infrarotlicht auf der Haut anzeigt, sowie zu Verhütungsmethoden via Mikrochips. Mit dem Coronavirus haben sie laut dpa nichts zu tun.

BEHAUPTUNG II: Gates finanziert die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

BEWERTUNG: Das ist übertrieben. Doch gehört die Gates-Stiftung zu den größten Geldgebern der WHO.

FAKTEN: Im Budgetzeitraum 2018/2019 flossen Spenden der Gates-Stiftung in Höhe von 367,7 Millionen Dollar in WHO-Projekte. Damit war sie als zweitwichtigster Zahler nach den USA (553 Mio.) gelistet, die jüngst ihre finanzielle Unterstützung an die UN-Behörde einfroren. Die Gates-Stiftung beteiligte sich damit zu 9,8 Prozent an den zweckgebundenen Spenden, die wiederum 77 Prozent des gesamten WHO-Budgets ausmachen. Kritiker bemängeln, Gates dürfe die Ziele seiner Spenden bestimmen und könne so der WHO eine Richtung vorgeben.

BEHAUPTUNG III: Die Gates-Stiftung soll die Entwicklung des neuen Coronavirus finanziert haben - inklusive Patent.

BEWERTUNG: Entbehrt jeder Grundlage.

FAKTEN: Der vermeintliche Beweis: das Patent eines von der Stiftung unterstützten Instituts von 2015 mit dem Titel "Coronavirus". Dabei geht es aber nicht um Sars-CoV-2, sondern um die Impfstoffentwicklung gegen ein Geflügelvirus aus der Gruppe der Coronaviren. In der Immunologie ist es üblich, dass Forscher das Erbgut von Erregern verändern, um sie weniger gefährlich zu machen. Diese eignen sich dann zur Herstellung von Impfstoffen. Zudem halten Wissenschaftler eine Entwicklung des neuen Coronavirus im Labor für nicht plausibel.

BEHAUPTUNG IV: Gates hat seine eigenen Kinder nicht impfen lassen.

BEWERTUNG: Abstruse Quelle.

FAKTEN: Gates vermeintlicher früherer Arzt soll das in den 1990ern auf einem Symposium in Seattle erzählt haben. Es werden weder der Name des Symposiums noch der des Arztes genannt. Wer diese unbelegte These zuerst in die Welt brachte, ist nicht mehr nachvollziehbar.

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