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CoronavirusReise-Kunden können weiter Geld zurück verlangen

Touristen surfen und baden am 29.03.2016 in Taghazout (Marokko) am Strand an der Atlantikküste. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Touristen am Strand an der Atlantikküste - Archivbild (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Wegen der Corona-Krise ist das Tourismusgeschäft in eine schwere Krise geraten. Reisetermine werden abgesagt oder verschoben. In Deutschland bleibt es bei der Regelung, dass Kunden auf Wunsch ihr Geld zurückbekommen und keine Gutscheine akzeptieren müssen.

Wer bereits einen Gutschein für eine geplatzte Pauschalreise akzeptiert hat, soll diesen nach dem Willen der Bundesregierung zudem zurückgeben können. Auf diese Regelungen hat sich das Kabinett verständigt. Die Europäische Union und Verbraucherschützer hatten sich dafür eingesetzt, dass Kunden für nicht angetretene Reisen ihr Geld zurückbekommen. Die Reisebranche will den Kunden stattdessen Gutscheine geben - auch, um Pleiten zu vermeiden. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Bareiß, kritisierte, dass die Rückerstattungen in Deutschland viel zu lange dauerten, während sie in anderen Ländern "oft problemlos" liefen. Was da passiere, sei eine Frechheit, sagte er der Bild-Zeitung.

Pauschalreisen zu 100 Prozent staatlich abgesichert

Justizministerin Lambrecht erklärte, Rückzahlungen würden viele Reiseanbieter überfordern. "Wer sich für einen Gutschein entscheidet, leistet auch einen wichtigen Beitrag dazu, die Vielfalt der Angebote und Dienstleistungen im Reisesektor zu erhalten", appellierte die SPD-Politikerin.

Die Gutscheine sind grundsätzlich durch Versicherungen der Veranstalter abgedeckt. Sollte dies aber in der Krise nicht ausreichen, springt der Staat ein. Auch bei einer Insolvenz werden die Gutscheine damit nicht wertlos. Dies gilt nach Angaben des Ministeriums für coronabedingt abgesagte Pauschalreisen, die vor dem 8. März gebucht wurden. Hier soll der Staat im Ernstfall den vollen Reisepreis erstatten.

Tourismusverband: "Das Geld ist schon weitergeleitet"

Der Bundesverband der deutschen Tourismuswirtschaft hatte der Bundesregierung Feigheit vorgeworfen, weil die Annahme von Gutscheinen freiwillig bleibt. Verbandspräsident Frenzel sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Zwölf Länder haben obligatorische Gutscheine eingeführt, nur Deutschland traut sich nicht."

Auch der Deutsche Reiseverband und der internationale Dachverband der Fluggesellschaften IATA zeigten sich enttäuscht von der Entwicklung. Die meisten kleinen und mittelständischen Reiseveranstalter stünden mit dem Rücken zur Wand und die Kassen seien leer, erklärte DRV-Präsident Fiebig.

EU besteht auf Verbraucherrechten

Die EU-Kommission geht aktuell gegen mehrere Mitgliedsstaaten vor, die verpflichtende Gutschein-Lösungen eingeführt haben - so wie sie sich auch die deutsche Tourismusbranche wünscht. Denn nach EU-Recht müssen abgesagte Pauschalreisen sowie Flugtickets zeitnah erstattet werden.

Allerdings gibt es Berichte, wonach zumindest Fluggesellschaften die Erstattung stornierter Tickets verzögern. Dies wirft die Verbraucherzentrale Hessen der Luftverkehrsbranche vor. In der Zentrale häuften sich die Beschwerden von Verbrauchern, die keine Auskünfte erhielten und hingehalten würden. Viele fühlten sich als Opfer einer Verzögerungstaktik. Die Verbraucherzentrale sprach von einem "systematischen Rechtsbruch". Kunden, die auf ihren Zahlungsanspruch bestünden, brauchten einen langen Atem. Das sei besonders unverständlich, wenn Unternehmen gleichzeitig massive staatliche Unterstützung erhielten.

Tui und Lufthansa sagen baldige Auszahlung zu

Nach Kritik von Kunden wegen ausbleibender Antworten auf Stornierungswünsche hat Tui Deutschland eine baldige Rückzahlung des Geldes versprochen. Kunden würden im Laufe der am 15. Juni beginnenden Woche das Geld für alle Reisen auf dem Konto haben, die bis zum 15. Mai abgesagt wurden und bei denen eine Erstattung gewünscht sei. Geschäftsführer Marek Andryszak verwies darauf, dass zunächst unklar gewesen sei, ob ein verpflichtendes Gutscheinsystem für ausgefallene Reisen kommen würde - dies lehnte die EU-Kommission ab. Auch bei der angeschlagenen Lufthansa gab es verspätete Erstattungen. Konzernchef Carsten Spohr kündigte laut FAS an, jedem Kunden den Ticketpreis zurückzuzahlen.

Übrigens wird Tui im Zuge der Pandemie zahlreiche Stellen streichen. Im Konzern sollen laut bisherigen Plänen schon 8.000 Jobs vor allem im Ausland wegfallen. Überdies dürfte die Konzern-Airline Tuifly mit ihren rund 2.000 Vollzeitstellen betroffen sein. Gewerkschafter kritisieren die Streichung der Stellen während eines parallel laufenden staatlichen Kredits über 1,8 Milliarden Euro heftig.

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