Die Nachrichten

Die Nachrichten

Die Nachrichten

CoronavirusReise-Kunden können weiter Geld zurück verlangen

Touristen surfen und baden am 29.03.2016 in Taghazout (Marokko) am Strand an der Atlantikküste. (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)
Touristen am Strand an der Atlantikküste - Archivbild (picture alliance / dpa / Frank Rumpenhorst)

Wegen der Corona-Pandemie ist das Tourismusgeschäft in eine schwere Krise geraten. Reisetermine wurden abgesagt oder verschoben. Auch in der derzeitigen Ferienzeit herrscht große Unsicherheit. In Deutschland bleibt es bei der Regelung, dass Kunden auf Wunsch ihr Geld zurückbekommen und keine Gutscheine akzeptieren müssen.

Das hat der Bundestag schon Anfang Juli per Gesetz beschlossen. Wer bereits einen Gutschein für eine geplatzte Pauschalreise akzeptiert hat, soll diesen nach dem Willen der Bundesregierung zurückgeben können. Die Europäische Union und Verbraucherschützer hatten sich dafür eingesetzt, dass Kunden für abgesagte Reisen ihr Geld zurückbekommen. Die Reisebranche wollte den Kunden stattdessen Gutscheine geben – auch, um Pleiten zu vermeiden.

Airlines sagen zeitnahe Rückerstattung zu

Seither warten laut Medienberichten immer noch zahlreiche Kunden auf die Rückerstattung ihrer Reisekosten. Vor allem die Airlines stehen in der Kritik, die Erstattung der Flugkosten hinauszuzögern.

Wie unter anderem die Verbraucherzentrale Hessen erklärte, häuften sich dort schon länger die Beschwerden von Verbrauchern, die keine Auskünfte erhielten und hingehalten würden. Die Verbraucherzentrale sprach von einem „systematischen Rechtsbruch“. Kunden, die auf ihren Zahlungsanspruch bestünden, brauchten einen langen Atem. Das sei besonders unverständlich, wenn Unternehmen gleichzeitig massive staatliche Unterstützung erhielten. Auf ihrer Webseite hat der Bundesverband der Verbraucherzentralen die wesentlichen Rechte von Urlaubern zusammengefasst, auch im Hinblick auf zukünftige Reisen.

Sowohl die Lufthansa als auch der Reise-Anbieter Tui hatten zuletzt zugesagt, den Rückzahlungs-Stau innerhalb der kommenden Wochen zu beheben. Allerdings kritisierte der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) Ende Juli die Lufthansa scharf. Es gebe bisher nur vereinzelte Erstattungen, sagte der vzbv-Vorsitzende Müller der Rheinischen Post. Er halte das nicht für Unfähigkeit, sondern klar für Vorsatz, betonte er. Der Konzern wies die Vorwürfe zurück. Lufthansa-Vorstand Hohmeister sagte, die Fluggesellschaft sei von der Corona-Krise "überrollt" worden: Es seien mehr als zwei Millionen Erstattungsanfragen eingegangen. Die Airline habe bereits Erstattungen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro an Kunden ausgezahlt, sagte ein Unternehmenssprecher. Im Laufe der ersten Augustwoche sollen die automatisierten Erstattungssysteme wieder eingeschaltet werden.

Der Fluganbieter Ryanair hatte angekündigt, dass zumindest 90 Prozent der Kundinnen und Kunden ihr Geld für stornierte Tickets bis Ende Juli zurückerhalten sollten.

So reagieren Politiker und die Reisebranche auf die Regelungen

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Bareiß, hatte in der "Bild"-Zeitung kritisiert, dass die Rückerstattungen in Deutschland viel zu lange dauerten, während sie in anderen Ländern "oft problemlos" liefen.

Der tourismuspolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Markus Tressel, forderte im Handelsblatt Geldstrafen für Luftverkehrsgesellschaften, die im Fall coronabedingter Stornierungen die Ticketkosten nicht fristgerecht zurückzahlen. Das Luftfahrt-Bundesamt (LBA) müsse stärker gegen Airlines vorgehen, die ihre Kunden weiter hinhalten, im Zweifel auch mit Bußgeldern.

Justizministerin Lambrecht hingegen erklärte, die massenhaften Rückzahlungen würden viele Reiseanbieter überfordern. "Wer sich für einen Gutschein entscheidet, leistet auch einen wichtigen Beitrag dazu, die Vielfalt der Angebote und Dienstleistungen im Reisesektor zu erhalten", appellierte die SPD-Politikerin.

Auch der Bundesverband der deutschen Tourismuswirtschaft hatte der Bundesregierung Feigheit vorgeworfen, weil die Annahme von Gutscheinen freiwillig bleibt. Verbandspräsident Frenzel sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Zwölf Länder haben obligatorische Gutscheine eingeführt, nur Deutschland traut sich nicht." 



EU-Recht sieht zeitnahe Rückerstattungen vor

Die EU-Kommission geht gegen mehrere Mitgliedstaaten vor, die verpflichtende Gutschein-Lösungen eingeführt haben – so wie sie sich auch die deutsche Tourismusbranche gewünscht hätte. Nach EU-Recht müssen abgesagte Pauschalreisen innerhalb von 14 Tagen, Flugtickets sogar innerhalb von sieben Tagen erstattet werden.

Reise-Gutscheine sind grundsätzlich durch Versicherungen der Veranstalter abgedeckt. Sollte dies aber in der Krise nicht ausreichen, springt der Staat ein. Auch bei einer Insolvenz werden die Gutscheine damit nicht wertlos. Dies gilt nach Regierungsangaben für coronabedingt abgesagte Pauschalreisen, die vor dem 8. März gebucht wurden. Hier soll der Staat im Ernstfall den vollen Reisepreis erstatten.

Weiterführende Artikel zum Coronavirus

Wir haben ein Nachrichtenblog angelegt. Das bietet angesichts der zahlreichen Informationen einen Überblick über die wichtigsten aktuellen Entwicklungen.

Urlaub und Freizeit

+ Reisen: Die aktuellen Regelungen in Deutschland
+ Infektionszahlen und Einreise: Wie ist die Lage in den Urlaubsländern
+ Unterwegs: Welche Regeln in der Bahn und im Flugzeug gelten
+ Maskenpflicht in Bussen und Bahnen: Wer setzt sie eigentlich durch?
+ Tourismus: Reise-Kunden können weiter Geld zurück verlangen

Zahlen und Daten zur Coronavirus-Pandemie

+ Aktuelle Entwicklungen: Zahlen zum Coronavirus in Deutschland
+ Deutschland: Warum die Todesrate durch das Coronavirus in Deutschland vergleichsweise niedrig ist
+ Unentdeckte Infizierte: Wie hoch die Dunkelziffer bei den Coronavirus-Infektionen ist
+ Welche Zahlen wir zum Coronavirus nennen und warum
+ Desinformation: Warum Bill Gates zum Ziel von Verschwörungstheoretikern geworden ist

Ansteckung und Übertragung

+ Übersterblichkeit: Wie tödlich ist das Coronavirus?
+ Spätfolgen: Wie sehen die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion aus?
+ Prävention: Wie es derzeit um eine Zweite Welle beim Coronavirus steht
+ Kinder: Wie es um die Gefahr der Ansteckung und Verbreitung bei ihnen steht
+ Tröpfcheninfektion oder Schwebeteilchen: Welche Rolle spielen Aerosol-Partikel bei der Übertragung?
+ Ausbreitung: Wie gefährlich sind Superspreader in der Corona-Pandemie?
+ Einkaufswagen und Co.: Wie lange sich das Coronavirus auf Oberflächen hält

Test und Schutz

+ Herbst: Was zu tun ist, wenn Corona und Grippewelle aufeinandertreffen
+ Tests: Wie sinnvoll sind Corona-Massentests für alle?
+ Tests: Wo man sich testen lassen kann
+ Impfung: So weit ist die Forschung
+ Behandlung: Wie weit ist die Suche nach Medikamenten gegen Covid-19?
+ Gesichtsmasken: Was man zu Schutzmasken wissen sollte

Die Dlf-Nachrichten finden Sie auch bei Twitter unter: @DLFNachrichten.