Die Nachrichten

Die Nachrichten

Die Nachrichten

CoronavirusReise-Rückkehrer und Party-Gänger - wer die deutschen Infektionszahlen derzeit in die Höhe treibt

Gruppe glückliche Freunde, die auf Strandparty tanzen *** Group of happy friends dancing at Beach Party PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY photocase_2291814 (imago | Photocase)
"Urlaub ist immer auch mit Ausgelassenheit verbunden, etwa beim Aufenthalt am Strand oder bei Feiern in engen Räumen." (imago | Photocase)

Die Zahl der Neuinfektionen mit dem Coronavirus in Deutschland steigt weiter. Statistiken des Robert Koch-Instituts und aus den Bundesländern zeigen: Viele Menschen bringen das Virus aus dem Urlaub mit.

In seinem Lagebericht vom Donnerstag (27.08.2020) stellte das Robert Koch-Institut (RKI) fest, dass es bundesweit "eine große Anzahl kleinerer Ausbruchgeschehen in verschiedenen Landkreisen" gibt, "die mit unterschiedlichen Situationen in Zusammenhang stehen, z.B. größeren Feiern im Familien- und Freundeskreis." Hinzu komme, dass Covid-19-Fälle zu einem großen Anteil unter Reiserückkehrern, insbesondere in den jüngeren Altersgruppen, identifiziert würden.

Das RKI erklärte das spanische Festland sowie die Balearen zum Risikogebiet, ebenso Teile von Südfrankreich und die französische Hauptstadtregion Ile-de-France. Außerdem gelten Teile Kroatiens seit dem 20. August als Risikogebiet: die Urlaubsregionen Sibenik-Knin und Split-Dalmatien.

Wird ein Gebiet vom RKI als Risikogebiet eingestuft, ist für Rückkehrer ein Corona-Test Pflicht. Voraussichtlich ab dem 1. Oktober soll eine neue Regelung gelten: Urlauber aus Risikogebieten müssen sich erstmal in die Quarantäne begeben. Frühestens fünf Tage nach Rückkehr kann die Quarantäne durch einen negativen Corona-Test beendet werden. Derzeit wird geprüft, ob Reiserückkehrer aus Risikogebieten ihren Test selbst zahlen sollen. Zudem fordert der Bund die Länder auf, die Quarantänepflichten vor Ort schärfer zu kontrollieren und bei Pflichtverstößen Bußgelder zu verhängen.

Viele Balkan-Reiserückkehrer sind infiziert

Bei den Reiserückkehrern stehen der Kosovo und die Türkei im Fokus. Im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen kamen 36,3 Prozent der positiv getesteten Rückkehrer zwischen dem 1. Juli und dem 16. August aus dem Kosovo. Mit 19,9 Prozent liegt die Türkei an zweiter Stelle. Danach folgen mit weitem Abstand Kroatien mit 6,2 und Serbien mit 4,1 Prozent. Diese Zahlen teilte das NRW-Gesundheitsministerium mit.

Als Ursache für die hohen Kosovo- und Türkei-Zahlen werden bei Corona-Experten Familienbesuche von in Deutschland lebenden Personen vermutet. Für die klassischen Urlaubsländer wie Spanien oder Griechenland sind in NRW nur sehr niedrige Infektionszahlen mit 2,5 und 0,5 Prozent Positiv-Testungen verzeichnet.

Auf Bundesebene ist der Trend dem Robert Koch-Institut zufolge ähnlich: Der Anteil der positiv getesteten Rückkehrer bei allen Neuinfektionen liege demnach bei 39 Prozent. Davon steckten sich rund 20 Prozent entweder im Kosovo oder in der Türkei an. Kroatien folgt in der bundesweiten RKI-Statistik über infizierte Rückkehrer an dritter Stelle, es folgen Bulgarien, Bosnien-Herzegowina, Spanien, Serbien und Rumänien.

Zuvor hatte das RKI mitgeteilt, dass unter den Fällen mit Angabe Kosovo und Türkei eher Kinder und Personen mittleren Alters betroffen sind, was auf Reisen im Familienverbund hinweisen könnte. Unter den Fällen mit wahrscheinlichem Ursprung in Spanien und Kroatien seien hingegen eher Personen zwischen 20 und 24 Jahren betroffen, was laut RKI eher auf Vergnügungstourismus hindeutet.

Dirk Brockmann, Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin und Epidemiologe am Robert Koch-Institut, sagte in der DLF-Sendung "Forschung aktuell", Urlaub sei immer auch mit Ausgelassenheit verbunden, etwa beim Aufenthalt am Strand oder bei Feiern in engen Räumen. Reiserückkehrer kämen also aus Kontexten zurück, in denen Infektionen stärker stattfinden.

Höhere Positivraten an Flughäfen

Seit Einführung der kostenlosen Tests für Reiserückkehrer, unter anderem an Flughäfen, lassen sich dort zahlreiche Menschen testen. Dabei liegen die Positivraten oft höher als im deutschlandweiten Durchschnitt, was die Bedeutung der Reiserückkehrer für den Anstieg der Zahlen untermauert. So waren laut den Zahlen des Gesundheitsministeriums sowie der Kassenärztlichen Vereinigungen von über 58.000 Tests an nordrhein-westfälischen Flughäfen mehr als 1.200 positiv, das entspricht 2,1 Prozent. Zuletzt lag die Positivrate der deutschlandweiten Tests bei einem Prozent.

Kostenlose Corona-Tests für Einreisende aus Nicht-Risikogebieten sollen zum Ende der Sommerferien mit dem 15. September beendet werden. Bayerns Ministerpräsident Söder will aber an seinem Angebot für kostenlose Tests an Flughäfen, Bahnhöfen und Autobahnen festhalten.

120 Menschen in Bayern nach Party in Quarantäne

Im bayerischen Landkreis Schwandorf mussten Mitte August nach der Corona-Infektion eines Italien-Urlaubers 120 Menschen in Quarantäne. Wie die "Mittelbayerische Zeitung" berichtet, hatte sich der Mann bei seiner Rückkehr am Donnerstag an der Grenze bei Kiefersfelden testen lassen und am Sonntag sein Ergebnis erhalten. Zu dem Zeitpunkt hatte er aber schon an einer Geburtstagsfeier mit rund 100 Gästen teilgenommen. Ihm war nach eigenen Angaben von den Behörden zugesagt worden, innerhalb von 24 Stunden über das Testergebnis informiert zu werden. Weil ein Anruf ausblieb, habe er am Samstag an der Party teilgenommen.

Vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass in Bayern 44.000 auf das Covid-19 getestete Reiserückkehrer teilweise wochenlang auf ihren Befund warteten - darunter mehr als 900 positiv Getestete.

Obergrenzen für Privatpartys

Große Familienfeste waren von Bundesgesundheitsminister Spahn (CDU) als mögliche Infektionsquelle genannt worden. Die Regierungschefs von Bund und Ländern konnten sich jedoch nicht auf eine Begrenzung der Teilnehmerzahl für Privatfeiern verständigen. Das Bundeskanzleramt hatte vorgeschlagen, die Zahl der Teilnehmer an Privatfeiern auf 25 zu begrenzen - dagegen gab es aber Widerstand auf Seiten der Ministerpräsidenten.

In den Bundesländern wird die Obergrenze für Privatfeiern unterschiedlich geregelt. So sind in Berlin Innenveranstaltungen mit bis zu 500 Menschen erlaubt. In Nordrhein-Westfalen dürfen bei "geselligen Veranstaltungen wie Hochzeiten" drinnen maximal 150 Gäste anwesend sein, in Bayern maximal 100.

Viele jüngere Menschen infiziert

Unter den Neuinfizierten sind vermehrt Jüngere, was die Hinweise auf die Rolle von Partys stützen könnte: Während das Wachstum der gemeldeten Fälle in allen Altersgruppen anfangs noch einigermaßen gleichmäßig verlief, nehmen nun die Zahlen in jüngeren Altersgruppen auch laut Berechnungen des Science Media Centers deutlich zu. Innerhalb von sechs Wochen sind demnach die Fälle pro 100.000 Personen in der Altersgruppe der 20- bis 25-Jährigen von fünf auf 25 gestiegen.

(Stand: 27.08.2020)

Weiterführende Artikel zum Coronavirus

Wir haben ein Nachrichtenblog angelegt. Das bietet angesichts der zahlreichen Informationen einen Überblick über die wichtigsten aktuellen Entwicklungen.

Zahlen und Daten

+ Aktuelle Entwicklungen: Zahlen zum Coronavirus in Deutschland (Stand: 17.09.)
+ Einordnung: Welche Zahlen wir zum Coronavirus nennen und warum (Stand: 22.08.)
+ Unentdeckte Infizierte: Wie hoch die Dunkelziffer bei den Coronavirus-Infektionen ist (Stand: 02.09.)
+ Neue Entwicklung: Warum die Corona-Sterberate so niedrig und die Infektionszahl so hoch ist (Stand: 04.09.)

Test und Schutz

+ Behandlung: So weit ist die Impfstoffforschung gegen das Coronavirus (Stand: 15.09.)
+ Infektion: Was man bisher zu Reinfektionen und Immunität gegen das Coronavirus weiß (Stand: 25.08.)
+ Gesichtsmasken: Was man zu Schutzmasken wissen sollte (Stand: 27.08.)

Ansteckung und Übertragung

+ Übertragung: Welche Rolle spielen Aerosol-Partikel bei der Übertragung? (Stand: 12.08.)
+ Prävention: Wie es derzeit um eine zweite Welle beim Coronavirus steht (Stand: 27.08.)
+ Herbst: Was zu tun ist, wenn Corona und Grippewelle aufeinandertreffen (Stand: 03.09.)
+ Übersterblichkeit: Wie tödlich ist das Coronavirus? (Stand: 16.08)
+ Einkaufswagen und Co: Wie lange sich das Coronavirus auf Oberflächen hält (Stand: 08.08.)
+ Symtome: Wie sehen die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion aus? (Stand: 08.08.)

Urlaub und Freizeit

+ Reisewarnung: Die aktuelle Liste der Risikogebiete (Stand 16.09.)
+ Reisekosten: Volle Erstattung auch ohne Reisewarnung (Stand: 06.09.)
+ Reiseplanung: Wie ist die Lage in den europäischen Urlaubsländern? (Stand 05.09.)
+ Reise-Rückkehrer und Party-Gänger: Wer die deutschen Infektionszahlen derzeit in die Höhe treibt (Stand: 27.8.)
+ Reisen: Die aktuellen Regelungen in Deutschland (Stand: 16.08.)

Die Dlf-Nachrichten finden Sie auch bei Twitter unter: @DLFNachrichten.