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StartseiteForschung aktuellESA verschiebt Suche nach Leben auf dem Mars19.03.2020

Coronavirus und ExoMars-MissionESA verschiebt Suche nach Leben auf dem Mars

Die weltweiten Auswirkungen durch COVID-19 machen sich auch in der Raumfahrt bemerkbar. Der für den Spätsommer 2020 geplante Start der ExoMars-Mission wird um zwei Jahre verschoben, da Tests der großen Fallschirme momentan nicht möglich sind. Nicht die einzige Einschränkung für die Raumfahrtagenturen.

Von Karl Urban

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Der für den Sommer geplante Start der ExoMars Mission  mit dem europäisch-russischen Rover Rosalind Franklin wird wegen der Coronavirus-Pandemie um zwei Jahre verschoben (Copyright ESA/ATG medialab)
Der für den Sommer geplante Start der ExoMars Mission mit dem europäisch-russischen Rover Rosalind Franklin wird wegen der Coronavirus-Pandemie um zwei Jahre verschoben (Copyright ESA/ATG medialab)
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In einer Videoschaltung am 12. März hatte der Generaldirektor der ESA Jan Wörner keine guten Nachrichten. Der für den Sommer geplante Start des ExoMars Rovers muss um zwei Jahre verschoben werden, ins nächste Startfenster zum Roten Planeten.

"In der aktuellen Lage wirkt sich der Coronavirus auf unsere Vorbereitungen aus, weil Menschen aus der Industrie in Russland, Italien oder Frankreich nicht mehr so einfach reisen können wie bisher."

Am Montag teilte auch der Raumfahrtkonzern Arianespace mit, vorerst alle geplanten Raketenflüge vom Startplatz Kourou in Französisch-Guyana zu verschieben. Die Vorbereitungen einer Vega-Rakete sowie zweier Sojus-Raketen, die zwischen März und Mai abheben sollten, sind damit gestoppt. Arianespace wolle damit die Gesundheit der Mitarbeiter und der lokalen Bevölkerung schützen und außerdem sicherstellen, durch verringertes Personal auf dem Startplatz nicht die Sicherheit zu gefährden.

Raumfahrtagenturen arbeiten momentan im Minimalbetrieb

Etwas verspätet begann auch die NASA, Maßnahmen zu ergreifen: Nach Infektionen in mindestens zwei Zentren in Kalifornien und Alabama verordnete Administrator Jim Bridenstine Dienstagabend allen Mitarbeitern, von zu Hause zu arbeiten, mit Ausnahme von missionskritischem Personal. Doch in den nun weitgehend verwaisten Instituten dürften diverse laufende Projekte leiden. Neue Raumsonden müssen vor Ort zusammengebaut und getestet werden. Und auch Satelliten im Orbit lassen sich nicht aus dem Homeoffice steuern. Das zeigt das Beispiel von Eumetsat. Die Agentur in Darmstadt ist für die Wettersatelliten Europas zuständig.

"Es besteht kein Risiko, dass ein Satellit zu Boden fällt. Aber es wäre möglich, dass die Satelliten und ihre Instrumente nicht mehr durch Kommandos vom Boden gewartet werden können. Und dann würden keine Daten mehr kommen, die wir an unsere Nutzer weitergeben."

Paul Counet ist in der Eumetsat-Zentrale in Darmstadt für strategische Planung zuständig. Von hier werden alle zehn europäischen Wettersatelliten gesteuert, die das Rückgrat der Wettervorhersage bilden. Deren Nutzer sind die Wetterdienste in Europa und weltweit. Die Daten sind auch wichtig, um gefährliche Stürme vorherzusagen und Warnungen an die Bevölkerung abzuschicken. In der Zentrale von Eumetsat arbeiten an einem gewöhnlichen Arbeitstag über 900 Menschen. Seit dieser Woche arbeiten zwar fast alle Mitarbeiter von zu Hause. Aber es gibt Ausnahmen: zu jeder Zeit müssen im Kontrollraum genügend gesunde Techniker und Ingenieurinnen Kommandos übertragen können.

Satelliten kann man nicht von zuhause aus steuern

"Wir haben zwei Teams voneinander getrennt, wir nennen sie Team A und Team B. Die haben bereits vor einigen Wochen damit begonnen, abwechselnd im Homeoffice zu arbeiten. Während das eine Team 15 Tage lang von zu Hause arbeitet, befindet sich das zweite Team in der Eumetsat-Zentrale. Und nach 15 Tagen wechseln sie sich ab.

Das Ziel: Infiziert sich ein Mitglied von Team A und mehrere Kollegen müssten in Quarantäne bleiben, könnte Team B sofort einspringen, um aus dem Kontrollraum weiterhin Kommandos an die Satelliten zu übertragen. Dadurch sollen Europas Wettersatelliten weiterhin alle fünf Minuten Daten zum Boden übertragen. Um das auch in Zukunft sicherzustellen, hat sich Paul Counet mit seinem Team auch schon mit möglichen neuen Einschränkungen des öffentlichen Lebens auseinandergesetzt.

"Sollte es in Deutschland eine Ausgangssperre geben, müssen wir mit den Behörden sprechen, um sicherzugehen, dass unsere Mitarbeiter von ihren Wohnorten weiter in unsere Zentrale kommen, um hier ihre Arbeit zu tun."

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