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StartseiteWirtschaftsgesprächOPEC könnte Öl-Förderung drosseln05.03.2020

Coronavirus und WeltwirtschaftOPEC könnte Öl-Förderung drosseln

Durch die Ausbreitung des neuen Coronavius droht sich das weltweite Wirtschaftswachstum zu verlangsamen, weswegen auch die Öl-Nachfrage einzubrechen droht. Eine gedrosselte Förderung könnte einen fallenden Ölpreis aufhalten. Nur kann die OPEC das nicht alleine entscheiden.

Von Klemens Kindermann

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Eine Ölpumpen vor einem Sonnenuntergang (dpa / picture alliance / Larry W. Smith)
Die Ölpreise sind weltweit im freien Fall (dpa / picture alliance / Larry W. Smith)
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In Wien treffen sich am 5. und 6. März Minister der Opeck-Mitgliedsstaaten und weitere Unterzeichnerstaaten des Abkommens zur Begrenzung der Ölfördermengen. Eines der Hauptthemen, welches bei dem Treffen der Organisation Erdölexportierender Länder, kurz OPEC, diskutiert wird, das Coronavirus. Denn wenn das weltweite Wirtschaftswachstum in diesem Jahr tatsächlich durch das Coronavirus halbiert werden würde, wovor die Industriestaaten-Organisation OECD diese Woche gewarnt hat, dann hätte das natürlich auch Folgen für den weltweiten Ölverbrauch. Denn: Wenn weniger produziert und transportiert wird, wird auch weniger Öl benötigt. Die Internationale Energieagentur IEA geht sogar davon aus, dass erstmals seit zehn Jahren die Nachfrage nach Rohöl sinken wird. In China selbst, dem Ursprungsland des Coronavirus, ist der Ölverbrauch bereits dramatisch eingebrochen.

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Eine Million Barrel pro Tag weniger

Um gegen den Nachfrageausfall vorzugehen, könnte die OPEC ihre Öl-Förderung drosseln. Im Gespräch ist eine Kürzung um bis zu eine Million Barrel pro Tag, ein Barrel sind 159 Liter Rohöl. Zur Einordnung: Insgesamt fördert die OPEC 29 Millionen Barell pro Tag, was ein ein knappes Drittel der weltweiten Förderung ist.

Grafik: Corona drosselt den Ölpreis von 70 auf 52$/ Barrel (Deutschlandradio)Corona drosselt den Ölpreis von 70 auf 52 Dollar pro / Barrel (Deutschlandradio)

Diese Drosselung liegt nahe, denn die Ölpreise sind weltweit im freien Fall, weil Öl seit dem Corona-Ausbruch immer weniger gefragt ist. Anfang des Jahres wurden für das Barrel Nordsee-Öl der Sorte Brent – das ist für Europa die wichtige Ölsorte – noch fast 70 Dollar bezahlt, am Morgen des 5.3. nur noch unter 52 Dollar.

Die eingeschränkte Macht der OPEC

Die Förderkürzung ist allerdings keineswegs eine ausgemachte Sache. Das Problem ist, dass die OPEC alleine den Ölmarkt nicht mehr kontrolliert, so wie während der Ölkrise in den 70er-Jahren war. Damals kam es zu leeren Autobahnen.

Inzwischen versucht sich die OPEC vor allem mit Russland in einem sogenannten OPEC+-Format abzustimmen. Das ist allerdings schwierig, weil Russland andere Interessen hat als Saudi-Arabien. Vereinfacht gesagt, will Russland so viel produzieren wie möglich, will Marktanteile erobern. Saudi-Arabien dagegen will vor allem den Preis nach oben treiben und daher die Förderung drosseln. Hintergrund: Saudi-Arabien braucht zur Finanzierung seines Haushaltes einen Ölpreis möglichst über 80 Dollar. Die russische Regierung hat einen Ölpreis von 57 Dollar in der Etatplanung unterstellt und weiß ganz genau, dass Riad hier unter Druck ist.

USA als größter Ölproduzent der Welt

Zumal die USA dank der riesigen Mengen von Schieferöl aus dem sogenannten Fracking inzwischen die Nummer eins auf dem Ölmarkt sind und entsprechend selbstbewusst auftreten. Die OPEC ist für US-Präsident Donald Trump ein Monopol, das er einfach nicht mag: "There is a monopoly called OPEC. I don’t like that monopoly. I don’t like it." 

Auch der Rohstoffanalyst der Commerzbank, Eugen Weinberg, sagte im Dlf: "Die Zeiten der OPEC sind endgültig vorbei. Der Wirt sitzt jetzt in den USA und mit amerikanischen Ölschiefer-Unternehmen kann man unmöglich verhandeln – es sind zu viele mit unterschiedlichen Interessen." 

Daher ist der US-Präsidentschaftswahlkampf so wichtig für den Ölpreis: So lange Trump als Befürworter heimischer Ölindustrie im Amt ist, wird die OPEC sich weiter warm anziehen müssen, wenn sie auf dem Weltmarkt mitspielen will. Sollte sich aber etwa Bernie Sanders von den Demokraten doch noch bei den Vorwahlen durchsetzen, könnte sich das ändern: Er will das Fracking schrittweise verbieten. Dann wären auch die USA wieder auf die OPEC angewiesen.

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