Die Nachrichten

Die Nachrichten

Die Nachrichten

CoronavirusVolle Erstattung auch ohne Reisewarnung

Frankfurt/Main: Fast menschenleer ist das Terminal 1 des Flughafens Frankfurt an den Check-In-Schaltern der Lufthansa. (dpa/Boris Roessler)
Flughafen Frankfurt am Main (dpa/Boris Roessler)

Für viele Urlauberinnen und Urlauber in Deutschland sind die Ferien vorbei - der Ärger mit Reisen, die wegen der Corona-Krise storniert wurden sowie mit Kosten, die Veranstalter oder Flugunternehmen nicht erstatten wollen, bleibt.

Anfang Juli hatte der Bundestag per Gesetz beschlossen, dass Kunden bei einer geplatzten Reise auf Wunsch ihr Geld zurückbekommen und keine Gutscheine aktzeptieren müssen. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Sachsen-Anhalt gilt für einen Pauschalreisevertrag: "Verbraucher, die einen Gutschein ablehnen, behalten entsprechend der Vorgaben der EU-Pauschalreiserichtlinie ihren Erstattungsanspruch in Geld."

Kunden werden hingehalten

Die Reiseveranstalter müssten demnach das Geld innerhalb von 14 Tagen zurückzahlen. Eine Rückzahlung der bereits gezahlten Gelder erfolge allerdings nur selten, Gutscheine würden oft trotz Ablehnung einfach zugesandt.

Bei einer drohenden Insolvenz des Reiseveranstalters könnten Verbraucher leer ausgehen. Die Verbraucherzentrale Bremen empfiehlt, in solch einem Fall, per Einschreiben mit Rückschein dem Unternehmen eine Frist zu setzen und den vollständigen Reisepreis zurückzufordern.

Urteil: Erstattung auch ohne Reisewarnung denkbar

Am 17.8.2020 hat das Amtgericht Frankfurt/Main entschieden: Bei einer vom Kunden wegen der Corona-Gefahr stornierten Reise muss der Veranstalter unter Umständen auch ohne vorliegende Reisewarnung den Preis voll erstatten (32 C 2136/20).

Der Kläger hatte am 7. März dieses Jahres eine für Mitte April geplante Reise in den Golf von Neapel storniert. Der Veranstalter hatte auf einem Teil des Reisepreises als Stornierungsgebühr bestanden, weil zu diesem Zeitpunkt noch keine Reisewarnung des Auswärtigen Amtes vorgelegen habe.

Das Gericht stellte aber geringere Ansprüche an einen Rücktritt vom Reisevertrag aus unvermeidbaren und außergewöhnlichen Umständen, bei denen der Veranstalter voll erstatten muss. Grundsätzlich seien hier keine allzu strengen Anforderungen zu stellen, führte das Gericht aus. Reisewarnungen für das Reisegebiet seien nicht zwingend erforderlich und es genüge bereits eine gewisse Wahrscheinlichkeit für eine gesundheitsgefährdende Ausbreitung des Virus. Dies sei zum Zeitpunkt der Reisestornierung bereits für ganz Italien der Fall gewesen. Das Urteil ist rechtskräftig.

(Stand 06.09.2020)

Weiterführende Artikel zum Coronavirus

Wir haben ein Nachrichtenblog angelegt. Das bietet angesichts der zahlreichen Informationen einen Überblick über die wichtigsten aktuellen Entwicklungen.

Zahlen und Daten

+ Aktuelle Entwicklungen: Zahlen zum Coronavirus in Deutschland (Stand: 17.09.)
+ Einordnung: Welche Zahlen wir zum Coronavirus nennen und warum (Stand: 22.08.)
+ Unentdeckte Infizierte: Wie hoch die Dunkelziffer bei den Coronavirus-Infektionen ist (Stand: 02.09.)
+ Neue Entwicklung: Warum die Corona-Sterberate so niedrig und die Infektionszahl so hoch ist (Stand: 04.09.)

Test und Schutz

+ Behandlung: So weit ist die Impfstoffforschung gegen das Coronavirus (Stand: 15.09.)
+ Infektion: Was man bisher zu Reinfektionen und Immunität gegen das Coronavirus weiß (Stand: 25.08.)
+ Gesichtsmasken: Was man zu Schutzmasken wissen sollte (Stand: 27.08.)

Ansteckung und Übertragung

+ Übertragung: Welche Rolle spielen Aerosol-Partikel bei der Übertragung? (Stand: 12.08.)
+ Prävention: Wie es derzeit um eine zweite Welle beim Coronavirus steht (Stand: 27.08.)
+ Herbst: Was zu tun ist, wenn Corona und Grippewelle aufeinandertreffen (Stand: 03.09.)
+ Übersterblichkeit: Wie tödlich ist das Coronavirus? (Stand: 16.08)
+ Einkaufswagen und Co: Wie lange sich das Coronavirus auf Oberflächen hält (Stand: 08.08.)
+ Symtome: Wie sehen die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion aus? (Stand: 08.08.)

Urlaub und Freizeit

+ Reisewarnung: Die aktuelle Liste der Risikogebiete (Stand 16.09.)
+ Reisekosten: Volle Erstattung auch ohne Reisewarnung (Stand: 06.09.)
+ Reiseplanung: Wie ist die Lage in den europäischen Urlaubsländern? (Stand 05.09.)
+ Reise-Rückkehrer und Party-Gänger: Wer die deutschen Infektionszahlen derzeit in die Höhe treibt (Stand: 27.8.)
+ Reisen: Die aktuellen Regelungen in Deutschland (Stand: 16.08.)

Die Dlf-Nachrichten finden Sie auch bei Twitter unter: @DLFNachrichten.