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StartseiteSprechstundeWie kann das Infektionsrisiko für den Weihnachtsbesuch gesenkt werden?15.12.2020

CoronavirusWie kann das Infektionsrisiko für den Weihnachtsbesuch gesenkt werden?

Die Infektionszahlen bewegen sich derzeit auf einem sehr hohen Niveau. Weihnachten und Silvester unterliegen deswegen Beschränkungen für soziale Treffen. Trotzdem möchten viele ihre Angehörigen sehen. Was kann man vor einem Feiertagsbesuch tun, um eine Infektion möglichst zu vermeiden?

Von Lennart Pyritz

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An einem Weihnachtsbaum hängt Weihnachtsschmuck in Form eines Weihnachtsmannes, der eine Maske trägt.  (picture alliance/dpa - Tom Weller)
Das Coronavirus macht auch über die Feiertage keine Pause (picture alliance/dpa - Tom Weller)
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Aufgrund der hohen Zahlen der Neuinfektionen, der hohen Auslastung der Betten auf den Intensivstationen und der hohen Zahl der Menschen, die täglich an COVID-19 sterben, beginnt am 16. Dezember ein harter Lockdown in Deutschland. Über die Weihnachtstage sind Treffen nur im engsten Familienkreis erlaubt. Das heißt konkret: mit vier Menschen über den eigenen Hausstand hinaus, wobei Menschen unter 14 Jahren nicht mitgezählt werden. Auch wenn von Feiertagsbesuchen abgeraten wird, möchten viele nicht darauf verzichten. Schnelltests und freiwillige Quarantäne können zumindest das Risiko reduzieren, das Coronavirus zu Weihnachten mitzubringen.

Die Entwicklung in Deutschland – eine Chronik (Stand: 10.12.2020) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann) (Deutschlandradio / Andrea Kampmann)Coronavirus in Zahlen
Eine Epidemie bedeutet ständige Veränderung. Zahlen bieten Orientierung, aber sie verwirren auch. Ein Wert alleine wird der Dynamik nicht gerecht. Deshalb hier ein Überblick über Zahlen und Trends – für Deutschland und die Welt.


Wie funktioniert eine Schutzwoche bzw. freiwillige Quarantäne?

Zu einer Schutzwoche vor Weihnachtsbesuchen hat die Politik schon Ende November geraten. Dahinter steckt die Idee, die sozialen Kontakte in den Tagen vor weihnachtlichen Familienbesuchen extrem zu reduzieren und damit auch das Ansteckungsrisiko. Das ist quasi eine freiwillige Quarantäne. Im aktuellen Beschlusspapier der Ministerpräsidenten und Ministerpräsidentinnen sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel wird zu einer Schutzwoche aufgefordert: "Angesichts des anhaltend hohen Infektionsgeschehens wird noch einmal eindrücklich an die Bürgerinnen und Bürger appelliert, Kontakte in den fünf bis sieben Tagen vor Familientreffen auf ein absolutes Minimum zu reduzieren."

Kann eine Schutzwoche Infektionen verhindern?

Kontakte zu reduzieren, senkt grundsätzlich das Risiko, sich mit SARS-CoV2 anzustecken. Eine Garantie, dass jemand nach fünf oder sieben Tagen Selbstisolierung andere nicht mehr infiziert, gibt es aber nicht.

Drei Faktoren spielen dabei eine Rolle: Die Inkubationszeit des Coronavirus, also der Zeit von der Ansteckung bis zum Beginn der Erkrankung. Die Inkubationszeit liegt laut Robert Koch-Institut im Mittel bei fünf bis sechs Tagen. Manche Infizierte werden aber erst nach diesem Zeitraum krank. Das heißt, sie könnten dann unter dem Weihnachtsbaum anfangen zu husten beziehungsweise können auch schon andere anstecken, wenn sie sich noch gesund fühlen. Um tatsächlich alle Fälle zu erkennen, in denen Infizierte Symptome entwickeln, müssten zehn bis 14 Tage abgewartet werden. Die Gelehrtengesellschaft Leopoldina plädiert in ihrem Appell vom 8. Dezember, äußerste Vorsicht bei Treffen mit Menschen aus Risikogruppen walten zu lassen und sich zehn Tage vor dem Besuch in Quarantäne zu begeben.

Zum Zweiten gibt es die sogenannten asymptomatischen Fälle. Ungefähr 20 Prozent der Coronavirus-Infizierten haben keine oder nur ganz leichte Symptome. Die fühlen sich nicht krank, können aber unter Umständen andere anstecken. In so einem Fall würde die Idee der Schutzwoche nicht aufgehen.

Zuletzt kommt es bei der Selbstquarantäne auch darauf an, ob sich eine Person tatsächlich konsequent Zuhause isoliert. Einkaufen im Supermarkt, Fahrten mit dem Öffentlichen Nahverkehr oder das Zusammenleben mit jemandem, der noch zur Arbeit geht, stellen auch ein Infektionsrisiko dar.

Wie viel Sicherheit können Schnelltests bieten?

Mit Antigen-Test lässt sich recht zuverlässig eine Infektion nachweisen, wenn die Viruslast hoch ist. Die Tests können außerhalb eines Labors gemacht werden und liefern innerhalb von knapp 30 Minuten ein Ergebnis. Diese Tests sind im Vergleich zu PCR-Tests weniger empfindlich. Wenn in der frühen Inkubationsphase also wenig Viren vorhanden sind, kann so ein Schnelltest fälschlicherweise auch negativ ausfallen. Außerdem sollte ein positives Ergebnis immer durch einen PCR-Test abgesichert werden. 

Im NDR-Podcast "Das Corona-Update" hat der Virologe Christian Drosten empfohlen, einen Schnelltest am Ende der Quarantäne und unmittelbar vor einem Weihnachtstreffen zu machen. Nachteil der Tests ist allerdings, dass sie nur eine Momentaufnahme der Viruslast abbilden. Das heißt, das negative Ergebnis eines Schnelltests hat im Prinzip nur eine Gültigkeit für einen Tag. Bei einem mehrtägigen Familientreffen wäre es also am besten, sich jeden Morgen zu testen. Allerdings kann ein solcher Test nicht selbst, sondern nur von Fachpersonal durchgeführt werden. Viele Labore bieten inzwischen an, diese Schnelltest auch auf Kosten des Getesteten durchzuführen.

Durchführung eines Covid-19-Antigen-Schnelltests in der größten Teststraße Österreichs in Wien (EXPA / Florian Schroetter / www.picturedesk.com) (EXPA / Florian Schroetter / www.picturedesk.com)Was können Schnelltests?
Antigentests können innerhalb einer Viertelstunde anzeigen, ob jemand stark infektiös ist oder nicht. Das könnte helfen, sicheren Kontakt zu ermöglichen. Doch die Tests sind auch weniger präzise.

Lässt sich eine Corona-Infektion vor einem Besuch ausschließen?

Mit guter Vorbereitung und Tests lässt sich das Risiko minimieren, aber in den meisten Fällen nicht ganz ausschließen. Es bleibt ein Restrisiko und das muss jeder und jede für sich abwägen, ob sie einen Besuch bei sehr alten Menschen und Personen aus Risikogruppen machen oder sich doch lieber per Videoanruf melden. Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, Uwe Janssens, hat dazu geraten, gefährdete Personen an den Weihnachtstagen nicht zu besuchen. Das könne man im kommenden Jahr nachholen. 

Worauf sollte bei einem Treffen geachtet werden?

Allerdings wäre es für viele Menschen eine psychische Belastung, wenn sie ihre engsten Verwandten zu den Feiertagen nicht sehen können. Will man auf einen Besuch nicht verzichten, dann empfiehlt die Leopoldina, sich an bestimmte Regeln zu halten. Zum Beispiel den Personenkreis über die Feiertage so klein wie möglich zu halten und über die Tage unverändert. Das heißt: Am besten mit jenen Silvester feiern, mit denen man schon Weihnachten gefeiert hat. Vorab mit dem Personenkreis absprechen, wie man sich gegenseitig schützt. Bei Treffen im häuslichen Rahmen sollten zudem die allgemeinen Hygieneregeln beachtet werden: also regelmäßig und gründlich die Hände waschen, Abstand halten, Husten- und Nies-Etikette einhalten. Außerdem ist regelmäßiges Lüften wichtig, um eine potenzielle Ansteckung über Aerosole zu verhindern. Idealerweise sollte auch einen Mund-Nasen-Schutz getragen werden oder das Treffen nach draußen verlagert werden. 

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