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CoronavirusWie weit ist die Suche nach Medikamenten gegen Covid-19?

Eine Ampulle des Medikaments liegt verpackt in einem Plastikbeutel auf einer Hand. (dpa/Ulrich Perrey)
Remdesivir wird weltweit gegen Covid-19 getestet - hier eine Ampulle an der Uniklinik in Hamburg-Eppendorf (dpa/Ulrich Perrey)

Die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus wird noch dauern, und so richten sich einige Hoffnungen darauf, die Krankheit Covid-19 künftig wenigstens besser behandeln zu können. Noch in diesem Sommer werden Studienergebnisse erwartet.

Weltweit laufen verschiedenste Versuche, um ein Medikament gegen die Lungenkrankheit zu finden, die in schweren Fällen tödlich verlaufen oder bleibende Schäden hinterlassen kann. Ein Teil dieser Forschungsarbeit wird von der Weltgesundheitsorganisation koordiniert: Vier Medikamente, die als mögliche Kandidaten gelten, werden seit Anfang April in der sogenannten Solidarity-Studie getestet. Mehr als 70 Länder machen mit, auch mehrere deutsche Kliniken sind beteiligt. Weltweit sollen 10.000 Patientinnen und Patienten daran teilnehmen.

Vier Kandidaten

Die vier Wirkstoffe, die in dieser Studie weltweit versuchsweise verwendet werden, sind ursprünglich gegen andere Krankheiten entwickelt worden. Das hat aus Sicht der WHO den Vorteil, dass sie schon verfügbar sind und sich vergleichsweise schnell in großen Mengen herstellen ließen, wenn sie sich denn als wirksam gegen Covid-19 erweisen. Das Mittel Remdesivir wurde ursprünglich gegen Ebola entwickelt. Hydroxychloroquin ist ein Malaria-Mittel und in den anderen beiden Versuchsreihen werden zwei Varianten des HIV-Medikaments Kaletra eingesetzt.

Die Solidarity-Studie ist modular angelegt: Neue Erkenntnisse können dazu führen, dass weitere Medikamente aufgenommen werden. Zeigt sich hingegen, dass Wirkstoffe den Patienten schaden, wird dieser Teil der Tests beendet.

Hoffnungsträger Remdesivir

Als größter Hoffnungsträger erscheint vielen Fachleuten derzeit Remdesivir. Im Kampf gegen das Ebola-Virus hatte Remdesivir zwar versagt und wurde nicht zugelassen, es zeigte sich aber zumindest, dass es recht gut verträglich ist. In den USA hat die Arzneimittelbehörde nach ersten Forschungsergebnissen nun bereits eine Sonderzulassung des Mittels für Covid-19-Erkrankungen ausgesprochen.

Die Europäische Union will den Weg für einen Einsatz des Medikaments Remdesivir bei Covid-19-Patienten offenbar in Kürze frei machen. Der Direktor der europäischen Arzneimittelbehörde EMA, Rasi, sagte bei einer Anhörung im EU-Parlament in Brüssel, es könnte sein, dass eine bedingte Marktzulassung in den kommenden Tagen erteilt werde. Damit würde die Nutzung des Medikaments ermöglicht, noch bevor es vollständig zugelassen ist.

In Deutschland ist ein Einsatz außerhalb von Studien aktuell noch nicht erlaubt. Auch hier gibt es aber positive Signale: Bei einigen Patienten hätten sich schon sehr gute therapeutische Effekte gezeigt, sagte der Chefarzt der München Klinik Schwabing, Wendtner, im Deutschlandfunk.

"Wir können sagen: Remdesivir wirkt", sagte der Leiter der Infektiologie an der Uniklinik Köln, Fätkenheuer, dem "Kölner Stadt-Anzeiger". Die Studien seien in einem sehr weit fortgeschrittenen Stadium. Es habe sich gezeigt, dass das Medikament bei einer Covid-19-Erkrankung den schweren Verlauf abmildere und verkürze. Er gehe davon aus, dass man das Präparat "binnen Wochen oder weniger Monate" zur Verfügung haben werde.

Auch die Ergebnisse einer Studie aus den USA verstärken die Hoffnungen auf eine Wirksamkeit vom Remdesivir. Laut der Fachzeitschrift "New England Journal of Medicine" verkürzt das antivirale Mittel die Genesungsdauer von Covid-19-Patienten um rund 30 Prozent. An der Studie des Nationalen Instituts für Allergien und Infektionskrankheiten nahmen 1.063 Covid-19-Patienten in den USA sowie in neun weiteren Ländern in Europa und Asien teil.

Malaria-Medikamente eher ungeeignet

Die Malaria-Medikamente Chloroquin und Hydroxychloroquin eignen sich dagegen einer neuen Studie zufolge nicht zur Behandlung von Covid-19. Vielmehr wiesen die erhobenen Daten auf ein erhöhtes Sterberisiko hin, berichten Forschende aus den USA und der Schweiz im Fachjournal "The Lancet". Außerdem erhöhten die Medikamente das Risiko für Herzrhythmusstörungen – insbesondere bei Covid-19-Patienten mit Herzerkrankungen. Die Autoren sprechen sich dafür aus, die Mittel nur im Rahmen von klinischen Studien einzusetzen und den Nutzen sorgfältig zu prüfen. Sie hatten Daten von gut 96.000 Patienten aus hunderten Krankenhäusern weltweit ausgewertet. Zu ähnlichen Ergebnissen waren zuvor schon kleinere Studien gekommen.

Die Weltgesundheitsorganisation warnt im Rahmen der Solidarity-Studie inzwischen ausdrücklich davor, dieses und andere Medikamente zu empfehlen oder gar außerhalb von Studien selbst einzunehmen. Man sei besorgt über Berichte, dass Menschen eine Selbstmedikation mit Chloroquin vornähmen und sich dadurch ernsthafte Schäden zufügen könnten. Mit dieser Warnung reagiert die WHO unter anderem auf die Erklärung von US-Präsident Trump, er nehme das Mittel "zur Vorbeugung" selbst ein.

Das Rheumamittel Tocilizumab

Eine weitere weltweite Studie testet die Wirkung des Rheumamittels Tocilizumab bei Covid-19-Erkrankungen. In diesem Rahmen sei das Mittel auch drei Patienten an der Uniklinik München verabreicht worden, sagte der Intensivmediziner von Bergwelt im Deutschlandfunk. Den Patienten gehe es besser. Dies könne aber auch ein natürlicher Verlauf sein. Mit ersten Ergebnissen der kompletten Studie rechnet von Bergwelt im Sommer.

Nach aktuellem Stand könne man aber davon ausgehen, dass Covid-Patienten mit einem schweren Verlauf der Krankheit von dem Mittel profitieren könnten, betonte von Bergwelt. Trotzdem sei das Mittel keine Wunderwaffe gegen das Coronavirus. Dafür seien zu viele Komponenten noch unerforscht.

Mammutaufgabe Massenproduktion

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass es am Ende wohl mehrere Medikamente sein werden, die in Kombination gegen Covid-19 helfen. Das zeige die gesamte Geschichte der ansteckenden Krankheiten, heißt es in einem aktuellen Übersichtsartikel der Fachzeitschrift Nature. Die nächste Herausforderung werde dann darin bestehen, die Produktionskapazitäten so zu erhöhen, dass man möglichst bald hunderte Millionen Einzeldosen verfügbar habe - und zugleich politische Verteilungskämpfe vermeide.

(Stand 24.5.2020)

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