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CoronavirusWie weit ist die Suche nach Medikamenten gegen Covid-19?

Ein Doktorand der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf arbeitet an Proben für die Coronavirus-Forschung. Die Forschungsprojekte umfassen Immunität nach ausgeheilter Infektion und Forschungsdaten zur Wirksamkeit und Bedeutung von Remdesivir in der klinisc (picture alliance / Marcel Kusch)
Coronavirus-Forschung in Düsseldorf (Symbolbild) (picture alliance / Marcel Kusch)

Parallel zur Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus suchen Forschende weltweit nach Medikamenten, die bei der Behandlung von Covid-19-Patienten eingesetzt werden können.

Viele hofften auf Remdesivir, doch die WHO hält dieses und weitere Medikamente nur für bedingt wirksam im Kampf gegen Sars-CoV-2. Die Weltgesundheits-Organisation (WHO) hat in mehr als 30 Ländern vier Medikamente an Tausenden Patienten getestet. Neben Remdesivir waren dies ein Mittel gegen Malaria (Chloroquin/Hydroxychloroquin), ein HIV-Medikament (Lopinavir/Ritonavir) und der Wirkstoff Interferon. In einer vorläufigen Auswertung, die noch nicht in einem begutachteten Fachjournal erschienen ist, kommt die WHO zu dem Schluss, diese Medikamente hätten nur einen geringen oder gar keinen Einfluss auf die Sterblichkeit oder die Länge des Krankenhausaufenthalts der Patienten gezeigt. Dies teilte die WHO am Freitag (16.10.2020) in Genf mit.

Remdesivir

Das antivirale Medikament Remdesivir, das ursprünglich für den Einsatz gegen Ebola entwickelt worden war, erhielt im Juli als erstes Mittel überhaupt in Europa eine Zulassung unter Auflagen zur spezifischen Behandlung von bestimmten Covid-19-Patienten. Es galt im Frühjahr als aussichtsreichste Therapiemöglichkeit und als Hoffnungsträger. Mehrere klinische Studien untersuchen die Wirksamkeit von Remdesivir im Einsatz gegen Sars-CoV-2. Es gibt Berichte über Nierenschäden, die möglicherweise mit dem Medikament in Verbindung stehen. Die Einschätzung der WHO zur geringen Wirksamkeit hat der Hersteller von Remdesivir, Gilead zurückgewiesen. Man sei besorgt darüber, dass die Daten der WHO-Studie nicht die übliche strenge Überprüfung erfahren hätten.
Remdesivir war zusammen mit weiteren Medikamenten auch dem US-amerikanischen Präsidenten Trump zur Behandlung seiner Covid-19-Erkrankung verabreicht worden.

Malaria-Mittel Chloroquin und Hydroxychloroquin

Die Malaria-Medikamente Chloroquin und Hydroxychloroquin sind unter Experten umstritten. Sie hatten in den USA von der zuständigen Behörde FDA eine Notzulassung erhalten, die jedoch wenige Wochen später wieder zurückgezogen wurde. Einige klinische Studien waren zu dem Schluss gekommen, dass die Mittel nicht wirken oder sogar gefährlich sein können. Die Weltgesundheits-Organisation stoppte klinische Tests mit Hydroxychloroquin. Zuvor hatte die WHO ausdrücklich davor gewarnt, dieses und andere Medikamente zu empfehlen oder gar außerhalb von Studien selbst einzunehmen. Man sei besorgt über Berichte, dass Menschen eine Selbstmedikation mit Chloroquin vornehmen und sich dadurch ernsthafte Schäden zufügen könnten. Mit dieser Warnung reagiert die WHO unter anderem auf die Erklärung von US-Präsident Trump, er nehme das Mittel "zur Vorbeugung" selbst ein.

HIV-Kombinationspräparat Lopinavir/Ritonavir

Bereits im Juli war die WHO zu der Einschätzung gelangt, dass dieses Mittel im Kampf gegen Sars-CoV-2 nur eine geringe oder gar keine Wirkung zeige.

Antikörper-Therapie

Die Behandlung mit sogenanntem Rekonvaleszenten-Plasma erscheint vielen aussichtsreich. Dabei werden die Antikörper, die das Immunsystem Erkrankter gebildet hat, nach ihrer Genesung aus ihrem Blut gewonnen. Werden diese Antikörper dann akut Erkrankten verabreicht, könnte dies, so die Hoffnung, die Schwere der Erkrankung abmildern. Die US-Regierung erteilte Ende August eine Notfallgenehmigung für die Behandlung von Covid-19 mit Blutplasma, das Antikörper gegen das Coronavirus enthält. Zu dem Verfahren laufen weltweit Studien, auch in Deutschland.

Bislang gibt es aber keinen überzeugenden Nachweis, ob und wie sehr Plasma Covid-Patienten tatsächlich hilft. US-Präsident Trump wurde nach seiner Infektion mit Sars-CoV-2 unter anderem mit einer Antikörper-Therapie behandelt. In Tests an Goldhamstern und Affen hatte die Antikörper-Therapie die Viruslast gesenkt und die Krankheitssymptome vermindert. Enthalten in der Infusion, die Trump bekommen hat, sind zwei verschiedene Antikörper. Wie die Fachzeitschrift Science erklärt, handelt es sich dabei um Klone von Antikörpern, die als natürliche Reaktion auf das Coronavirus gebildet wurden. In einem Fall stammten sie von einem Menschen, in dem anderen Fall von einer Maus. Beide Antikörper sollen - vereinfacht gesagt - verhindern, dass Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andocken kann.

Kortison-Präparat Dexamethason

Im Juni waren britische Forschende zu dem Ergebnis gekommen, dass das preiswerte Kortison-Präparat Dexamethason die Sterblichkeit bei COVID-19 verringert. Die Weltgesundheits-Organisation feierte dies als Durchbruch bei der Behandlung der Krankheit. Dexamethosan ist eine künstliche, viel wirksamere Variante des menschlichen Hormons Kortison. Seit Jahren wird es bereits gegen Rheuma und Allergien eingesetzt. Weil der Patentschutz abgelaufen ist, gehört es zu den preiswerten Medikamenten gegen Covid-19. Ein weiterer Vorteil: Die Nebenwirkungen sind bekannt. Dexamethason wird vor allen Dingen bei sehr schweren Verläufen eingesetzt. Mehr zur Wirkungsweise von Dexamethosan lesen Sie hier: "Dexamethason rettet bei schwerem Verlauf Leben". Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte war Mitte September zu dem Schluss gekommen, "dass Dexamethason als Behandlungsoption für Patienten in Betracht gezogen werden kann, die eine Sauerstofftherapie benötigen". US-Präsident Trump wurde auch mit Dexamethason behandelt.

Mammutaufgabe Massenproduktion

Grundsätzlich ist davon auszugehen, dass es am Ende wohl mehrere Medikamente sein werden, die in Kombination gegen Covid-19 helfen. Das zeige die gesamte Geschichte der ansteckenden Krankheiten, heißt es in einem Übersichtsartikel der Fachzeitschrift Nature. Die nächste Herausforderung werde dann darin bestehen, die Produktionskapazitäten so zu erhöhen, dass man möglichst bald Hunderte Millionen Einzeldosen verfügbar habe - und zugleich politische Verteilungskämpfe vermeide.

(Stand: 16.10.2020)

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