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CoronavirusZelt, Wohnwagen, Ferienhaus: Wie der Urlaub 2020 aussehen könnte

Urlauber spazieren an einem Strand auf der Insel Formentera.  (Europa Press/ dpa)
Spanische Inseln wie Formentera sind stark auf Touristen angewiesen. (Europa Press/ dpa)

Die Sommerferien sind in den ersten Bundesländern bereits gestartet. Doch welcher Urlaub ist in diesem Sommer während der Corona-Pandemie möglich? Innerhalb der EU ist fast alles möglich. Am sichersten ist es nach Einschätzung des Virologen Schmidt-Chanasit wohl in Deutschland.

Urlaub im europäischen Ausland

Grundsätzlich ist der Urlaub im europäischen Ausland seit dem 15. Juni wieder möglich. Mit dem Stichtag wurde die von der Bundesregierung verhängte Reisewarnung für 31 europäische Staaten aufgehoben. Für mehr als 160 Länder außerhalb der Europäischen Union verlängerte die Bundesregierung die Reisewarnung für Touristen bis zum 31. August, darunter ist auch die Türkei.

Virologe rät eher zu Urlaub in Deutschland

Der Hamburger Virologe Schmidt-Chanasit hält die Lockerung angesichts eines überschaubaren Infektionsgeschehens in den meisten EU-Staaten für vertretbar. Wer seinen Urlaub in Deutschland verbringe, habe allerdings eine wesentlich höhere Sicherheit, falls eine Infektion auftrete, sagte Schmidt-Chanasit im Deutschlandfunk (Audio-Link). Das deutsche Gesundheitssystem ermögliche die beste Diagnostik und Behandlung.

Die Regelungen in einzelnen Ländern

Ob der Sommerurlaub wirklich stattfinden kann, dürfte auch an den Regelungen der Urlaubsländer selbst hängen.

Spanien Die Reisewarnung des Auswärtigen Amts ist aufgehoben. Auch die Quarantänepflicht gilt nicht mehr. Nach Mallorca und auf die anderen Balearen-Inseln sind bereits die ersten von bis zu 10.900 Urlaubern aus Deutschland aufgebrochen: Sie machen eine Art Testlauf für den Sommerurlaub in Corona-Zeiten.

Die Corona-Lage in Italien, das viele Todesopfer zu beklagen hat, hat sich nach Einschätzung des Auswärtigen Amts inzwischen verbessert. Regionale Hotspots seien noch die Lombardei, gefolgt von Piemont, Emilia Romagna und Venezien. Insgesamt läuft der Tourismus langsam wieder an. Hotels melden wieder Buchungen - auch wenn längst noch nicht alles offen ist.

Frankreich: Die Einreise aus Deutschland ist wieder ohne besonderen Reisegrund möglich. Die Grenzkontrollen sind aufgehoben. In Frankreich haben Touristenunterkünfte wie Campingplätze oder Ferienhäuser für Urlauber wieder geöffnet.

Österreich: Das Land hat alle Einreisebeschränkungen gegenüber ihren Nachbarstaaten aufgehoben. Das Tragen von Mund- und Nasenschutz ist nur noch in Bussen und Bahnen, in Apotheken, Praxen und Kliniken sowie für Angestellte in manchen Dienstleistungsberufen Pflicht. Sonderregeln gibt es für Menschen aus dem Kreis Gütersloh. Wegen der dort angestiegenen Infektionszahlen müssen Urlauber bei der Einreise nach Österreich einen negativen Corona-Test vorhalten können. Dieser darf nicht älter als 48 Stunden sein.

Dänemark knüpft Reisen an die Bedingung, dass mindestens sechs Übernachtungen außerhalb Kopenhagens stattfinden. Ausgenommen von der Regelung sind Deutsche, die ein Sommerhaus in Dänemark besitzen. Das gleiche gilt für Menschen, deren Partner oder Partnerin in Dänemark lebt – allerdings muss die Beziehung schon länger als sechs Monate andauern.

Mit einem Sommerurlaub in Norwegen dürfte es nach jetzigem Stand schwierig werden. Die Einreise aus Deutschland ist noch nicht ohne weiteres möglich. Es gilt eine zehntägige Quarantäne. Bis zum 20. Juli will die Regierung das Vorgehen überprüfen. In Finnland ist die Einreise für Touristen aus Deutschland ebenfalls noch nicht erlaubt. Die Reisewarnung für Schweden wird aufrechterhalten,weil das Land die Neuinfiziertenzahl von weniger als 50 Fälle pro 100.000 Einwohner kumulativ in den letzten sieben Tagen überschritten hat. Die Grenzen sind für EU-Bürger jedoch geöffnet.

Einreisende nach Großbritannien müssen nach Ankunft in eine zweiwöchige Quarantäne. Verstöße werden mit einem hohen Bußgeld bestraft. Die britische Regierung will mit der neuen Regelung eine zweite Pandemie-Welle verhindern. Das Auswärtige Amt empfiehlt deshalb, nicht ins Vereinigte Königreich zu reisen - ebensowenig nach Irland. Auch in Irland gilt eine 14-tägige Quarantänepflicht für alle Einreisenden. Zudem ist auch die Bewegungsfreiheit innerhalb des Landes stark eingeschränkt.

Die Lage außerhalb Europas

Die Bundesregierung hat die Reisewarnung für nicht-europäische Länder bis Ende August verlängert. Ausnahmen sind möglich, wenn die Länder bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu zählen etwa die Entwicklung der Infektionszahlen und die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems. Generell abgeraten wird weiterhin von Kreuzfahrten.

Die USA haben ihrerseits im März einen Einreisestopp für Europäer erlassen. Wie lange dieser bestehen bleibt, lässt Präsident Trump bislang offen.

Auch andere außereuropäische Länder - darunter Israel, Australien, Brasilien und Indien - haben ihre Grenzen für Ausländer weitgehend geschlossen. In anderen Ländern gelten Einreiseverbote für Reisende aus Risikogebieten oder strenge Quarantäne-Vorschriften nach der Einreise. Im Einzelnen informieren die Internetseiten der Botschaften.

Ungeachtet der in Deutschland gültigen Reisewarnung gibt es kein Verbot für Auslandsreisen. Das Auswärtige Amt erklärte zudem, dass die Auslandsvertretungen deutsche Staatsangehörige in Notlagen auch weiterhin unterstützen. Allerdings werde es keine weiteren Rückholaktionen wie im März und April geben.

Auswirkungen auf die Reisewirtschaft

Die Reisebüros und Reiseveranstalter in Deutschland befürchten angesichts der Situation große Probleme. 60 Prozent der Unternehmen in der Tourismusbranche sehen sich laut einer Umfrage des Deutschen Reiseverbandes unmittelbar von der Insolvenz bedroht. Der Reiseanbieter TUI hat im Mai den Abbau von weltweit 8.000 Stellen angekündigt. Experten der Reisebranche befürchten, dass sich das Kreuzfahrt-Urlaubsgeschäft nur schwer von der Corona-Krise erholen wird.

Über die wirtschaftlichen Auswirkungen auf die europäische Reisebranche berichtet auch "Politico". Demnach arbeiten europaweit rund elf Prozent der Arbeitnehmer in der Tourismusbranche. Nach Angaben der EU-Kommission ist der Tourismussektor der am schwersten betroffene Wirtschaftszweig in der Corona-Krise. Industriekommissar Breton bezifferte die geschätzten Einnahmeverluste der kommenden Monate kürzlich auf 50 Prozent für Hotels und Restaurants, 70 Prozent für Reiseveranstalter und Reisebüros und 90 Prozent für Kreuzfahrt- und Fluggesellschaften.

(Stand: 29.06.2020)

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