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StartseiteCorsoVirtuelle Realität und ziviler Ungehorsam29.12.2016

Corso-Skop 2017 - GamesVirtuelle Realität und ziviler Ungehorsam

Mithilfe der überdimensionalen "VR"-Brillen werden Star-Trek-Fans bald die Möglichkeit haben, zusammen mit der Crew auf der Brücke der Enterprise zu stehen - in der virtuellen Realität eines Computerspiels. Doch "Virtual Reality" ist nur einer der Spiele-Trends, die nächstes Jahr für Furore sorgen könnten. Ziviler Ungehorsam und viel lesen sind angesagt.

Von Christian Schiffer

Besucher der Gamescom 2016 in Köln tragen VR-Brillen. 17.8.2016 (picture alliance/dpa/Oliver Berg)
Online- bzw. Virtual-Reality-Spiele sind mittlerweile so komplex, dass ihre Handlung Geschichtsbücher füllt. (picture alliance/dpa/Oliver Berg)
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2017 werden Nerdträume Wirklichkeit! In "Star Trek: Bridge Crew" können die Nerds und Geeks nämlich endlich Platz nehmen auf der Brücke des Raumschiff Enterprise und zusammen mit ihren Freunden Kommandos rufen, Waffensysteme bedienen und lässig Schubregler nach oben ziehen. Dafür müssen sie sich lediglich eine Virtual-Reality-Brille überstreifen und schon werden sie auf das berühmte Raumschiff, nun ja, gebeamt.

"Star Trek: Bridge Crew" ist das wohl am sehnsüchtigsten erwartete Computerspiel für die neue Virtual-Reality-Technologie - und vielleicht auch das wichtigste. Denn ob sich Virtual Reality am Ende im Spielebereich wirklich durchsetzt, ist immer noch nicht ausgemacht. Die Sony Hightech-Brille "Playstation VR" verkauft sich schlechter als erhofft, viel wird also 2017 abhängen von Leuchtturm-Titeln wie eben diesem Raumschiff Enterprise-Simulator.

Das Mammutprojekt "Star Citizen"

Apropos Weltraum: Mit ihm lässt sich weiterhin gut Geschichten erzählen und Kasse machen; nicht nur auf Kinoleinwand liegt das All voll im Trend, sondern auch im Computerspiel. Und ein Titel steht für diese Entwicklung, wie kaum ein anderer: "Star Citizen" - ein Mammutprojekt, für dessen Entwicklung über Crowdfunding mehr als 120 Millionen US-Dollar zusammenkamen. Vier Studios arbeiten auf der ganzen Welt gleichzeitig an dem Spiel. Nächstes Jahr soll das erste Kapitel dieser Weltraum-Flugsimulation erscheinen und selten zuvor waren die Erwartungen an ein einziges Spiel so hoch, soll es doch eine riesiges Universum mit zahlreichen kleinen und großen Geschichten bieten. Kein Spiel zuvor war aufwändiger und größer, "Star Citizen" könnte so das Medium auf ein ganz neues Niveau heben – oder die ganz große Enttäuschung des Jahres 2017 werden.

Kapitalismuskritik im digitalen Wilden Westen

Und wenn wir schon bei hohen Erwartungen sind: Die werden auch an "Red Dead Redemption 2" gestellt. Das Western-Epos wird Ende 2017 erscheinen und möchte das sogenannte "Open World"-Prinzip quasi vollenden: Stundenlang soll Spieler völlig frei den wilden Westen durchstreifen können, Freiheit und Weite, zwei zentrale Versprechen des Western-Genres, hier sollen sie endlich erlebbar werden. "Red Dead Redemption 2" wird aber wohl nicht nur ein Fest für die Spieler werden, sondern auch für die Feuilletonisten: Schon Teil 1 stand für ernsthafte Gesellschaftskritik an Kapitalismus und Technisierung und für glaubwürdige Figuren.

Zivilen Ungehorsam managen

Gesellschaftskritik in Computerspielen wird nächstes Jahr ohnehin wohleine recht große Rollen spielen: das Trump-America muss künstlerisch verarbeitet werden. Im "Riot"-Simulator zum Beispiel, einem Strategiespielspiel, in dem man am Bildschirm zivilen Ungehorsam managt. Insgesamt wird das Spieljahr 2017 ernster werden und auch gesellschaftspolitische und soziale Themen von heute thematisieren. Ein Beispiel: "Night in the Woods", einem Grafik-Adventure, das Depressionen und den Niedergang der amerikanischen Mittelschicht zum Inhalt hat.

Textlastig wie ein Roman

Geradezu philosophisch wird es auch in "Torment: Tides of Numenera" zugehen. Der Fantasy-Science-Fiction-Rollenspielmix soll um folgende Leitfrage kreisen: "Was kann die Natur des Menschen verändern?" Was muss passieren, damit sich die Persönlichkeit eines Menschen tiefgreifend ändert?  Um das herauszufinden, muss der Spieler vor allem eines tun: lesen, lesen lesen, die Textmenge in "Torment: Tides of Numenera" soll an manchen Roman heranreichen. Damit setzt sich auch nächstes Jahr eine Entwicklung fort, die sich in letzter Zeit auch in Spielen wie "80ty Days" oder "Sorcery!" abgezeichnet hat: Computerspiele verschmelzen nicht nur zunehmend mit dem Medium Film, sondern auch mit dem Medium Buch – machen daraus etwas ganz Eigenes.

 

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