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Covid-19Ansätze für Medikamente gegen das Coronavirus

Patienten in Krankenhausbetten in Wuhan (imago images / Xinhua)
Patienten in Krankenhausbetten in Wuhan (imago images / Xinhua)

Gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 gibt es bislang keinen Impfstoff. Auch Medikamente, die gegen die von dem Virus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 helfen könnten, sind noch nicht hinreichend erforscht. Es gibt aber Ansätze für Behandlungsmöglichkeiten, und die ersten Versuche laufen.

In Deutschland soll eine klinische Studie zeigen, ob das Ebola-Medikament Remdesivir gegen das neue Coronavirus hilft. Bei einigen Patienten hätten sich schon sehr gute therapeutische Effekte gezeigt, sagte der Chefarzt der München Klinik Schwabing, Clemens Wendtner, im Deutschlandfunk. Remdesivir gilt als Hoffnungsträger unter den antiviralen Medikamenten gegen das Coronavirus. Der Chef der Infektiologie der Uniklinik Köln, Gerd Fätkenheuer, nennt es im Deutschlandfunk (Audio-Link) eines der im Moment "vielversprechendsten Medikamente". Im Kampf gegen das Ebolavirus hatte Remdesivir zwar versagt und wurde nicht zugelassen, es zeigte sich aber, dass es recht gut verträglich ist. Medikamente werden in Tests nicht nur auf ihre Wirksamkeit gegen eine Krankheit getestet, sondern auch auf mögliche Nebenwirkungen.

Das Krankenhaus in München, das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf und die Uniklinik in Düsseldorf gehören zu den Testzentren, in denen die Studie mit insgesamt 1.000 Patientinnen und Patienten durchgeführt wird. In Kürze wolle sich auch Köln daran beteiligen, sagt Fätkenheuer. In China haben schon vor einigen Wochen erste Versuche mit Remdesivir begonnen.

Erste Ergebnisse schon im April?

In Deutschland soll es Anfang April losgehen. Laut Wendtner könnte es durchaus schon "nach wenigen Tagen, ein, zwei Wochen" erste Erkenntnisse geben. Schon wenige Heilversuche seien in der Lage zu zeigen, ob eine Besserung der Lungenentzündung einsetze. "In der Summe wird man natürlich eine Abschätzung erst nach vielen, vielen hundert Patienten treffen können."

Insgesamt laufen in Europa gegenwärtig klinische Tests mit vier verschiedenen Medikamenten an insgesamt 3.200 Infizierten. Das teilte die französische Forschungszentrale Inserm mit. Getestet werden Medikamente, die sich bereits gegen andere Viruskrankheiten bewährt haben.

Grippe- und HIV-Medikamente im Test

Auch der Wiener Genetiker Josef Penninger forscht an einem Medikament gegen die Lungenkrankheit Covid-19. Der Mitbegründer eines Biotech-Unternehmens sagte der "Neuen Zürcher Zeitung", der Wirkstoff "APN01" könne schon bald einsatzfähig sein. Es helfe voraussichtlich allerdings nur in der Phase der Erkrankung, bevor Patienten auf die Intensivstation verlegt werden müssten.

Zudem berichtet der Guardian über das Anti-Grippe-Mittel Avigan. Es soll bei Tests an chinesischen Covid-19-Patienten gute Ergebnisse und wenig Nebenwirkungen gezeigt haben. Allerdings scheine das Mittel nur bei Patienten mit milderen Symptomen zu wirken. Trotzdem werde an einer Zulassung im Mai gearbeitet, heißt es.

Vor einigen Wochen gab es eine Meldung aus Thailand, dass eine Kombination aus Grippe- und HIV-Mitteln einer Patientin geholfen habe. Die Frau bekam von den Ärzten das Grippe-Medikament Oseltamivir und die zwei HIV-Wirkstoffe Lopinavir und Ritonavir. 48 Stunden nach der Behandlung sei das Virus bei der Patientin nicht mehr nachweisbar gewesen, hieß es. Chinesische Wissenschaftler haben daraufhin die HIV-Wirkstoffe bei Covid-19-Kranken eingesetzt, sie konnten aber keine Besserung feststellen.

Vergiftungen mit Chloroquin

Aus China kam zudem die Meldung, dass auch das Malaria-Mittel Chloroquin gegen das Coronavirus helfen könnte. Sicher ist das aber nicht. Beschleunigte Tests der US-Arzneimittelbehörde FDA sollen jetzt genaueres zeigen. Auch in Tübingen gibt es eine Initiative Chloroquin dor zu testen. Die Uni Köln kündigte an, sich ebenfalls zu beteiligen.

US-Präsident Trump war Mitte März vorgeprescht und hatte bei einer Pressekonferenz verkündet, das Mittel sei zur Behandlung des Coronavirus zugelassen worden. Obwohl Trump vom Chef der Arzneimittelbehörde umgehend korrigiert wurde, führte seine Aussage offenbar zu mehreren Vergiftungen. In den USA ist daran laut Medienberichten mindestens ein Mann gestorben. Auch die Behörden in der nigerianischen Millionenmetropole Lagos berichten von mehreren Fällen von Chloroquin-Vergiftungen. Schon vor der Aussage von Trump sei das Medikament in Online-Netzwerken als "Heilmittel" gegen das Virus bezeichnet worden und in einigen Vierteln der Stadt ausverkauft gewesen.

Wann kommt der Impfstoff?

China hat damit begonnen, einen möglichen Impfstoff gegen das Corona-Virus zu testen. Insgesamt hätten sich dafür 108 Freiwillige zur Verfügung gestellt, berichtet die englischsprachige Zeitung "Global Times". Weltweit gibt es fast zwei Dutzend Stoffe mit unterschiedlichen Wirkmechanismen, die gegenwärtig als mögliche Impfung gegen Sars-CoV-2 erforscht werden.

Für die aktuelle Corona-Infektionswelle wird es dennoch voraussichtlich keinen Impfstoff mehr geben, sagte Marylyn Addo, Leiterin der Infektiologie an der Uniklinik Hamburg Eppendorf, im Deutschlandfunk. Grundsätzlich sei sie aber zuversichtlich, dass die Wissenschaft dieses Virus besiegen werde. Die internationale Zusammenarbeit sei sehr gut, auch Forschungsmittel seien kein limitierender Faktor.

Der Biochemiker Klaus Cichutek vom Paul-Ehrlich-Institut betonte, die Entwicklung eines Impfstoffs laufe auf Hochtouren. Zwei deutsche Firmen seien mit vielversprechenden Konzepten beteiligt. Man profitiere von jahrelangen Vorarbeiten und hoffe nun, verhältnismäßig schnell ans Ziel zu kommen. Klinische Tests in der ersten von drei Phasen könnten laut Cichutek noch dieses Jahr beginnen; die Phasen zwei und drei dann "unter Umständen bereits im Jahr 2021".

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