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Covid-19Coronavirus: Was man zu Schutzmasken wissen sollte

Ein Mann mit einer Schutzmaske vor einer Apotheke, Schutzmasken sind fast ausverkauft. (picture alliance/dpa/Markus Ulmer)
Masken mit Ventil dienen vor allem dem Eigenschutz, Alltagsmasken eher dem Fremdschutz (picture alliance/dpa/Markus Ulmer)

In allen Bundesländern gelten derzeit Vorschriften, dass in bestimmten Situationen ein Mundschutz getragen werden muss. Immer wieder wird dabei darüber diskutiert, wie sinnvoll die Maskenpflicht ist. Welche Arten von Schutzmasken es gibt, wie sie wirken, wer sie wirklich braucht und wie man Nachschub bekommt, beantworten wir hier.

Wie verläuft die Debatte über die Maskenpflicht?

Die Bundesländer wollen ebenso wie die Große Koalition vorerst an der Maskenpflicht im Einzelhandel festhalten. Regierungssprecher Seibert sagte, überall dort, wo im öffentlichen Leben der Mindestabstand nicht gewährleistet werden könne, seien Masken ein wichtiges und weiter unverzichtbares Mittel.
Bundesgesundheitsminister Spahn sagte im Deutschlandfunk (Audiolink), er verstehe die Ungeduld angesichts der Corona-Beschränkungen. Wenn man es aber dem Virus zu leicht mache, könnten die Infektionszahlen schnell wieder in die Höhe gehen.

Nach Einschätzung von Bundeswirtschaftsminister Altmaier könnte die Maskenpflicht im Einzelhandel abgeschafft werden, wenn die Zahl der täglichen Corona-Neuinfektionen unter den Wert von 100 sinken sollte. Solange es im Durchschnitt täglich mehrere hundert Neuinfektionen gebe, werde dies aber nicht möglich sein, sagte der CDU-Politiker in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Einen Automatismus gebe es nicht. Übermut und dadurch ausgelöste neue Infektionswellen schadeten der Wirtschaft am Ende am meisten.

Aus einzelnen Bundesländern sowie von FDP und AfD kamen zuletzt unterschiedliche Vorstöße, die zumindest auf eine teilweise Abschaffung hinausliefen.

Der deutsche Einzelhandel sprach sich ebenfalls grundsätzlich für die Abschaffung aus. Der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland, Genth, sagte der Deutschen Presse-Agentur, ein solcher Schritt wäre begrüßenswert, sobald dies gesundheitspolitisch möglich und vernünftig sei. Die Argumentation: Wenn die Maskenpflicht wegfalle, würden die Leute wieder vermehrt in die Innenstädte, Einkaufszentren und Fußgängerzonen strömen und einkaufen. In Österreich, wo die Maskenpflicht im Einzelhandel am 15. Juni abgeschafft wurde, hatten sich das Kundenaufkommen und der Umsatz seitdem erhöht.

Wie sinnvoll ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt zur Eindämmung von Infektionen das Tragen von Schutzmasken generell dort, wo Abstand halten nur schwer möglich ist. WHO-Generaldirektor Tedros nannte als Beispiele den öffentlichen Nahverkehr sowie andere geschlossene und stark frequentierte Bereiche. Menschen, die über 60 Jahre alt seien oder Vorerkrankungen hätten, sollten eine medizinische Maske nutzen.

Die WHO hatte ihren Standpunkt zum Tragen von Masken Anfang Juni geändert. Zuvor vertrat die Organisation die Auffassung, dass ein Mundschutz nur für Kranke und Menschen, die Kranke pflegen, sinnvoll sei. Der Massengebrauch wurde nicht empfohlen. Unter anderem wurde argumentiert, durch das Tragen könne ein "falsches Sicherheitsgefühl" entstehen. So laufe der Träger Gefahr, die wichtigen Hygienemaßnahmen wie etwa Händewaschen und Abstand halten zu vergessen.

Einen ähnlichen Standpunkt vertrat auch das Robert-Koch-Institut noch bis Mitte März. Auf der Webseite des RKI heißt es nun, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes könne helfen, die Weiterverbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen, wenn man öffentliche Räume betrete, in denen der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden könne. Das RKI weist eindringlich darauf hin, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auf keinen Fall dazu führen dürfe, Abstandsregeln zu missachten oder Husten- und Niesregeln und die Händehygiene nicht mehr einzuhalten.

Der Virologe Christian Drosten wies im NDR-Podcast darauf hin, dass auch ein Schal oder ein Schlauchtuch, mehrlagig vor den Mund gewickelt, andere vor Tröpfchen schützen könne.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind nach einem Bericht von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" der Ansicht, dass eine früh angeordnete Maskenpflicht die Ansteckungsrate in Europa reduziert hätte. Klaus-Dieter Zastrow, Professor für Hygiene an der THM Gießen sagte, es sei "ein Skandal, dass sich WHO und RKI dagegen gestellt hätten."

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Montgomery, hält eine gesetzliche Pflicht für falsch. Wer eine Maske trage, wähne sich sicher und vergesse den entscheidenden Mindestabstand. Im Stoff konzentriere sich das Virus, beim Abnehmen berühre man die Gesichtshaut. Schneller könne man sich kaum infizieren, warnte Montgomery.

Welche Masken unterscheidet man?

Fällt das Stichwort "Atemschutzmaske" ist nicht immer klar, um welche Masken es genau geht: Der einfache Mund-Nasen-Schutz schützt vor allem andere vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus, weniger den Träger selbst. Viele Menschen haben sich in den vergangenen Wochen selbst einfache Mundschutzmasken aus verschiedenen Stoffen genäht, auch Schneidereien und andere Betriebe bieten sie zum Verkauf. Man nennt sie auch "Alltagsmasken".

In Krankenhäusern werden verschiedene Maskentypen benutzt, wie ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft erklärt: einfache OP-Masken aus Vlies, die Patienten bei einer Operation vor dem Speichel von Medizinern und Pflegepersonal schützen sollen, sowie Schutzmasken der Standards FFP2 und FFP3 (Filtering Face Pieces). Diese bestehen aus festerem Material und können ein Atemventil haben. Das Coronavirus sei recht klein, erklärt der Sprecher, nur die FFP-Masken seien so gebaut, dass es nicht durchkomme.

Allerdings: Masken ohne Ventil filtern laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sowohl die eingeatmete Luft als auch die Ausatemluft und bieten daher sowohl einen Eigenschutz als auch einen Fremdschutz. Masken mit Ventil filtern demnach nur die eingeatmete Luft und sind daher nicht für den Fremdschutz ausgelegt.

Wer benötigt Schutzmasken?

Dringend notwendig ist das Tragen einer hochwertigen Atemschutzmaske beim medizinischen Personal. Um mit infizierten Patienten arbeiten zu können, ohne sich selbst anzustecken, braucht das Personal die FFP-Masken – ansonsten könnte eine medizinische Versorgung in den Krankenhäusern schwierig werden.

Darüber hinaus empfiehlt das Bundesgesundheitsministerium dringend, einen einfachen Mund-Nasen-Schutz dort zu tragen, wo es schwer ist, den Mindestabstand zu anderen Menschen immer einzuhalten.

Was muss ich beim Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beachten?

Ein Mundschutz kann die Ansteckung anderer nicht vollständig verhindern. Er verringert jedoch die Gefahr, da infektiöse Tröpfchen beim Husten oder Niesen abgefangen werden. Dafür ist es wichtig, dass der Mund-Nasen-Schutz möglichst fest sitzt und gewechselt wird, wenn er feucht geworden ist.

Anschließend sollte er bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Ein gängiges Vollwaschmittel reicht dafür aus. Die Alltagsmasken lassen sich auch im Backofen desinfizieren: 30 Minuten bei 70 Grad reichen nach Angaben des Virologen Christian Drosten aus. Eine weitere Methode ist das heiße Bügeln. Dies muss allerdings sorgfältig geschehen, und die Falten müssen lange erhitzt werden. Einfacher ist die Desinfektion in der Mikrowelle. Dafür darf der Mund-Nasen-Schutz aber keine Metallteile enthalten. Die Maske sollte mit der Außenseite nach unten auf zwei Gefäße mit Wasser gelegt werden. Dann wird sie zwei Minuten lang bei 750 Watt erhitzt. Der entstehende Wasserdampf tötet Viren ab.

Ausführliche Hinweise zum richtigen Tragen des Mund-Nasen-Schutzes liefert die Webseite "Maske zeigen"

Wie lange halten FFP-Masken?

Die FFP-Masken für medizinisches Personal werden normalerweise beim Kontakt mit infizierten Patienten sowie bei Verdachtsfällen getragen. Die Trageempfehlung ist etwa zwei Stunden, spätestens dann sollen sie abgelegt oder gewechselt werden.

Die ursprünglichen Engpässe bei der Versorgung mit Schutzmasken konnten nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums inzwischen beseitigt werden. Bei mehreren Kassenärztlichen Vereinigungen seien die Lager voll, sagte ein Sprecher Mitte Juni der Deutschen Presse-Agentur.

Von gut zwei Milliarden Masken, die die Regierung im Ausland gekauft hat, waren zu diesem Zeitpunkt nach Informationen der Zeitung "Die Welt" rund 600 Millionen in Deutschland eingetroffen. Der Rest solle nach Auskunft des Ministeriums bis zum Herbst angeliefert werden, vor allem aus China.

Gesundheitsminister Spahn hat auch mit deutschen Unternehmen Vereinbarungen für die Produktion medizinischer Schutzmasken getroffen. Nach einer ersten Ausschreibung wurden Zuschläge an rund 50 Unternehmen erteilt. Damit können ab Mitte August pro Woche zehn Millionen FFP2-Spezialmasken und 40 Millionen OP-Masken hergestellt werden. Das Bundeswirtschaftsministerium hat angekündigt, Firmen bei der Produktion von Schutzmasken finanziell zu unterstützen.

(Stand: 11.07.2020)

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