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Covid-19Coronavirus: Was man zu Schutzmasken wissen sollte

Ein Mann mit einer Schutzmaske vor einer Apotheke, Schutzmasken sind fast ausverkauft. (picture alliance/dpa/Markus Ulmer)
Masken mit Ventil dienen vor allem dem Eigenschutz, Alltagsmasken eher dem Fremdschutz (picture alliance/dpa/Markus Ulmer)

Zum Thema Mundschutz und Atemschutzmasken kursieren viele Informationen. Welche Arten von Schutzmasken es gibt, wie sie wirken und wen sie schützen, beantworten wir hier.

Wie sinnvoll ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes?

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt zur Eindämmung von Infektionen das Tragen von Schutzmasken generell dort, wo Abstand halten nur schwer möglich ist. WHO-Generaldirektor Tedros nannte als Beispiele den öffentlichen Nahverkehr sowie andere geschlossene und stark frequentierte Bereiche. Menschen, die über 60 Jahre alt seien oder Vorerkrankungen hätten, sollten eine medizinische Maske nutzen.

Die WHO hatte ihren Standpunkt zum Tragen von Masken Anfang Juni geändert. Zuvor vertrat die Organisation die Auffassung, dass ein Mundschutz nur für Kranke und Menschen, die Kranke pflegen, sinnvoll sei. Der Massengebrauch wurde nicht empfohlen. Unter anderem wurde argumentiert, durch das Tragen könne ein "falsches Sicherheitsgefühl" entstehen. So laufe der Träger Gefahr, die wichtigen Hygienemaßnahmen wie etwa Händewaschen und Abstand halten zu vergessen.

Einen ähnlichen Standpunkt vertrat auch das Robert-Koch-Institut noch bis Mitte März. Auf der Webseite des RKI heißt es nun, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes könne helfen, die Weiterverbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen, wenn man öffentliche Räume betrete, in denen der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden könne. Das RKI weist eindringlich darauf hin, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auf keinen Fall dazu führen dürfe, Abstandsregeln zu missachten oder Husten- und Niesregeln und die Händehygiene nicht mehr einzuhalten.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind nach einem Bericht von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" der Ansicht, dass eine früh angeordnete Maskenpflicht die Ansteckungsrate in Europa reduziert hätte. Klaus-Dieter Zastrow, Professor für Hygiene an der THM Gießen sagte, es sei "ein Skandal, dass sich WHO und RKI dagegen gestellt hätten."

Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Montgomery, hielt eine gesetzliche Pflicht für falsch. Wer eine Maske trage, wähne sich sicher und vergesse den entscheidenden Mindestabstand, sagte er im April. Im Stoff konzentriere sich das Virus, beim Abnehmen berühre man die Gesichtshaut. Schneller könne man sich kaum infizieren, warnte Montgomery.

Welche Masken unterscheidet man?

Fällt das Stichwort "Atemschutzmaske" ist nicht immer klar, um welche Masken es genau geht: Der einfache Mund-Nasen-Schutz schützt vor allem andere vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus, weniger den Träger selbst. Viele Menschen haben sich in den vergangenen Wochen selbst einfache Mundschutzmasken aus verschiedenen Stoffen genäht, auch Schneidereien und andere Betriebe bieten sie zum Verkauf. Man nennt sie auch "Alltagsmasken".

In Krankenhäusern werden verschiedene Maskentypen benutzt, wie ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft erklärt: einfache OP-Masken aus Vlies, die Patienten bei einer Operation vor dem Speichel von Medizinern und Pflegepersonal schützen sollen, sowie Schutzmasken der Standards FFP2 und FFP3 (Filtering Face Pieces). Diese bestehen aus festerem Material und können ein Atemventil haben. Das Coronavirus sei recht klein, erklärt der Sprecher, nur die FFP-Masken seien so gebaut, dass es nicht durchkomme.

Allerdings: Masken ohne Ventil filtern laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sowohl die eingeatmete Luft als auch die Ausatemluft und bieten daher sowohl einen Eigenschutz als auch einen Fremdschutz. Masken mit Ventil filtern demnach nur die eingeatmete Luft und sind daher nicht für den Fremdschutz ausgelegt.

Was sagt die Forschung zur Wirksamkeit verschiedener Masken?

Nicht jede Form von Corona-Masken hält beim Ausatmen oder Sprechen mit Viren belastete Tröpfchen gleich wirksam zurück. Während etwa chirurgische Masken äußerst effektiv sind, erhöhen andere Schutzformen sogar den Ausstoß von ausgestoßenen Tröpfchen. Das Wissenschaftsmagazin "Science Advances" hat im August einen wissenschaftlichen Vergleich von 14 verschiedenen Maskentypen veröffentlicht. Der Co-Autor der Studie, Eric Westman, erklärt, die Vorstellung, dass alles besser sei als nichts, habe sich nicht bewahrheitet.

Für den Vergleich nutzten die Forschenden der Duke-Universität in Durham im US-Bundesstaat North Carolina eine einfache Testmethode. Sie ließen ihre Versuchspersonen in einem dunklen Raum fünfmal hintereinander mit unterschiedlichen Masken und ohne Mundschutz die Worte "Stay healthy, people" (Bleibt gesund, Leute) in einen erweiterten Laserstrahl sprechen und dies von einer Smartphone-Kamera aufnehmen. Ein Computer-Algorithmus zählte anschließend die Zahl der ausgestoßenen Tröpfchen.

Am besten schnitten die in den USA für das Krankenhauspersonal reservierten Atemschutzmasken vom Typ N95 (FFP2-Masken in Europa) ab. Die ausgestoßenen Aerosole wurden auf weniger als 0,1 Prozent der Menge ohne Maske reduziert. Chirurgische Masken fingen demnach mehr als 90 Prozent ab. Selbstgenähte Baumwollmasken filterten je nach Zahl ihrer Stofflagen und Falten immer noch zwischen 70 und 90 Prozent der Tröpfchen. Dagegen ließen Halstücher rund die Hälfte der Tröpfchen durch. Am schlechtesten schloss ein Schlauchschal aus Polarfleece ab. Dieser erhöhte nach Angaben der Forschenden sogar die Zahl der ausgestoßenen Tröpfchen - möglicherweise, weil das Gewebe die größeren Tröpfchen in kleinere zerlegte.

N95-Masken mit Ausatmungsventil schützten bei dem Test weniger als die N95-Masken ohne Ventil - sie waren in etwa mit simplen Baumwollmasken zu vergleichen. Diese Masken werden als "erträglicher" beworben, doch Gesundheitsbehörden und -experten raten von ihnen ab, da sie zwar ihren Träger schützen, dafür jedoch dessen kontaminierte Atemluft leichter abgeben als die anderen Masken.

Was muss ich generell beim Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beachten?

Ein Mundschutz kann - wie nicht zuletzt die oben genannte Studie zeigt - die Ansteckung anderer nicht vollständig verhindern. Er verringert jedoch die Gefahr, da infektiöse Tröpfchen beim Husten oder Niesen abgefangen werden. Dafür ist es wichtig, dass der Mund-Nasen-Schutz möglichst fest sitzt und gewechselt wird, wenn er feucht geworden ist.

Anschließend sollte er bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Ein gängiges Vollwaschmittel reicht dafür aus. Die Alltagsmasken lassen sich auch im Backofen desinfizieren: 30 Minuten bei 70 Grad reichen nach Angaben des Virologen Christian Drosten aus. Eine weitere Methode ist das heiße Bügeln. Dies muss allerdings sorgfältig geschehen, und die Falten müssen lange erhitzt werden. Einfacher ist die Desinfektion in der Mikrowelle. Dafür darf der Mund-Nasen-Schutz aber keine Metallteile enthalten. Die Maske sollte mit der Außenseite nach unten auf zwei Gefäße mit Wasser gelegt werden. Dann wird sie zwei Minuten lang bei 750 Watt erhitzt. Der entstehende Wasserdampf tötet Viren ab.

Ausführliche Hinweise zum richtigen Tragen des Mund-Nasen-Schutzes liefert die Webseite "Maske zeigen".

Hypothese: Masken könnten Immunisierung unterstützen

Forschende aus den USA argumentieren, das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit könne zur Immunisierung der Bevölkerung gegen das Coronavirus beitragen. Die Maske könne nicht alle Atemlufttröpfchen oder Aerosole abhalten, deshalb könnten Menschen im Umfeld einer infizierten Person damit in Berührung kommen. Allerdings sei dabei die Menge an Viruspartikeln so gering, dass bei gesunden Menschen nur eine schwache oder sogar symptomfreie Infektion ausgelöste werde – die aber dennoch eine Immunisierung bewirken könne.

Wie lange halten FFP-Masken?

Die FFP-Masken für medizinisches Personal werden normalerweise beim Kontakt mit infizierten Patienten sowie bei Verdachtsfällen getragen. Die Trageempfehlung ist etwa zwei Stunden, spätestens dann sollen sie abgelegt oder gewechselt werden.

Die ursprünglichen Engpässe bei der Versorgung mit Schutzmasken konnten nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums beseitigt werden. Bei mehreren Kassenärztlichen Vereinigungen seien die Lager voll, sagte ein Sprecher Mitte Juni der Deutschen Presse-Agentur.

Von gut zwei Milliarden Masken, die die Regierung im Ausland gekauft hat, waren zu diesem Zeitpunkt nach Informationen der Zeitung "Die Welt" rund 600 Millionen in Deutschland eingetroffen. Der Rest solle nach Auskunft des Ministeriums bis zum Herbst angeliefert werden, vor allem aus China.

Gesundheitsminister Spahn hat auch mit deutschen Unternehmen Vereinbarungen für die Produktion medizinischer Schutzmasken getroffen. Nach einer ersten Ausschreibung wurden Zuschläge an rund 50 Unternehmen erteilt. Damit können ab Mitte August pro Woche zehn Millionen FFP2-Spezialmasken und 40 Millionen OP-Masken hergestellt werden. Das Bundeswirtschaftsministerium hat angekündigt, Firmen bei der Produktion von Schutzmasken finanziell zu unterstützen.

(Stand: 10.09.2020)

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