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Covid-19Coronavirus: Was man zu Schutzmasken wissen sollte

Ein Mann mit einer Schutzmaske vor einer Apotheke, Schutzmasken sind fast ausverkauft. (picture alliance/dpa/Markus Ulmer)
Masken mit Ventil dienen vor allem dem Eigenschutz, Alltagsmasken eher dem Fremdschutz (picture alliance/dpa/Markus Ulmer)

Zum Thema Mundschutz und Atemschutzmasken kursieren viele Informationen. Welche Arten von Schutzmasken es gibt, wie sie wirken und wen sie schützen, beantworten wir hier.

Wie sinnvoll ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes?

Mit Blick auf die kühleren Monate plädieren die Präsidenten von vier großen deutschen Forschungsorganisationen am 24. September für konsequentes Masken-Tragen in Innenräumen. Die Präsidenten der Leibniz-Gemeinschaft, der Fraunhofer-Gesellschaft, der Max-Planck-Gesellschaft und der Helmholtz-Gemeinschaft schrieben in einer gemeinsamen Stellungnahme, ein wesentlicher saisonaler Faktor werde in der kalten Jahreszeit der Aufenthalt in geschlossenen Räumen sein. Dem könne durch ein konsequentes Tragen von Masken entgegengewirkt werden, hieß es.

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt zur Eindämmung von Infektionen das Tragen von Schutzmasken generell dort, wo Abstand halten nur schwer möglich ist. Menschen, die über 60 Jahre alt seien oder Vorerkrankungen hätten, sollten eine medizinische Maske nutzen.

Der Meinungs-Umschwung

Wichtige Organisationen, wie die WHO und das RKI waren im Frühjahr skeptisch, und entschieden sich gegen die Empfehlung einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Der Vorsitzende des Weltärztebundes, Montgomery, lehnte im April eine Maskenpflicht ab. Sie sei potenziell gefährlich: Im Stoff konzentriere sich das Virus, beim Abnehmen berühre man die Gesichtshaut. Schneller könne man sich kaum infizieren, warnte Montgomery. Auch die Politik zögerte, eine Maskenpflicht in bestimmten Bereichen einzuführen. Der Grund war unter anderem, dass der Vorrat an medizinischen Schutzmasken so knapp war, dass selbst das Fachpersonal in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen unterversorgt war.

Die WHO hatte ihren Standpunkt zum Tragen von Masken Anfang Juni geändert. Auf der Webseite des RKI heißt seit Mitte März, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes könne helfen, die Weiterverbreitung von SARS-CoV-2 einzudämmen, wenn man öffentliche Räume betrete, in denen der Sicherheitsabstand nicht eingehalten werden könne. Das RKI weist eindringlich darauf hin, dass das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes auf keinen Fall dazu führen dürfe, Abstandsregeln zu missachten oder Husten- und Niesregeln und die Händehygiene nicht mehr einzuhalten.

Weltärztepräsident Montgomery sagte Anfang September im Deutschlandfunk: "Es gibt inzwischen wissenschaftliche Beweise in der Weltliteratur, dass auch eine schlechte Maske immer noch besser ist als keine Maske. Inzwischen wissen wir, dass selbst ein, mit Verlaub gesagt, feuchter Lappen vorm Gesicht besser ist als gar nichts."

Liefer-Engpässe längst beseitigt

Die ursprünglichen Engpässe bei der Versorgung mit Schutzmasken konnten beseitigt werden. Bei mehreren Kassenärztlichen Vereinigungen seien die Lager voll, sagte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums Mitte Juni. Gesundheitsminister Spahn hat mit deutschen Unternehmen Vereinbarungen für die Produktion medizinischer Schutzmasken getroffen. Zudem gibt es mittlerweile im Einzelhandel eine reiche Auswahl an sogenannten Alltagsmasken zu kaufen. Und viele haben das Nähen und Basteln für sich entdeckt und eigene Masken erstellt.

Hat das Zögern die Ausbreitung unterstützt?

Forschende sind nach einem Bericht von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" der Ansicht, dass eine früh angeordnete Maskenpflicht die Ansteckungsrate in Europa reduziert hätte. Klaus-Dieter Zastrow, Professor für Hygiene an der THM Gießen sagte, es sei "ein Skandal, dass sich WHO und RKI dagegen gestellt hätten."

Welche Masken unterscheidet man?

Fällt das Stichwort "Atemschutzmaske" ist nicht immer klar, um welche Masken es genau geht: Der einfache Mund-Nasen-Schutz schützt vor allem andere vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus, weniger den Träger selbst. Man nennt sie auch "Alltagsmasken".

In Krankenhäusern werden verschiedene Maskentypen benutzt, wie ein Sprecher der Deutschen Krankenhausgesellschaft erklärt: einfache OP-Masken aus Vlies, die Patienten bei einer Operation vor dem Speichel von Medizinern und Pflegepersonal schützen sollen, sowie Schutzmasken der Standards FFP2 und FFP3 (Filtering Face Pieces). Diese bestehen aus festerem Material und können ein Atemventil haben. Das Coronavirus sei recht klein, erklärt der Sprecher, nur die FFP-Masken seien so gebaut, dass es nicht durchkomme.

Allerdings: Masken ohne Ventil filtern laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sowohl die eingeatmete Luft als auch die Ausatemluft und bieten daher sowohl einen Eigenschutz als auch einen Fremdschutz. Masken mit Ventil filtern demnach nur die eingeatmete Luft und sind daher nicht für den Fremdschutz ausgelegt.

Was sagt die Forschung zur Wirksamkeit verschiedener Masken?

Nicht jede Form von Corona-Masken hält beim Ausatmen oder Sprechen mit Viren belastete Tröpfchen gleich wirksam zurück. Während etwa chirurgische Masken äußerst effektiv sind, erhöhen andere Schutzformen sogar den Ausstoß von ausgestoßenen Tröpfchen. Das Wissenschaftsmagazin "Science Advances" hat im August einen wissenschaftlichen Vergleich von 14 verschiedenen Maskentypen veröffentlicht. Der Co-Autor der Studie, Eric Westman, erklärt, die Vorstellung, dass alles besser sei als nichts, habe sich nicht bewahrheitet.

Für den Vergleich nutzten die Forschenden der Duke-Universität in Durham im US-Bundesstaat North Carolina eine einfache Testmethode. Sie ließen ihre Versuchspersonen in einem dunklen Raum fünfmal hintereinander mit unterschiedlichen Masken und ohne Mundschutz die Worte "Stay healthy, people" (Bleibt gesund, Leute) in einen erweiterten Laserstrahl sprechen und dies von einer Smartphone-Kamera aufnehmen. Ein Computer-Algorithmus zählte anschließend die Zahl der ausgestoßenen Tröpfchen.

Am besten schnitten die in den USA für das Krankenhauspersonal reservierten Atemschutzmasken vom Typ N95 (FFP2-Masken in Europa) ab. Die ausgestoßenen Aerosole wurden auf weniger als 0,1 Prozent der Menge ohne Maske reduziert. Chirurgische Masken fingen demnach mehr als 90 Prozent ab. Selbstgenähte Baumwollmasken filterten je nach Zahl ihrer Stofflagen und Falten immer noch zwischen 70 und 90 Prozent der Tröpfchen. Dagegen ließen Halstücher rund die Hälfte der Tröpfchen durch. Am schlechtesten schloss ein Schlauchschal aus Polarfleece ab. Dieser erhöhte nach Angaben der Forschenden sogar die Zahl der ausgestoßenen Tröpfchen - möglicherweise, weil das Gewebe die größeren Tröpfchen in kleinere zerlegte.

N95-Masken mit Ausatmungsventil schützten bei dem Test weniger als die N95-Masken ohne Ventil - sie waren in etwa mit simplen Baumwollmasken zu vergleichen. Diese Masken werden als "erträglicher" beworben, doch Gesundheitsbehörden und -experten raten von ihnen ab, da sie zwar ihren Träger schützen, dafür jedoch dessen kontaminierte Atemluft leichter abgeben als die anderen Masken.

Was muss ich generell beim Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beachten?

Ein Mundschutz kann - wie nicht zuletzt die oben genannte Studie zeigt - die Ansteckung anderer nicht vollständig verhindern. Er verringert jedoch die Gefahr, da infektiöse Tröpfchen beim Husten oder Niesen abgefangen werden. Dafür ist es wichtig, dass der Mund-Nasen-Schutz möglichst fest sitzt und gewechselt wird, wenn er feucht geworden ist.

Anschließend sollte er bei mindestens 60 Grad gewaschen werden. Ein gängiges Vollwaschmittel reicht dafür aus. Die Alltagsmasken lassen sich auch im Backofen desinfizieren: 30 Minuten bei 70 Grad reichen nach Angaben des Virologen Christian Drosten aus. Eine weitere Methode ist das heiße Bügeln. Dies muss allerdings sorgfältig geschehen, und die Falten müssen lange erhitzt werden. Einfacher ist die Desinfektion in der Mikrowelle. Dafür darf der Mund-Nasen-Schutz aber keine Metallteile enthalten. Die Maske sollte mit der Außenseite nach unten auf zwei Gefäße mit Wasser gelegt werden. Dann wird sie zwei Minuten lang bei 750 Watt erhitzt. Der entstehende Wasserdampf tötet Viren ab.

Ausführliche Hinweise zum richtigen Tragen des Mund-Nasen-Schutzes liefert die Webseite "Maske zeigen".

Keine Alternative zu Corona-Masken – Plastikvisiere im Abseits

Zu Beginn der Pandemie galten sie als wichtige Erleichterung: Anstatt der Mund-Nase-Maske bedienten sich viele Menschen eines Plastikvisiers und konnten so unbeschwerter atmen. In Österreich sind die "Face Shields" nun prinzipiell untersagt - und auch in Deutschland geraten sie ins Abseits.

Die Schutzwirkung der Visiere ist seit langem umstritten. Das Robert Koch-Institut hält fest: "Die Verwendung von Visieren anstelle von Mund-Nase-Bedeckungen (MNB) wird derzeit von verschiedenen Herstellern beworben, ohne dass Belege für die Äquivalenz dieser Ersatzmaßnahme vorliegen." Das RKI argumentiert im Sinne vieler wissenschaftlicher Studien: Mund-Nase-Bedeckungen müssen über Mund, Nase und Wangen platziert sein und an den Rändern möglichst eng anliegen. Nur so wird das Vorbeiströmen von Luft an den Seiten minimiert. So kann die Geschwindigkeit des Atemstroms oder des Tröpfchenauswurfs am besten reduziert werden.

Visiere dagegen können zumeist maximal die direkt auf die Scheibe auftretenden Tröpfchen auffangen. Das RKI kommt zu dem Schluss: "Die Verwendung von Visieren kann daher nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand nicht als Alternative zur MNB angesehen werden. Aktuelle Studien weisen darauf hin, dass die Rückhaltewirkung von Visieren auf ausgestoßene respiratorische Flüssigkeitspartikel deutlich schlechter ist."

Österreich verbannt "Face Shields"

In Österreich sind die halboffenen Plastikvisiere als alleiniger Mund-Nase-Schutz untersagt. Die Verordnung von Gesundheitsminister Rudolf Anschober sieht eine Übergangsfrist bis zum 7. November vor. Damit soll gewährleistet werden, dass sich alle auf die neue Regelung einstellen können.

Auch in Deutschland sind die halb-offenen Gesichtsvisiere ins Abseits geraten. Als letztes Bundesland hatte Schleswig-Holstein die "Face Shields" als Alternative zu den Masken aus dem Verkehr gezogen. Nach wie vor ist die Lage in Deutschland aber nicht einheitlich. Denn auch für die Festlegungen zum Mund-Nasen-Schutz sind die Bundesländer zuständig. In Hessen etwa ist das Tragen eines Visiers erlaubt, wenn das ganze Gesicht abgeschirmt wird.

Gesundheitliche Gründe gelten weiter

Nach wie vor gelten quer durch Deutschland allerdings auch andere Ausnahmen. Vielerorts wird Menschen das Tragen von Visieren zugestanden, die aus gesundheitlichen Gründen keine eng anliegende Maske tragen dürfen, zum Beispiel wegen einer Asthma-Erkrankung. Und auch in Geschäften können Beschäftigte weiter ohne Maske arbeiten, sofern sie durch Glas oder Plexiglas ausreichend von anderen abgeschirmt sind. Wer mehr darüber wissen möchte, muss daher die geltende Rechtslage im jeweiligen Bundesland konsultieren.

(Stand: 29.10.2020)

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