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Covid-19Die Frage nach der Exit-Strategie: Wie und wann endet die Corona-Kontaktsperre wieder?

Stühle stehen in einem leeren Klassenzimmer im Carolus-Magnus-Gymnasium auf den Tischen. (picture alliance / dpa / Jonas Güttler)
Deutschlandweit sind wegen des Coronavirus Schulen geschlossen (picture alliance / dpa / Jonas Güttler)

"Zunächst" - "bis auf Weiteres" - "mindestens bis Ostern": Diese unbestimmten Zeitangaben sind oft zu hören, wenn es um die Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus geht. Wie lange kann die gegenwärtige Ausnahmesituation noch andauern? Und welche Exit-Strategien gibt es? Ein Überblick.

Die Haltung von Bundeskanzlerin Merkel ist klar: Es sei derzeit noch zu früh, um über eine Lockerung der verhängten Einschränkungen zu entscheiden. Da das Coronavirus eine Inkubationszeit von bis zu 14 Tagen habe, könne man noch nicht bewerten, ob die bisherigen Maßnahmen gewirkt haben.

Im Hintergrund haben die Arbeiten an einem Ausstieg aus den Einschränkungen aber wohl schon begonnen. Gesundheitsminister Spahn hat zugesagt, eine solche Exit-Strategie bis Ostern vorzulegen.

Vehement gefordert wird das von FDP-Chef Lindner. Im Deutschlandfunk äußerte er sich "erleichtert", dass die Debatte darüber inzwischen geführt werde. Das sei ein positives Zeichen für die Bevölkerung, nun müssten allerdings die Voraussetzungen für eine Normalisierung erfüllt werden. Diese Normalisierung werde dann ein Prozess sein, doch dieser sollte so bald wie möglich beginnen, sagte Lindner im Deutschlandfunk. Nötig seien zunächst flächendeckende und schnellere Tests.

Um welche Zeiträume geht es?

Auf ein konkretes Datum festlegen will sich so gut wie niemand. Außer US-Präsident Trump. Er wurde kürzlich verhältnismäßig präzise: "Im Juli oder im August" werde man es geschafft haben, sagte Trump. Experten rätselten allerdings anschließend darüber, worauf der Präsident diese Aussage stützte und was er genau meinte. Der Direktor des US-amerikanischen Instituts für Infektionskrankheiten, Fauci, sprach sich denn auch umgehend dagegen aus, zu spezifische Zeitangaben zu machen.

Epidemiologen und andere Fachleute rechneten übereinstimmend damit, dass die drastischen Ausgangsbeschränkungen "mindestens bis zum Sommer" andauern müssten, berichtet der Wissenschaftsjournalist Volkart Wildermuth im Deutschlandfunk: "Alle, mit denen ich gesprochen habe, gehen davon aus, dass die Beschränkungen nicht nur zwei Wochen gelten werden, sondern eher zwei bis drei Monate".

Welche Exit-Stragien gibt es?

1. Stufenweise:

Wenn es soweit ist, werden die Einschränkungen voraussichtlich stufenweise zurückgenommen, erklärt der Berliner Virologe Drosten. Zuerst sollten ganz einschneidende Maßnahmen wieder gelockert werden, also zum Beispiel die Schulen wieder öffnen. Bundesliga-Spiele mit vollen Fankurven würden dann vermutlich erst später wieder erlaubt, heißt es im Deutschlandfunk-Bericht von Volkart Wildermuth.

2. Erst das Land, dann die Stadt:

Auch regionale Unterschiede sind möglich. Der Epidemiologe Mikolajczyk von der Universität Halle erläutert, zunächst müssten die Zahlen soweit sinken, dass die Gesundheitsämter wieder jede neue Infektion schnell feststellen und dann die Kontakte identifizieren und isolieren könnten. Dieser Zeitpunkt werde aber von Region zu Region unterschiedlich sein. Aktuell breite sich das Virus zum Beispiel in den Großstädten viel schneller aus als etwa auf dem Land an der Küste. Je nach der Belastung der Gesundheitssysteme könnten die Bundesländer deshalb die Maßnahmen in unterschiedlichem Tempo zurückfahren.

3. Junge dürfen schneller raus:

Kontrovers diskutiert wird, ob es Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen speziell für Risikogruppen geben soll. Befürworter dieser Strategie erklären, wenn man sich auf den Schutz dieser Gruppen konzentriere, könnten alle anderen schneller zu einem normalen Alltag zurückkehren. Vorgeschlagen wurde etwa eine Ausgangssperre für Menschen ab 70 Jahren. Kritiker sehen darin jedoch eine Diskriminierung und das Gegenteil von Solidarität. Näheres zu dieser Debatte finden Sie hier.

Die Regierung in Großbritannien bereitet eine solche Strategie bereits vor: 1,5 Millionen Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen sollen sich drei Monate lang in häusliche Quarantäne begeben. Die zuständigen Ärzte sollen ihre Patienten kontaktieren und sie dazu auffordern, hieß es in London. Lebensmittel und Medikamente sollen den betroffenen Personen geliefert werden. Für die britische Gesamtbevölkerung gelten - nachdem die Regierung länger gezögert hatte - inzwischen ebenfalls Ausgangsbeschränkungen, sie sollen aber nur drei Wochen dauern.

Studie zum Verlauf in Wuhan:

Für eine nicht zu frühe und schrittweise Aufhebung der Beschränkungen sprechen auch die Ergebnisse einer Studie, die auf den Daten aus der chinesischen Stadt Wuhan aufbaut. Die massive Einschränkung der sozialen Kontakte durch Reiseverbote und die Schließung von Schulen und Unternehmen habe dort die Epidemie sehr erfolgreich eingedämmt, erklären die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift "The Lancet Public Health". Die Beschränkungen noch einen Monat länger durchzuhalten, könne die neuen Erkrankungen bis zur Mitte dieses Jahres voraussichtlich um mehr als 90 Prozent reduzieren, heißt es in der Studie.

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