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StartseiteInformationen am MorgenTrumps Drei-Stufen-Plan stößt auf Kritik17.04.2020

Covid-19 in den USATrumps Drei-Stufen-Plan stößt auf Kritik

Eigentlich wollte US-Präsident Donald Trump die Corona-Beschränkungen alle auf einmal beenden. Nun soll es jedoch zu einem schrittweisen Öffnen des Landes kommen. Doch viele Amerikaner fürchten, dass die Lockerungen zu früh kommen. Auch Politiker und Gesundheitsexperten zeigen sich skeptisch.

Von Jan Bösche

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US-Präsident Donald Trump und der Virologe und Direktor des National Institute of Allergy and Infectious Diseases at the National Institutes of Health Anthony Fauci bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. (dpa / picture-alliance / Consolidated News Photos / Kevin Dietsch)
Der Virologe Anthony Fauci ist in der Coronakrise einer der wichtigsten Berater von US-Präsident Donald Trump (dpa / picture-alliance / Consolidated News Photos / Kevin Dietsch)
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Präsident Trump hat seit einiger Zeit nur noch ein Ziel: Die USA aus der Corona-Starre befreien, die Wirtschaft wieder ankurbeln. In der vergangenen Woche sagte er, es wäre schön, das Land mit einem großen Knall wieder zu öffnen.

Jetzt hat Trump seinen Plan vorgestellt, wie das Land wieder geöffnet werden könnte. Eines ist klar: der große Knall bleibt aus. Auf 18 Seiten hat das Weiße Haus drei Schritte skizziert, die Bundesstaaten durchlaufen sollten. Trumps Berater, der Virenexperte Anthony Fauci sagte, um überhaupt mit den Phasen anfangen zu können, müsse man eine Hürde überwinden.

Donald Trump bei einer Pressekonferenz am 13. April im Weißen Haus (www.imago-images.de) (www.imago-images.de)Trump straft WHO ab - US-Präsident im Stil eines Großinquisitors
Trumps Vorwurf: Die WHO habe zu spät auf die Coronakrise reagiert. Mit diesem Schwarze-Peter-Spiel will der US-Präsident vom eigenen Zögern ablenken, meint Thilo Kößler.

Zu den Hürden gehört, dass über 14 Tage die Zahl der registrierten Corona-Fälle zurückgeht, dass die Krankenhäuser in der Lage sind, neue Fälle regulär zu betreuen und dass ein robustes Testsystem bereitsteht. Einige Regionen könnten einen Teil der Bedingungen schon erfüllen. Andere bräuchten länger. 

Die drei Stufen

Wenn die Hürden genommen sind, folgen die drei Phasen, jede mindestens zwei Wochen lang: In Phase eins sollen gefährdete Personen weiter zuhause bleiben und Schulen geschlossen bleiben. Restaurants, Kinos und Sportstudios können öffnen, wenn sie strenge Auflagen erfüllen. Gruppen sollen nicht größer als 10 Teilnehmer sein.

Phase zwei erhöht die Zahl der Gruppen-Teilnehmer auf 50. Schulen sollen öffnen dürfen, die Amerikaner dürfen dann wieder verreisen. 

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Alle Beiträge zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

In Phase drei dürfen gefährdete Personen ihre Wohnungen verlassen, größere Veranstaltungen sind möglich, wenn für Abstand gesorgt wird. Erst in dieser Phase soll man wieder Altenheime besuchen dürfen. 

Für alle Phasen gilt: Hände waschen, Oberflächen desinfizieren und draußen wenn möglich eine Gesichtsmaske tragen. 

Welche Phase möglich ist, soll regional entschieden werden. Von Trumps "Großem Knall" ist das alles weit entfernt, aber trotzdem zeigte er sich optimistisch. Sie öffneten das Land wieder. Sie müssten das tun. Amerika und die Amerikaner wollten geöffnet sein. 

Eine Umfrage des Pew-Center zeigt allerdings, dass viele Amerikaner skeptisch sind. 66 Prozent befürchten, dass Corona-Beschränkungen zu schnell gelockert werden, 73 Prozent befürchten, das Schlimmste stehe noch bevor. 

Streit um Kompetenzen

Trumps Öffnungs-Plan ist nur eine Empfehlung – die eigentliche Entscheidung treffen die Gouverneure der Bundesstaaten. Für einen kurzen Moment hatte Trump das in Zweifel gezogen und sich selbst die "totale Autorität" zugesprochen. Jetzt betonte er aber wieder die Verantwortung der Gouverneure. 

Mehrere Bundesstaaten haben ihre Ausgangs-Beschränkungen erstmal verlängert, bis zum 15. Mai. Außerdem gibt es regionale Abstimmungs-Runden, damit benachbarte Bundesstaaten gemeinsam vorgehen, wenn es um Lockerungen geht. 

Gesundheits-Experten mahnten, dafür brauche es vor allem zwei Dinge: Ausreichend Corona-Tests und ein System, Kontakte von Corona-Patienten zu verfolgen.

Jay Inslee, der Gouverneur des Bundesstaates Washington sagte bei NPR, dafür stellten sie bereits zusätzliches Personal ein. Das Problem seien die Tests, die Kapazitäten seien nirgendwo in den USA vorhanden. Es brauche eine riesige Mobilisierung der Industrie, um die benötigte Kapazität zu liefern. 

Der Gouverneur verwies auf die Rolle, die Trumps Bundesregierung dabei spielen müsse. Der Präsident weist Kritik an zu wenig Tests aber regelmäßig zurück.

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