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StartseiteThemaKinder und Jugendliche in der Coronakrise18.05.2020

COVID-19Kinder und Jugendliche in der Coronakrise

Der Corona-Shutdown, das Herunterfahren sozialer Kontakte und die daraus folgende Vereinzelung führen in Familien zu Stress. Wie gehen Kinder mit der Situation um? Wie erleben sie die Kontaktsperre? Was sind wichtige Regeln für Kinder und Erwachsene in Krisenzeiten? Ein Überblick.

Mädchen mit Mundschutz und Schulrucksack (dpa/ Fotostand)
Kinder in Coronazeiten: Wenn es in Familien stressig wird, leiden sie am meisten (dpa/ Fotostand)
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Wir gefährlich ist der COVID-19-Erreger für Kinder und Jugendliche?

Kinder und Jugendliche gelten im Zusammenhang mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 nicht als Risikogruppe. Erkrankungen verlaufen bei ihnen in den meisten Fällen nur mit milden Symptomen, oft sogar komplett symptomlos. Schwere Krankheitsverläufe sind jedoch nicht ausgeschlossen, auch Todesfälle sind bekannt. Für Deutschland meldet das Robert Koch-Institut einen Todesfall in der Altersgruppe "0 bis 9 Jahre" sowie zwei in der Altersgruppe "10 bis 19 Jahre" (Stand 17.05.2020). Ob bei diesen Kindern Vorerkrankungen vorlagen, ist nicht bekannt.

Ein Erwachsener und ein Kind waschen sich zuhause am Waschbecken die Hände. (imago/Panthermedia) (imago/Panthermedia)Infektiologe: "Kinder können sehr lange Träger des Coronavirus sein" 
Bei Kindern könne das Coronavirus teils über sechs Wochen nachgewiesen werden, sagte der Infektiologe Johannes Hübner im Dlf. Kinder hätten zudem häufig sehr milde Krankheitsverläufe, leider gebe es davon aber auch Ausnahmen.

Wie nehmen Kinder die Krise wahr?

Auf sehr unterschiedliche Weise, sagt Jörg Fegert, Professor in der Kinder- und Jugendpsychatrie des Uniklinikums Ulm. Für manche Kinder sei die jetzige Zeit eine Chance, mit ihren Eltern wieder ins Reine zu kommen, mehr mit ihnen zu reden und zu spielen. Anderen hingegen würden die Treffen mit Freunden und Gleichaltrigen sehr fehlen.

Eine Frau trägt einen Mundschutz und blickt in die Kamera  (dpa / SOPA Images via ZUMA Wire / Steve Taylor) (dpa / SOPA Images via ZUMA Wire / Steve Taylor)Strategien gegen Angst und Einsamkeit
Homeoffice, Ausgangsbeschränkungen, weniger Kontakt etwa zu den Großeltern: Das Coronavirus fordert in Deutschland auch eine Abkehr von bisher ganz selbstverständlichen Dingen des gemeinsamen Lebens – mit Folgen für die Psyche.  

Auffällig dabei sei, so Fegert, dass sich bei denjenigen, die ohnehin Probleme hätten, diese in der Krisenzeit verstärken würden, beispielsweise Kinder mit Auffälligkeitssyndromen. Große Sorgen mache ihm, dass in normalen Zeiten viele Probleme durch Klassenkameraden, Lehrer und Familienhelfer angesprochen und abgefedert würden. Diese Unterstützungssysteme würden jetzt aber wegfallen.

Das Deutsche Jugendinstitut kommt nach einer Online-Umfrage zu dem Schluss, dass jedes dritte Kind mit den Einschränkungen nur schlecht zurecht komme und sich soziale Unterschiede im Bildungserfolg der Kinder in der Coronakrise noch stärker niederschlagen. Auch der finanzielle Aspekt spiele eine Rolle, sagte Alexandra Langmeyer vom DJI im Deutschlandfunk. Es sei relevant, dass es den Eltern als Hauptbezugsperson gut gehe, damit es den Kindern gut gehe. Enger Wohnraum, Belastung durch finanzielle Ängste - das übertrage sich auf das Kind. Insgesamt habe das Spiel im Haus zugenommen, dazu auch der Medienkonsum. 

Wie erleben Jugendliche in der Pubertät die Situation?

Extrem unterschiedlich, sagt Christine Graf, Sportmedizinerin an der Sporthochschule Köln. Eigentlich sei die Pubertät eine Phase, in der sich Kinder und Jugendliche im Erwachsenwerden von ihren Eltern bewusst abgrenzen können. Das sei jetzt räumlich nicht mehr möglich, so Graf. "Das kann den Stress und den Ton weiter verschärfen und dazu führen, dass Kinder sich nicht an Quarantäne-Bestimmungen halten", sagt Graf. Es könne aber auch dazu führen, dass Jugendliche und Eltern wieder in einen Dialog kommen. "Wenn mehr Zeit und mehr Verständnis füreinander da sind, kann das trotz Pubertät auch eine schöne Chance sein."  

Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (imago / Rob Engelaar / Hollandse Hoogte)

Wie vermittelt man Kindern, dass man sich vor dem Virus schützen muss?

Wie bei jedem anderen Lernprozess: durch ständiges Wiederholen. Insbesondere Kinder und Jugendliche, die nun wieder in die Schule zurückkehren, müssen auf die Begegnungen mit Freunden und Klassenkameraden gut vorbereitet werden. Ihnen sollte unter anderem vermittelt werden, warum es derzeit wichtig ist, Abstand zu halten, auf Rituale wie Abklatschen und Umarmen zu verzichten und sich regelmäßig die Hände zu waschen. Diese Dinge sollten immer wieder angesprochen werden.  

28.01.2020, Nordrhein-Westfalen, Oberhausen: Eine Frau trägt vor einer Apotheke eine Mund- und Nasenmaske. (picture alliance / Fabian Strauch) (picture alliance / Fabian Strauch)Lungenkrankheit COVID-19 - Ansteckung, Gefährlichkeit und Schutz 
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Wie können Eltern ihren Kindern helfen?

Wichtig sei für Eltern, nun nicht neue Konflikte anzufangen, empfiehlt Kinder- und Jugendpsychiater Jörg Fegert. "Wenn man jetzt mit Aufforderungen zum Zimmeraufräumen anfängt und nicht über die eigentlichen Themen redet wie zum Beispiel Coronapartys oder mit Regeln umgehen, dann hat man als Elternteil das Thema verfehlt", sagt Fegert.

Hilfreich sei, eine klare Tagesstruktur mit einem geregelten Schlafrythmus vorzugeben. Das sei gerade für Jugendliche in der Pubertät wichtig, so Fegert. Man könne den Tag beispielsweise gut mit einem gemeinsamen Frühstück oder einer Sporteinheit beginnen. Jugendliche sollten jedoch auch in die Planung der Tagesgestaltung miteinbezogen werden. Zudem dürften sich wie üblich die Wochenenden vom Alltag unter der Woche unterscheiden.

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