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StartseiteDeutschland heuteSo arbeitet eine Untersuchungsstelle für Corona-Verdachtsfälle11.03.2020

COVID-19So arbeitet eine Untersuchungsstelle für Corona-Verdachtsfälle

Wer mit Sars-CoV-2 infiziert sein könnte, sollte nicht einfach zum Arzt gehen. Berlin hat sechs spezialisierte Untersuchungsstellen für Corona-Verdachtsfälle eingerichtet. Arzt und Patient kommunizieren dort über eine Gegensprechanlage - zum Beispiel im Krankenhaus im Berliner Westend.

Von Sebastian Engelbrecht

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11.03.2020, Berlin: Ein Wachmann steht am Eingang der Coronavirus-Untersuchungsstelle im ehemaligen Tropen-Institut der DRK Kliniken Berlin Westend. In den neuen Untersuchungsstellen an verschiedenen Berliner Krankenhäusern sollen begründete Verdachtsfälle beraten und abgeklärt werden. Als Verdachtsfall gilt, wer Krankheits-Symptome zeigt, Kontakt zu einem bestätigten Fall hatte oder in einem Risikogebiet gewesen ist. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)
Eingang zur Coronavirus-Untersuchungsstelle im Berliner Westend (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)
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Ein trutziger roter Klinkerbau in Berlin-Westend dient jetzt als Corona-Untersuchungsstelle. Das Gebäude stand leer, früher mal diente es als Institut für Tropenmedizin. Dilek Kalayci, Berlins Gesundheitssenatorin, präsentiert den Bau als "ambulantes Diagnostikzentrum" für Corona-Verdachtsfälle.

"Wir müssen mit weiteren Fällen in Berlin auch rechnen. Deswegen ist es wichtig, dass wir eine weitere Infrastruktur in Berlin auch entwickelt haben. Das gesamte Gesundheitssystem ist hier natürlich gefragt. Das ist der öffentliche Gesundheitsdienst, das sind die niedergelassenen Ärzte, vor allem aber auch unsere Krankenhäuser."

11.03.2020, Berlin: Dilek Kalayci (SPD), Berliner Gesundheitssenatorin, besucht die Coronavirus-Untersuchungsstelle im ehemaligen Tropen-Institut der DRK Kliniken Berlin Westend und unterhält sich dort mit dem diensthabenden Arzt Ralph Herrmann (l), der hinter einer Glasscheibe steht. In den neuen Untersuchungsstellen an verschiedenen Berliner Krankenhäusern sollen begründete Verdachtsfälle beraten und abgeklärt werden. Als Verdachtsfall gilt, wer Krankheits-Symptome zeigt, Kontakt zu einem bestätigten Fall hatte oder in einem Risikogebiet gewesen ist. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)Glasscheibe dazwischen: Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD, r.) und der Arzt Ralph Herrmann (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)

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Patientengespräch über Lautsprecher

Eine der Jalousien hängt schief, in den Wänden klaffen offene Bohrlöcher. Aber wen interessiert das schon. Wichtig ist: Das Gebäude hat einen eigenen Eingang und einen separaten Ausgang, getrennt von den anderen Stationen des Krankenhauses.

"Nicht jeder, der Husten oder Fieber hat, sollte hierherkommen. Sondern wir sagen: Begründete Verdachtsfälle, das heißt: Da muss jemand schon auch Kontakt zu einem positiven Fall gehabt haben oder aus einem Risikogebiet kommen oder Symptome haben. Nur die sollten tatsächlich hierher kommen zur Klärung. Hier wird professionell beraten, abgeklärt."

11.03.2020, Berlin: Stühle stehen im Warteraum der Coronavirus-Untersuchungsstelle im ehemaligen Tropen-Institut der DRK Kliniken Berlin Westend. In den neuen Untersuchungsstellen an verschiedenen Berliner Krankenhäusern sollen begründete Verdachtsfälle beraten und abgeklärt werden. Als Verdachtsfall gilt, wer Krankheits-Symptome zeigt, Kontakt zu einem bestätigten Fall hatte oder in einem Risikogebiet gewesen ist. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)Stehen schön weit auseinander: die Stühle im Wartebereich der Untersuchungsstelle (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)

Die Patienten warten zunächst in einem weißen Zelt vor der Tür. Ein Mitarbeiter bittet sie dann einzutreten. Robin Köck, Chefarzt am Institut für Hygiene, erklärt das Verfahren.

"Aus diesem Vor-Wartebereich werden sie dann nach und nach in das Gebäude reingelassen. Das machen wir deshalb so, weil wir hier einfach nur einen kleineren Wartebereich zur Verfügung haben, und da möchten wir einfach verhindern, dass hier zu viele Menschen auf einem Haufen sozusagen warten müssen."

Hinter einer Scheibe sitzt ein weiterer Mitarbeiter des Krankenhauses und nimmt die Daten der Patienten auf.

"Da haben wir das Glück hier in dem ehemaligen Tropeninstitut, dass wir da schon Vorrichtungen haben, das Personal halt hinter Scheiben sitzen kann und die Registrierung der Patienten machen kann, und auch der Arzt sitzt im Untersuchungszimmer hinter einer Scheibe und unterhält sich über einen Lautsprecher mit den Patienten. Nur die Krankenschwester, die den Rachenabstrich macht, die hat natürlich entsprechend Schutzkleidung an."

Maximal zehn Patienten, die warten

Im Wartezimmer stehen rote Stühle im Abstand von einem Meter an den Wänden. Die Patenten erhalten eine Nummer, werden aufgerufen.

"Hier wartet man, bis man aufgerufen wird. Relativ leer eigentlich. Maximal zehn Patienten, die hier warten. Mit relativ großzügigem Abstand zueinander, genau. Mit einem Mund-Nasenschutz, den sie schon am Eingang bekommen haben."

11.03.2020, Berlin: Ein Stuhl für Patienten steht im Behandlungsraum der Coronavirus-Untersuchungsstelle im ehemaligen Tropen-Institut der DRK Kliniken Berlin Westend. In den neuen Untersuchungsstellen an verschiedenen Berliner Krankenhäusern sollen begründete Verdachtsfälle beraten und abgeklärt werden. Als Verdachtsfall gilt, wer Krankheits-Symptome zeigt, Kontakt zu einem bestätigten Fall hatte oder in einem Risikogebiet gewesen ist. Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa | Verwendung weltweit (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)Hier wird der Abstrich genommen (picture alliance / dpa / Bernd von Jutrczenka)

Endlich ist der besorgte Patient zum Arzt vorgedrungen. Auch der sitzt hinter einer Glasscheibe, im Nebenraum. Gesundheitssenatorin Kalayci spricht über Mikrofon und Lautsprecher mit ihm.

"Sie brauchen nichts drücken. Das macht der Arzt von der anderen Seite."
"Einen schönen guten Tag."
"Guten Tag. Ich höre Sie gut."
"Ich höre Sie auch gut. Und hier findet das Beratungsgespräch dann statt, also die Anamnese. Und wie viele Fragen sind das, die Sie dann so abarbeiten?"
"Knapp unter 20."
"20. Status gestern um 12 Uhr war, dass von 37 untersuchten Patienten 12 oder 13 aus den Epidemiegebieten stammten oder direkten Kontakt zu Infizierten, bewiesenen Infizierten hatten und damit begründete Verdachtsfälle."

50 Tests am Tag

Der Arzt entscheidet, ob der Patient auf das Corona-Virus getestet wird. Eine Schwester nimmt den Abstrich.

"Genau, mit einer Atemschutzmaske und Kittel und Handschuhen, praktisch so, wie das für Coronaviren sein soll, Schutzbrille. Der Patient nimmt Platz kurz und bekommt dann eine Abstrichuntersuchung. Das geht relativ schnell, muss man sagen. Und, ja, bekommt dann die Information noch mal gesagt, dass er jetzt nach Hause gehen kann, dass er keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen sollte, sich eher zu Hause aufhalten sollte, bis das Testergebnis da ist."

Robin Köck hat sich eine Grenze gesetzt: Nur 50 Tests am Tag schafft seine Corona-Untersuchungsstelle. Gestern, am Tag der Eröffnung, ließ er sein neues Institut mittags um halb eins schließen. Wer dann vor verschlossener Tür steht, muss am nächsten Morgen um 9 Uhr wiederkommen.

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