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Covid-19So soll die Impfung gegen das Coronavirus organisiert werden

Eine Krankenschwester bereitet eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff-Kandidaten von Moderna vor. (dpa / AP Photo / Hans Pennink)
Die Impfstoffe sollen dann deutschlandweit an rund 60 Standorte mit mobilen Einsatzteams verteilt werden. (dpa / AP Photo / Hans Pennink)

Europa kämpft derzeit mit der zweiten Welle der Coronapandemie. Hilfe im Kampf gegen das Virus verspricht man sich von den neuen Impfstoffen, die derzeit entwickelt werden. Bundeskanzlerin Merkel zeigte sich nach der jüngsten Videokonferenz der Staats- und Regierungschefs der EU zuversichtlich, dass bereits im Dezember oder spätestens im Januar der erste Impfstoff in der EU zugelassen wird. Doch dann folgt die nächste Herausforderung: eine möglichst schnelle Impfung breiter Gesellschaftsschichten.

Wie dies vonstattengehen könnte, wird in der Nationalen Impfstrategie des Bundesgesundheitsministeriums erläutert. Ein Verteilungsschlüssel bestimmt demnach, welche EU-Länder wie viel Impfstoff bekommen. Für die Lagerung und Logistik sollen in Deutschland die Bundesländer zuständig sein. Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer sicherte jedoch bereits die Hilfe der Bundeswehr zu. Die fachgerechte Lagerung ist deshalb so wichtig, weil als erstes wohl der Impfstoff der Firmen Biontech und Pfizer zugelassen wird. Dieser muss bei bis zu minus 80 Grad gekühlt werden.

60 vom Bund organisierte Impfzentren

Die Impfstoffe sollen dann deutschlandweit an rund 60 Standorte mit mobilen Einsatzteams verteilt werden. Die Menge richtet sich nach der Bevölkerungszahl im jeweiligen Bundesland. Nach Angaben von Bundesgesundheitsminister Spahn werden diese Impfzentren rechtszeitig fertig sein. Den Bundesländern stehe demnach aber frei, auch weitere mobile Teams oder weitere Impfzentren einzurichten. So teilte unter anderem Nordrhein-Westfalen mit, man werde landesweit 53 Impfzentren organisieren, die halb vom Land und halb von den Gesetzlichen Krankenkassen finanziert werden. Das Geld ist unter anderem für Miete, Personal und Schutzausrüstung gedacht.

Die Immunisierungen sollen anonymisiert in einer zentralen Datenbank erfasst werden. Damit wollen die Bundesregierung und die Ständige Impfkommission die Wirksamkeit überprüfen – und auch Meldungen über mögliche Nebenwirkungen sammeln.

Debatte um beschleunigtes Verfahren

Im Vorfeld wurden immer wieder Warnungen vor nicht absehbaren Nebenwirkungen laut, da der Impfstoff schneller als sonst üblich zugelassen werden soll. Langzeitstudien fehlen deshalb. Der Impfstoff von Biontech und Pfizer wird auch in den USA zum Einsatz kommen. Dort wies der Immunologe Anthony Fauci Bedenken zurück, wonach die Entwicklung der Corona-Impfstoffe zulasten der Verträglichkeit und Wirksamkeit beschleunigt worden sei. "Die Geschwindigkeit des Prozesses hat die Sicherheit in keiner Weise kompromittiert", sagte Fauci im Weißen Haus. Die Daten der Studien zu den Impfstoffen seien von unabhängigen Experten beurteilt worden, die niemandem etwas schuldeten, "auch nicht der Regierung".

Risikogruppen und "exponiertes Personal" zuerst

Bleibt die Frage, wer überhaupt geimpft wird. Gesundheitsminister Spahn hatte wiederholt betont, dass es keine Impfpflicht geben werde. Zuletzt hatte in Umfragen die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger, sich impfen zu lassen, wieder nachgelassen. Trotzdem geht die Bundesregierung davon aus, dass die Nachfrage das Angebot zunächst übersteigen wird. Darum sollen bestimmte Bevölkerungsschichten zuerst geimpft werden: zum einen Risikopatienten, zum anderen bestimmte Berufsgruppen wie Mitarbeiter im Gesundheitswesen oder im Bereich Bildung. Dies soll zentral organisiert werden. In einer späteren Phase stünde dann eine breite, dezentrale Routine-Impfung unter anderem durch Hausärzte an. Dann können auch Apotheken den Impfstoff beschaffen. Die Termine in den Impfzentren sollen über ein standardisiertes Modul vergeben werden, das auf dem bestehenden System durch die Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen basiert.

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Diese Nachricht wurde am 21.11.2020 im Programm Deutschlandfunk gesendet.