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Covid-19So steht es um die Entwicklung von Impfstoffen gegen das Coronavirus

Eine Mitarbeiterin am Institut für Virologie der technischen Universität München (TUM) pipettiert in einem Labor einen Ansatz zum Proteinnachweis. (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)
Weltweit arbeiten Wissenschaftler an einem Impfstoff gegen Covid-19. (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)

Als hoffnungsvollstes Mittel gegen Sars-CoV-2 und die von dem Virus ausgelöste Erkrankung Covid-19 gelten Impfstoffe. Inzwischen sind erste Präparate zugelassen. Herausforderungen gibt es dennoch viele - und die Mutationen des Virus sorgen für zusätzliche Probleme.

Normalerweise dauert es viele Jahre, bis ein Impfstoff gegen einen Krankheitserreger gefunden ist - und der Prozess kann in jeder Phase scheitern. Warum es für gewöhnlich so lange dauert, haben die Kollegen von "Forschung aktuell" hier erklärt. Im Fall von Sars-CoV-2 hatten die Forschenden Glück: Die Sequenz des Viren-Erbguts, in diesem Fall einzelsträngige RNA, war schnell bekannt und die ersten Forschungsprojekte konnten bereits Anfang 2020 in Angriff genommen werden.

Welche Impfstoffe sind bereits zugelassen?

In der Europäischen Union sind drei Impfstoffe zugelassen: Zum einen der mRNA-Impfstoff der deutschen Firma Biontech, der zusammen mit dem US-Unternehmen Pfizer produziert wird und ein ähnlich aufgebauter Impfstoff der US-Pharmafirma Moderna.

Auch über den vergleichsweise klassischen Impfstoff der Universität Oxford und des Pharmakonzerns AstraZeneca wurde bereits entschieden. Es handelt sich dabei um einen sogenannten Vektorimpfstoff auf der Basis von Adenoviren von Affen. Das Vakzin kann im Gegensatz zum Impfstoff von Biontech und Pfizer bei normalen Kühlschrank-Temperaturen gelagert und damit auch leichter über Hausarztpraxen verteilt werden.

International sind zudem bereits Impfstoffe aus China, Indien und Russland im Einsatz.

Wie wirksam sind die bisherigen Impfstoffe?

Nach Angaben des Mainzer Unternehmens Biontech und des US-Pharmakonzerns Pfizer erweist sich deren Impfstoff in 95 Prozent der Fälle als wirksam. Man sei optimistisch, dass die immunisierende Wirkung einer Impfung mindestens ein Jahr lang anhalten werde, hieß es nach dem Bekanntwerden erster Studienergebnisse. Auch der Impfstoff von Moderna erreicht mit 94,5 Prozent eine ähnlich hohe Wirksamkeit. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA gab beim Impfstoff von AstraZeneca und der Universität Oxford eine Wirksamkeit von 60 Prozent an. Wird die Dosierung individualisiert, kann dieser Wert laut AstraZeneca erhöht werden.

Aktuell prüfen mehrere Unternehmen, ob ihre Impfstoffe auch gegen die neue Coronavirus-Varianten, vor allem aus Großbritannien und Südafrika, wirksam sind. Hier zeigten sich unterschiedliche Ergebnisse. Südafrika hatte den geplanten Impfstart mit dem Vakzin von AstraZeneca wegen Zweifeln an dessen Wirksamkeit bei der im Land verbreiteten Virus-Variante gestoppt. Der Hersteller arbeitet - wie auch Moderna - bereits an einer überarbeiteten Version. EU-Gesundheitskommissarin Kyriakides stellte für solche Impfstoffe bereits ein beschleunigtes Zulassungsverfahren in Aussicht.

Welche weiteren aussichtsreichen Impfstoffkandidaten gibt es?

Johnson & Johnson beantragte bereits die Zulassung für seinen Corona-Impfstoff in den USA. Die Unterlagen seien bei der US-Arzneimittelbehörde FDA eingereicht worden, teilte der US-Pharmakonzern mit. Laut einer zuvor veröffentlichten weltweiten Studie weist das Vakzin eine Wirksamkeit von 66 Prozent auf.

Das deutsche Biotech-Unternehmen Curevac startete im Dezember mit der relevanten klinischen Phase-III-Studie für seinen mRNA-Impfstoff mit voraussichtlich mehr als 35.000 Teilnehmenden. Mit ersten Ergebnissen rechnet das Unternehmen nach eigenen Angaben Ende des ersten Quartals 2021. Ende Dezember startete auch das US-Unternehmen Novavax mit einer Phase-III-Studie in den USA.

Der französische Pharmakonzern Sanofi musste hingegen bereits bei zwei Impfstoff-Kandidaten von Rückschlägen beziehungsweise Verzögerungen berichten. Der US-Konzern Merck & Co hat angekündigt, sich lediglich auf die Entwicklung von Corona-Medikamenten zu fokussieren, nachdem seine Vakzine in der frühen klinischen Entwicklung keine entsprechenden Erfolge zeigten.

Wie steht es um die Impfstoffe aus Russland?

Russland hatte als erstes Land weltweit bereits im August einen Impfstoff zugelassen - ohne Tests an mehreren zehntausend Menschen. Nach Angaben des russischen Gesundheitsministeriums ist "Sputnik V" in mehr als 90 Prozent der Fälle wirksam. Eine in der Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlichte Studie kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Bundesgesundheitsminister Spahn begründete die Wirksamkeit mit dem Einsatz unterschiedlicher Vektoren für die Erst- und Zweitimpfung.

Für einen regulären Einsatz in der EU muss die Arzneimittel-Agentur EMA in Amsterdam grünes Licht geben. Vonseiten des russischen Staatsfonds, der die Entwicklung von Sputnik V finanziert hat, hieß es, die dafür benötigten Unterlagen seien bereits Mitte Januar eingereicht worden. Einen formellen Antrag auf Zulassung hat die EMA nach eigenen Angaben bis zum 10. Februar jedoch noch nicht erhalten. Ungarn wartete nicht auf eine europäische Entscheidung und ließ "Sputnik V" bereits zu.

Wie geht es nach der Zulassung eines Corona-Impfstoffs weiter?

Nach der Zulassung eines Impfstoffs warten zahlreiche Herausforderungen. Zunächst geht es um die massenhafte Produktion eines Vakzins. Die Hamburger Virologin Marylyn Addo sagte dazu im Deutschlandfunk, zunächst stünden in der Welt nicht genug Herstellungskapazitäten zur Verfügung. Ein von Addo vorausgesagter Ressourcenkampf ließ sich bereits in der Debatte um die Verteilung des AstraZeneca-Impfstoffs zwischen Großbritannien und der EU beobachten.

Klar ist, dass gerade am Anfang ausgewählt werden muss, wer zuerst eine Impfung bekommt. In Deutschland haben der Deutsche Ethikrat, die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina und die der Ständigen Impfkommission (StIKo) am Robert Koch-Institut dazu Empfehlungen erarbeitet. Zunächst sollen vor allem ältere Menschen geimpft werden. Die Strategie wurde jedoch in Teilen überarbeitet, da der AstraZeneca-Impfstoff zunächst nicht bei Personen über 65 eingesetzt werden soll.

Beendet ein Impfstoff die Pandemie?

Ein schnelles Ende der Pandemie ist durch Zulassung und Einsatz der Impfstoffe noch nicht gegeben. Zum einen, weil es eine gewisse Zeit dauert, bis genügend Menschen geimpft sind, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen. In Deutschland und weiteren EU-Staaten wird das Tempo der Impfungen kritisiert. Zahlreiche Staaten weltweit haben jedoch noch nicht einmal damit begonnen. Zudem ist nicht klar, ob schnell genug geimpft werden kann, um der Entwicklung gefährlicherer Virus-Mutationen entgegenwirken zu können. Der "Economist" berichtete etwa zuletzt darüber, dass Corona-Viren sich noch über Jahre hinweg verbreiten könnten.

Zwar gibt es zum Mittel von Biontech und Pfizer zum Beispiel eine vorläufige Auswertung von Krankenkassen-Daten aus Israel, die als ermutigend gewertet wurde. Aber noch ist auch nicht vollumfänglich klar, wie lange die Impfstoffe wirksam sind und was sie genau verhindern werden - ob lediglich schwere Verläufe wegfallen oder die Verbreitung des Coronavirus zuverlässig eingedämmt wird.

(Stand 15.02.2021)

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