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Covid-19So weit ist die Impfstoffforschung gegen das Coronavirus

Eine Mitarbeiterin am Institut für Virologie der technischen Universität München (TUM) pipettiert in einem Labor einen Ansatz zum Proteinnachweis. (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)
Weltweit arbeiten Wissenschaftler an einem Impfstoff gegen Covid-19. (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)

Das neuartige Coronavirus breitet sich immer noch auf aller Welt aus. Durch Maßnahmen wie Kontaktbeschränkungen und verstärkte Tests wird dies zwar verlangsamt – verhindert wird es nicht. Wirksamstes Mittel gegen Sars-CoV-2 und die vom Virus ausgelöste Erkrankung Covid-19 wäre ein Impfstoff. Weltweit wird daran geforscht, auch von deutschen Firmen. Die ersten Präparate gehen bald in die klinische Phase. Wir erklären, was das bedeutet und ab wann eine Impfung zur Verfügung stehen könnte.

Gerade hat das Tübinger Unternehmen CureVac für eine Studie in der klinischen Phase grünes Licht bekommen. Das heißt: Der entwickelte Wirkstoff wird an Menschen erprobt. Noch im Juni sollen nach Angaben des zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts erste Probanden geimpft werden. Ende April hatte bereits das Mainzer Unternehmen BioNTech eine solche Genehmigung erhalten. Bei solchen Phase-I-Studien geht es allerdings noch nicht um die Wirksamkeit eines Präparats, sondern um dessen Sicherheit.

Weltweit mehrere Projekte in klinischer Phase

CureVac und BioNTech sind nicht die einzigen Firmen, deren Impfstoff-Kandidaten derzeit klinisch geprüft werden: Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen - vfa - listet auf seiner Internetseite elf Projekte, die meisten davon in Zusammenarbeit mit wissenschaftlichen Instituten. Mindestens sieben weitere bemühen sich demnach um eine Genehmigung für klinische Tests. Ob aus diesen Prüfverfahren tatsächlich ein oder mehrere Impfstoffe hervorgehen, ist noch nicht bekannt.

Der internationale Pharmakonzern AstraZeneca ist hier bereits einen Schritt weiter. Die Studien zu einem an der Universität Oxford entwickelten Impfstoff-Kandidaten, die er finanziert, organisiert und vermarktet, befinden sich in der klinischen Phase II; hier geht es vor allem darum, eine geeignete Dosierung zu finden und sicherzustellen, dass der Körper einen Schutz gegen das Virus entwickelt - und noch einmal um eine Prüfung der Verträglichkeit. Phase III - die letzte vor einem Zulassungsverfahren - ist genehmigt. Bei den ersten Studien liegen bereits Zwischenergebnisse vor; für das Portal "t-online" hat Nicole Sagener den aktuellen Stand der Forschung zusammengefasst.

Wann könnte es einen oder mehrere Impfstoffe geben? Die Schätzungen variieren: Der Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts sagte dem "Mannheimer Morgen", er könne sich vorstellen, dass Ende des Jahres über eine Zulassung gesprochen werde, die Europäische Arzneimittelagentur EMA rechnet mit der Zulassung im Frühjahr 2021, wenn alles optimal läuft.

Deutschland und EU-Länder sichern sich Impfdosen

Eine Allianz aus Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden hat einen Vorvertrag mit AstraZeneca geschlossen, der - sollte der Impfstoff-Kandidat zur Marktreife gelangen - diesen Staaten 400 Millionen Impfdosen sichert. Nach den Worten von Bundesgesundheitsminister Spahn sollen in diesem Fall alle EU-Mitgliedsstaaten profitieren; die Impfdosen würden relativ zur Bevölkerungsgröße aufgeteilt. Ähnliche Vereinbarungen hat AstraZeneca etwa mit den USA und Großbritannien geschlossen; verhandelt werde auch mit Japan, Russland, Brasilien und China, heißt es von Unternehmensseite.

Impfstoff-Entwicklung ist langwierig - und riskant

Normalerweise dauert es viele Jahre, bis ein Impfstoff gegen einen Krankheitserreger gefunden ist - und der Prozess kann in jeder Phase scheitern. Im Fall von Sars-CoV-2 hatten die Forschenden Glück: Die Sequenz des Viren-Erbguts - in diesem Fall einzelsträngige RNA - war schnell bekannt - und damit auch eine nahe Verwandtschaft mit den Coronaviren, die SARS und MERS verursachen. Von Impfstoffen gegen diese Viren wusste man, dass es für eine gute Wirkung vor allem auf das Protein ankommt, das dem Virus sein typisches Aussehen mit den hervorstehenden "Zacken" auf der Virushülle verleiht. Die meisten Projekte, die an einem Impfstoff gegen Sars-CoV-2 forschen, haben das bei ihren Studien berücksichtigt. Welche Phasen es bei der Impfstoff-Entwicklung gibt und was sie beinhalten, haben die Kollegen von "Forschung aktuell" hier erklärt.

Massenproduktion ist die nächste Hürde

Sollte die Entwicklung eines Impfstoffs gelingen, wartet die nächste Herausforderung: die massenhafte Produktion. Die Hamburger Virologin Marylyn Addo sagte dazu im Deutschlandfunk, momentan stünden in der Welt nicht genug Herstellungskapazitäten zur Verfügung. Daher werde es in den kommenden Monaten zu einem Ressourcenkampf kommen: "Es ist wichtig, dass man sich damit beschäftigt und dass man versucht, eine faire Verteilung der Herstellungskapazitäten, aber auch später eine faire Verteilung des Impfstoffs zu gewährleisten." Der vfa nennt deshalb das Ziel, für möglichst viele Impfstoffe eine Zulassung zu erreichen und sicherzustellen, dass diese Präparate unter Nutzung vieler Produktionsanlagen hergestellt werden können. Demnach haben mehrere potentielle Hersteller, darunter AstraZeneca, angekündigt, ihre Impfstoffe für die Dauer der Pandemie zu Herstellerkosten zu liefern.

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