Die Nachrichten

Die Nachrichten

Die Nachrichten

Covid-19So weit ist die Impfstoffforschung gegen das Coronavirus

Eine Mitarbeiterin am Institut für Virologie der technischen Universität München (TUM) pipettiert in einem Labor einen Ansatz zum Proteinnachweis. (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)
Weltweit arbeiten Wissenschaftler an einem Impfstoff gegen Covid-19. (picture alliance / dpa / Sven Hoppe)

Als wirksamstes Mittel gegen Sars-CoV-2 und die von dem Virus ausgelöste Erkrankung Covid-19 gilt ein Impfstoff. Weltweit wird daran geforscht, auch von deutschen Firmen. Welche Perspektiven gibt es? Ein Überblick zum Stand der Forschung.

Wie wird ein Impfstoff bis zur Zulassung getestet?

Über 150 mögliche Impfstoffe sind in der Entwicklung, 23 werden bereits an Menschen getestet. Ein Impfstoff durchläuft bis zur Zulassung mehrere Phasen. In Phase I geht es noch nicht um die Wirksamkeit eines Präparats, sondern um dessen Sicherheit. Tests erfolgen an einer kleinen Gruppe unter 100 Personen. In Phase II wird der Stoff an bis zu 1.000 Menschen getestet und sichergestellt, dass der Körper einen Schutz gegen das Virus entwickelt. In Phase III wird der Stoff mehreren Tausend gesunden Freiwilligen verabreicht. Es geht unter anderem um die Bestätigung der Dosierung sowie um Wechsel- und Nebenwirkungen.

Mehrere Studien haben bereits die dritte und letzte Phase vor der Zulassung erreicht. Bei den ersten Studien liegen Zwischenergebnisse vor. Welche Impfstoffe erfolgversprechend sind, lesen Sie hier.

Wo stehen Studien für einen Covid-19-Impfstoff?

In Deutschland hat das Tübinger Unternehmen Curevac für eine Studie in der klinischen Phase grünes Licht bekommen. Das heißt: Der entwickelte Wirkstoff wird an Menschen erprobt. Ergebnisse erwartet das Unternehmen Ende des Jahres. Bis Mitte nächsten Jahres soll der Impfstoff marktreif sein, wenn die Studien erfolgreich sind.

Der britische Pharmakonzern AstraZeneca, der mit der Universität Oxford zusammenarbeitet, befindet sich in der klinischen Studie der Phase III. Der Impfstoff wird derzeit in Großbritannien, Brasilien und Südafrika getestet. Eine weitere Studie soll in den USA starten. Der Wirkstoff hatte zuvor bei Tests mit 1.000 Probanden schon positive Ergebnisse gezeigt. Er gehört zu den am weitesten fortgeschrittenen Impfstoff-Kandidaten und könnte schon Ende des Jahres bereitstehen.

Die Behörden in Russland gehen davon aus, im Oktober mit Reihenimpfungen gegen das Coronavirus beginnen zu können. Das teilte Gesundheitsminister Muraschko Anfang August mit. Über den Impfstoff, der verwendet werden soll, sagte der Minister nichts. Die russische Armee hatte im Juni und Juli einen möglichen Impfstoff an Soldaten getestet. Nachprüfbare Studien wurden dazu bislang nicht veröffentlicht. Zu Beginn der Versuche hatte Muraschko betont, wenn man einen Impfstoff habe, werde man ihn weltweit zur Verfügung stellen. Zuletzt hatte es sogar geheißen, die Impfungen könnten noch im August beginnen.

30.000 Menschen nehmen an Studie teil

In den Vereinigten Staaten ist gerade eine der größten Impfstoff-Studien in die dritte Phase eingetreten. Das US-Unternehmen Moderna testet sein Präparat in Zusammenarbeit mit dem Nationalen Institut für Infektionskrankheiten an 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Sie wissen jeweils nicht, ob sie den Impfstoff oder ein Placebo erhalten. Getestet wird in 30 Bundesstaaten, darunter Texas, Kalifornien und Florida. Erste Ergebnisse sollen im November vorliegen.

Auch das deutsche Pharmaunternehmen Biontech und sein US-amerikanischer Partner Pfizer haben die Erlaubnis für den Start einer Phase 2/3 Studie mit rund 30.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Alter von 18 bis 85 Jahren erhalten. Die Untersuchung läuft in den Vereinigten Staaten an. Bald sollen allerdings weltweit rund 120 Studienzentren eingeschlossen werden, unter anderem in Argentinien, Brasilien und Deutschland. Bei Erfolg der Studie wollen Pfizer und Biontech nach eigenen Angaben bereits im Oktober 2020 das Zulassungsverfahren beantragen und im Falle einer Genehmigung bis Ende des Jahres bis zu 100 Millionen Impfstoffdosen herstellen.

Der chinesische Pharmakonzern Sinovac ist in Brasilien ebenso in die entscheidende Phase III gestartet. In der Metropole São Paulo sollen 9.000 Angestellte aus dem Gesundheitssektor den Impfstoff erhalten.

Deutschland und EU-Länder sichern sich Impfdosen

Eine Allianz aus Deutschland, Frankreich, Italien und den Niederlanden hat einen Vorvertrag mit AstraZeneca geschlossen. Er sichert diesen Staaten 400 Millionen Impfdosen, wenn ein Produkt zur Marktreife gelangt. Bundesgesundheitsminister Spahn betonte, es sollten alle EU-Mitgliedsstaaten profitieren. Die Impfdosen würden relativ zur Bevölkerungsgröße aufgeteilt. Ähnliche Vereinbarungen hat AstraZeneca etwa mit den USA und Großbritannien geschlossen. Verhandelt werde auch mit Japan, Russland, Brasilien und China, heißt es von Unternehmensseite.

Impfstoff-Entwicklung ist langwierig - und riskant

Normalerweise dauert es viele Jahre, bis ein Impfstoff gegen einen Krankheitserreger gefunden ist - und der Prozess kann in jeder Phase scheitern. Im Fall von Sars-CoV-2 hatten die Forschenden Glück: Die Sequenz des Viren-Erbguts - in diesem Fall einzelsträngige RNA - war schnell bekannt - und damit auch eine nahe Verwandtschaft mit den Coronaviren, die SARS und MERS verursachen. Von Impfstoffen gegen diese Viren wusste man, dass es für eine gute Wirkung vor allem auf das Protein ankommt, das dem Virus sein typisches Aussehen mit den hervorstehenden "Zacken" auf der Virushülle verleiht. Die meisten Projekte, die an einem Impfstoff gegen Sars-CoV-2 forschen, haben das bei ihren Studien berücksichtigt. Warum es so lange dauert, einen Impfstoff zu entwickeln, haben die Kollegen von "Forschung aktuell" hier erklärt.

Massenproduktion ist die nächste Hürde

Sollte die Entwicklung eines Impfstoffs gelingen, wartet die nächste Herausforderung: die massenhafte Produktion. Die Hamburger Virologin Marylyn Addo sagte dazu im Deutschlandfunk, momentan stünden in der Welt nicht genug Herstellungskapazitäten zur Verfügung. Daher werde es in den kommenden Monaten zu einem Ressourcenkampf kommen: "Es ist wichtig, dass man sich damit beschäftigt und dass man versucht, eine faire Verteilung der Herstellungskapazitäten, aber auch später eine faire Verteilung des Impfstoffs zu gewährleisten."

Der Verband der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) nennt deshalb das Ziel, für möglichst viele Impfstoffe eine Zulassung zu erreichen und sicherzustellen, dass diese Präparate unter Nutzung vieler Produktionsanlagen hergestellt werden können. Demnach haben mehrere potenzielle Hersteller, darunter Astrazeneca, angekündigt, ihre Impfstoffe für die Dauer der Pandemie zu Herstellerkosten zu liefern.

(Stand 1.8.2020)

Weiterführende Artikel zum Coronavirus

Wir haben ein Nachrichtenblog angelegt. Das bietet angesichts der zahlreichen Informationen einen Überblick über die wichtigsten aktuellen Entwicklungen.

Urlaub und Freizeit

+ Reisen: Die aktuellen Regelungen in Deutschland
+ Infektionszahlen und Einreise: Wie ist die Lage in den Urlaubsländern
+ Unterwegs: Welche Regeln in der Bahn und im Flugzeug gelten
+ Maskenpflicht in Bussen und Bahnen: Wer setzt sie eigentlich durch?
+ Tourismus: Reise-Kunden können weiter Geld zurück verlangen

Zahlen und Daten zur Coronavirus-Pandemie

+ Aktuelle Entwicklungen: Zahlen zum Coronavirus in Deutschland
+ Deutschland: Warum die Todesrate durch das Coronavirus in Deutschland vergleichsweise niedrig ist
+ Unentdeckte Infizierte: Wie hoch die Dunkelziffer bei den Coronavirus-Infektionen ist
+ Welche Zahlen wir zum Coronavirus nennen und warum
+ Desinformation: Warum Bill Gates zum Ziel von Verschwörungstheoretikern geworden ist

Ansteckung und Übertragung

+ Übersterblichkeit: Wie tödlich ist das Coronavirus?
+ Spätfolgen: Wie sehen die Langzeitfolgen einer Corona-Infektion aus?
+ Prävention: Wie es derzeit um eine Zweite Welle beim Coronavirus steht
+ Kinder: Wie es um die Gefahr der Ansteckung und Verbreitung bei ihnen steht
+ Tröpfcheninfektion oder Schwebeteilchen: Welche Rolle spielen Aerosol-Partikel bei der Übertragung?
+ Ausbreitung: Wie gefährlich sind Superspreader in der Corona-Pandemie?
+ Einkaufswagen und Co.: Wie lange sich das Coronavirus auf Oberflächen hält

Test und Schutz

+ Herbst: Was zu tun ist, wenn Corona und Grippewelle aufeinandertreffen
+ Tests: Wie sinnvoll sind Corona-Massentests für alle?
+ Tests: Wo man sich testen lassen kann
+ Impfung: So weit ist die Forschung
+ Behandlung: Wie weit ist die Suche nach Medikamenten gegen Covid-19?
+ Gesichtsmasken: Was man zu Schutzmasken wissen sollte

Die Dlf-Nachrichten finden Sie auch bei Twitter unter: @DLFNachrichten.