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Covid-19Tests auf das Coronavirus: Wann, wo und wie?

Ein medizinischer Mitarbeiter zeigt ein Testkit zur Prüfung von Infektionen auf den neuartigen Coronavirus.  (Claudio Furlan/LaPresse/AP/dpa)
Ein medizinischer Mitarbeiter zeigt ein Testkit zur Prüfung von Infektionen auf den neuartigen Coronavirus. (Claudio Furlan/LaPresse/AP/dpa)

Tests auf das Corona-Virus SARS-CoV-2 gelten als Schlüssel zur Eindämmung der Pandemie. Seit dem Ausbruch in Deutschland sind die Testkapazitäten erheblich ausgeweitet worden. Doch deutsche Labore warnen mittlerweile vor Engpässen und auch das Robert Koch-Institut hat zwischendurch eine Priorisierung der Tests angeregt. Wie gut also ist Deutschland gerüstet?

Jeden Mittwoch veröffentlicht das RKI im Lagebericht Daten zu Testkapazitäten und Testungen in Deutschland. In der Kalenderwoche 35 fielen demnach 0,98 Prozent der Tests positiv aus. In der Woche zuvor war es 0,88. Insgesamt wurden dem RKI in der Kalenderwoche 35 mehr als 1.100.000 durchgeführte Tests übermittelt (Vorwoche: gut 1.050.000). Die Behörde weist aber darauf hin, dass die Zahl der Tests nicht mit der Zahl der getesteten Personen gleichzusetzen ist - denn eine Person könne durchaus mehrfach getestet worden sein. Für die selbe Woche gaben die Labore eine mögliche Testkapazität von gut 1.402.000 an.

Die Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM) sprechen von einer Auslastung von 85 Prozent im Bundesdurchschnitt. In einigen Bundesländern seien aber auch Spitzenauslastungen von mehr als 100 Prozent zu beobachten. ALM-Vorstand Kramer warnte, dass im schlimmsten Fall eine Situation entstehen könnte, in der eine Triage stattfinden müsse.

Auch der Virologe Drosten warnte im Donaukurier, die Kapazitäten würden allmählich zur Neige gehen, wenn weiter kostenlos getestet werde. Für Mitte/Ende August vermeldete das Robert Koch-Institut einen Rückstau bei den zu bearbeitenden Proben in 70 Laboren, rund 50 hätten mit Lieferschwierigkeiten bei Reagenzien zu tun. Dies wiederum könne zu Verzögerungen bei der Abklärung von Sars-CoV-2-Infektionen führen - und damit auch bei der Einleitung von Schutzmaßnahmen durch die Gesundheitsämter. Empfohlen wurde deshalb eine Priorisierung der Tests "in Abhängigkeit freier Testkapazitäten".

Ab 1. Oktober: Quarantäne statt Test-Pflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten

Die Zahl der Tests ist auch deshalb angestiegen, weil sich aus dem Ausland zurückkehrende Urlauber seit dem 1. August kostenlos auf das Coronavirus testen lassen können. Die Tests sind für alle Rückreisenden auch ohne Symptome innerhalb von 72 Stunden nach der Ankunft in Deutschland möglich. Sie werden etwa in Einrichtungen an Flughäfen, in Gesundheitsämtern sowie Arztpraxen durchgeführt. Bezahlt werden die Tests zunächst von den gesetzlichen Krankenkassen, die Finanzierung soll durch Bundeszuschüsse sichergestellt werden. Für einen kostenlosen Test müssen die Reisenden einen Nachweis für ihren Auslandsaufenthalts erbringen, etwa durch ein Flugticket oder eine Hotelrechnung. Auch die Kosten für einen Wiederholungs-Untersuchung wenige Tage später werden übernommen. Diese Regelung soll bis zum Ende der letzten Sommerferien in Baden-Württemberg Mitte September abgeschafft werden. Darauf hatten sich die Gesundheitsminister von Bund und Ländern Ende August verständigt. Dann müssten Reiserückkehrer den Corona-Test wieder selbst zahlen.

Die angeordnete Test-Pflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten wird voraussichtlich zum 1. Oktober abgeschafft. Stattdessen sollen sich die Urlauber unverzüglich für 14 Tage nach ihrer Einreise in Quarantäne begeben. Nach mindestens fünf Tagen sollen sie dann einen Corona-Test machen können, um bei einem negativen Ergebnis die Quarantäne-Pflicht aufzuheben.

Die Risikogebiete können auf den Internet-Seiten des Robert Koch-Instituts eingesehen werden. Kritik kam unter anderem von der Luftverkehrswirtschaft, die herbe Einschnitte im Reiseverkehr befürchtet.

Wer kann und soll sich außerdem testen lassen?

Während zu Beginn der Pandemie lediglich Personen mit starken Symptomen und/oder Kontakt zu Infizierten getestet wurden, empfiehlt das RKI inzwischen auch Tests bei nur leichten Atemwegsbeschwerden wie zum Beispiel Husten. Zudem sei die Erkältungssaison vorbei und es seien "mehr Treffer" zu Covid-19-Erkrankungen zu erwarten.

Nicht zuletzt sei es nach der Lockerung der Ausgangsbeschränkungen "besonders wichtig", Corona-Infektionen schon bei schwachen Symptomen zu erkennen, betonte RKI-Vizepräsident Schaade in Berlin. Es werde dringend empfohlen, "dass jeder mit einem Atemwegsinfekt, ob Husten oder Fieber, auch getestet werden sollte".

Wo sind aktuell Tests möglich?

Für alle Verdachtsfälle gilt, dass man nicht unangemeldet in die nächste Arztpraxis gehen soll. Die Infektionsgefahr ist zu groß. Die Empfehlung lautet: Melden Sie sich telefonisch beim Hausarzt, der Hausärztin oder - wenn diese nicht zu erreichen sind - bei der bundesweiten Rufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes unter 116 117 (Informationen des Bereitschaftsdienstes hier auch online). Auch das örtliche Gesundheitsamt sollte telefonisch kontaktiert werden, das zuständige Gesundheitsamt findet man beim Robert Koch-Institut durch einfache Eingabe der eigenen Postleitzahl.

Die Gesundheitsämter informieren dann über die örtlichen Test- oder Abstrichzentren und vergeben Termine dafür. Alternativ können auch Ärztinnen und Ärzte dahin überweisen. Denn bei Teststellen gilt ebenso: nicht unangemeldet vorbeikommen. In Kreisen, die von einem lokalen Corona-Ausbruch betroffen waren und Testzentren eingerichtet wurden, war mitunter keine Voranmeldung erforderlich.

Vielerorts sind sogenannte Drive-In-Tests möglich. Dabei wird der Abstrich durch das geöffnete Autofenster hindurch genommen. Wer sich testen lässt, muss im Auto sitzen bleiben, um so das Ansteckungsrisiko für andere so gering wie möglich zu halten.

Wie läuft ein Test auf das Coronavirus ab?

Für den Test wird in Deutschland üblicherweise ein Rachenabstrich verwendet. Das bedeutet, dass eine Pflegekraft mit einem speziellen Wattestäbchen etwas Sekret aus dem Hals entnimmt.

Die reine Testzeit zur Auswertung der Probe beträgt nach Angaben des Robert Koch-Instituts etwa vier bis fünf Stunden. In der Praxis vergehen derzeit in der Regel 24 bis 48 Stunden, bis der Patient oder die Patientin das Ergebnis erfährt.

Solange das Ergebnis noch nicht vorliegt, sollte man davon ausgehen, dass man andere Menschen anstecken kann, und deshalb zuhause bleiben und Kontakte vermeiden.

Das RKI weist darauf hin: Wenn man gesund ist, sich aber noch in der Inkubationszeit befindet (diese kann bis zu 14 Tage betragen), sagt ein negativer Test auf das Coronavirus nichts darüber aus, ob man doch noch krank werden kann.

Alternative Tests

Inzwischen arbeiten viele Unternehmen an Schnelltests. Allerdings wird noch untersucht, wie genau diese sind. Der Virologe Kekulé plädierte dafür statt teurer und aufwendiger Polymerase-Kettenreaktionstests (PCR), Antigen-Schnelltests in den Apotheken durchführen zu lassen. Zwar seien diese weniger genau als der Nachweis durch den PCR-Test, es gehe aber darum, dass "möglichst viele Menschen die Möglichkeit haben, festzustellen, ob sie positiv sind", betonte der Virologe in seinem MDR-Podcast.

Bislang kommen in Deutschland keine Antigen-Schnelltests zum Einsatz. Kekulé aber meint: Es wäre für die Menschen auch psychologisch wichtig, zu wissen, ob sie das Corona-Virus in sich trügen oder nicht.

(Stand 27.08.2020)

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