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StartseiteForschung aktuellUnklarheit bei Immunität nach Corona-Infektion28.04.2020

COVID-19Unklarheit bei Immunität nach Corona-Infektion

Beim Thema Immunität gegen SARS-Cov-2 steht die Forschung noch ziemlich am Anfang. Wer schon mal an COVID-19 erkrankt ist, hat aber vermutlich eine Weile Ruhe. Das können Jahre sein oder auch nur Monate. Auch eine frühere Erkrankung mit harmlosen Coronaviren könnte von Vorteil sein. Ein Überblick.

Von Christine Westerhaus

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Zwei Frauen sind zu sehen, eine mit, eine ohne Mund-Nasen-Schutz (picture alliance/Geisler-Fotopress/Christoph Hardt)
Wer einmal von Coronaviren ausgelöste Erkältung hatte, könnte möglicherweise gegen SARS-CoV-2 über eine gewisse Zeit immun sein (picture alliance/Geisler-Fotopress/Christoph Hardt)
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Derzeit gibt es keinen Beweis, dass Personen, die sich von COVID-19 erholt haben und Antikörper haben, vor einer zweiten Infektion geschützt sind, warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Dennoch vermuten Wissenschaftler nach Erfahrungen mit anderen Coronaviren, dass man nach einer überstandenen Infektion zumindest eine gewisse Zeit immun ist. 

Wird man immun, wenn man die Infektion einmal durchgemacht hat?

Wissenschaftler gehen davon eigentlich immer noch aus. Es wäre ungewöhnlich, dass man sich mit demselben Virus innerhalb kurzer Zeit noch mal infiziert und krank wird, wenn man nach einer Vireninfektion Antikörper gebildet hat. Es gibt zwar eine Studie, die von über 90 Menschen aus Südkorea berichtet hat, bei denen der Erreger nach einer Gesundung erneut nachgewiesen wurde. Das könnte allerdings auch andere Ursachen haben. Die meisten Wissenschaftler gehen immer noch davon aus, dass man immun wird, allerdings ist das nicht 100-prozentig gesichert.

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Wie lange wäre man wahrscheinlich immun?

Das ist momentan unklar, das würde man erst genauer wissen, wenn man Menschen, die die Infektion durchgemacht haben, nach einer gewissen Zeit noch mal testet. Allerdings hat man schon Erfahrungen mit anderen Coronaviren, die harmloser sind und zum Beispiel bei Menschen Erkältungen hervorrufen. Forscher sehen hier Hinweise darauf, dass Menschen, die mit diesen anderen, harmlosen Coronaviren inifiziert waren, mindestens ein Jahr lang immun sind.

Dann gibt es Untersuchungen zu SARS, das ist ein Coronavirus, das SARS-CoV-2 recht ähnlich ist - quasi der nächste Verwandte. Diese Studien zeigen, dass die Immunität bis zu zwei Jahre anhält. Aus diesem Wissen leiten Forscher verschiedene Vermutungen zu COVID-19 ab: Wissenschaftler des Imperial College in London gehen in ihren Modellierungen davon aus, dass die Immunität für mindestens eine weitere Saison besteht, andere sagen: Vermutlich hält die Immunität sogar bis zu drei Jahre.

Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)Übersicht zum Thema Coronavirus (Imago/Rob Engelaar/Hollandse Hoogte)

Hat man, wenn man eine Erkältung mit einem anderen Coronavirus durchgemacht hat, einen Schutz vor COVID-19?

Das leitet sich zumindest aus einer Studie aus China ab, die noch nicht in einem Fachmagazin veröffentlicht ist. Forscher haben herausgefunden, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein infizierter Mensch Personen in seinem Haushalt ansteckt – erstaunlicherweise bei nicht mal 20 Prozent liegt. Eigentlich würde man erwarten, dass sich deutlich mehr Menschen im selben Haushalt anstecken, weil man ja im engen Kontakt lebt. Christian Drosten von der Berliner Charité vermutet, dass Menschen möglicherweise eine Grundimmunität bekommen, wenn sie früher schon Infektionen mit anderen Coronaviren durchgemacht haben - also mit solchen, die harmlose Erkältungen verursacht haben. Das könnte erklären, warum manche Menschen einen sehr leichten Verlauf einer COVID-19 Infektion haben oder sogar überhaupt keine Symptome zeigen.

Ein ähnliches Phänomen kennen Forscher übrigens auch von der Grippe: Viele Menschen haben eine Teilimmunität gegen bestimmte Grippeviren-Stämme, wenn sie eine Infektion mit einem Erreger aus derselben Virengruppe durchgemacht haben. Sie können zwar erneut mit neuen Erregerstämmen aus dieser Gruppe infiziert werden. Aber der Verlauf der Erkrankung, also die Symptome, ist schwächer. Ob das bei einer COVID-19-Infektion genauso ist, ist allerdings aus Forschersicht momentan unklar.  

Grippeviren verändern sich so schnell, dass man sich immer wieder neu impfen lassen muss. Wie verhält es sich bei SARS-CoV-2? 

Das ist noch unklar. Die Erfahrung mit anderen Coronaviren zeigt aber, dass sich das Erbgut dieser Viren nicht so schnell verändert wie beispielsweise bei der Grippe. Bei SARS-CoV-2 sieht man zwar, dass das Virus in der Zeit, in der es jetzt schon in Europa und auf der ganzen Welt unterwegs ist, mutiert. Entscheidend für Impfstoffe oder die Frage, wie lange man immun ist, ist aber nicht die Anzahl der Mutationen. Sondern die Frage, an welcher Stelle des Genoms die Veränderungen stattfinden.

Für die Impfstoffentwicklung sind bestimmte Proteine auf der Oberfläche der Viren entscheidend. Diese werden vom Immunsystem erkannt und es bildet Antikörper gegen diese Oberflächenstrukturen, die das Virus dann unschädlich machen. Wenn dann später noch mal Viren in den Körper gelangen, die dieselben Strukturen auf ihrer Oberfläche haben, erkennt das Immunsystem diese und die im Körper vorhandenen Antikörper reagieren darauf.

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Wenn diese Oberflächenstrukturen des Virus sich aber verändern, dann passen die gebildeten Antikörper nicht mehr. Dann muss das Immunsystem erst neue Antikörper bilden, damit es die Viren unschädlich machen kann. Beim Grippevirus verändern sich diese Strukturen recht häufig. Aus den bisher ermittelten Daten über die Genome der Erreger, die derzeit in den unterschiedlichen Ländern unterwegs sind, lässt sich bislang nicht schließen, dass sich der COVID-19-Erreger so verändert, dass immer neue Impfungen nötig werden. Momentan sehen Wissenschaftler auch keine Hinweise darauf, dass das Virus gefährlicher wird. Allerdings kann das SARS-Coronavirus-2 auch unter einen starken Selektionsdruck geraten, wenn immer mehr Menschen immun werden. Dann würden kleine Veränderungen im Erbgut des Erregers, die dazu führen, dass die Strukturen auf der Oberfläche sich ändern, enorme Vorteile bieten, und dann könnte das Virus immune Menschen neu infizieren.

Wie viele Varianten des SARS-CoV-2 sind aktuell unterwegs? Gibt es in Italien eine besonders aggressive Variante? 

Diese Idee kursierte mal kurz. Das war im März. Damals gab es eine Veröffentlichung chinesischer Forscher, die postuliert hatten, dass es zwei Varianten gibt, die kursieren. Inzwischen sind die Wissenschaftler sich einig darüber, dass nur eine Variante dieses SARS-Coronavirus-2 unterwegs ist.

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