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Covid-19Warum die Corona-Sterberate so niedrig und die Infektions-Zahl so hoch ist

Biologin mit Schutzkleidung bei einem COVID-19-Test im Labor (Eyepix / Cover Images)
Biologin bei einem Covid-19-Test im Labor (Symbolbild) (Eyepix / Cover Images)

In Deutschland nehmen die registrierten Corona-Neuinfektionen seit einigen Wochen wieder zu. Gleichzeitig ist die Zahl der Menschen, die im Zusammenhang mit dem Coronavirus sterben, wie auch anderen europäischen Ländern deutlich geringer als zu Beginn der Pandemie. Experten haben dafür verschiedene Erklärungen. Ein Überblick.

Statistiken des Robert Koch-Instituts und aus den Bundesländern zeigen: Viele Menschen bringen das Virus aus dem Urlaub mit. Trotzdem sind einige der Ansicht, dass der Anstieg der Neuinfektionen mit vermehrten Tests zu tun hat. Fakt ist, dass die Gesamtzahl der Tests kontinuierlich steigt. Seit Monaten werden die Kapazitäten ausgebaut. Dem Robert Koch-Institut (RKI) übermittelten Labore seit Ende Juni jede Woche eine Test-Zahl von mehr als 500.000, Ende August waren es sogar mehr als 1,1 Millionen in einer Woche. Zum Vergleich: In der Woche zwischen 27. April und 3. Mai waren es rund 327.000 Tests.

Mehr Tests heißt nicht gleich mehr Neuinfektionen

Das Science Media Center (SMC) hat in einer Auswertung der RKI-Daten untersucht, wie sich die Zahl der Corona-Nachweise im Verhältnis zur Gesamtzahl der Tests entwickelt hat. Demnach war zum Beispiel zwischen Anfang April und Mitte Juni die Zahl gemeldeter Coronafälle Woche für Woche gesunken, während die Zahl der durchgeführten Tests zuweilen stieg - oder auch sank.

In jüngster Zeit hat sich die Zahl der Tests teilweise nur leicht erhöht, während die gemeldeten Positiv-Ergebnisse höhere Wachstumsraten verzeichneten. Ein Beispiel: In der Woche zwischen 6. und 12. Juli waren unter gut 510.000 Tests knapp 3.000 Positiv-Befunde. Vier Wochen später (3. bis 7. August) wurden 672.000 Resultate übermittelt, davon etwa 6.900 positive. Während also die Anzahl der Tests um knapp 32 Prozent anstieg, sprang die Zahl der Corona-Fälle um 131 Prozent.

Das RKI hält sich allerdings zurück, diese beiden Angaben aus unterschiedlichen Datenquellen miteinander ins Verhältnis zu setzen. Während festgestellte Corona-Infektionen verpflichtend übermittelt werden müssten, sei die Zahl der durchgeführten Tests eine freiwillige Angabe der Labore. Diese Zahl schwanke, es gebe Nachmeldungen.

Zweite Welle an Corona-Neuinfektionen in ganz Europa

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen war europaweit bis Juli rückläufig, seitdem nimmt sie wieder stetig zu. Besonders besorgniserregend sind die Anstiege aus deutscher Sicht in europäischen Reiseländern wie Spanien und Frankreich. Lesen Sie hier, wie es um eine zweite Welle der Corona-Infektionen steht.

Nicht in demselben Maße wachsen allerdings die Zahlen schwerer Erkrankungen und Todesfälle. Zu Beginn der Corona-Pandemie wurden vor allem Personen untersucht, deren Krankheitszeichen auf eine mögliche Covid-19-Diagnose hindeuteten. Aktuell werden im Verhältnis mehr Personen im arbeitsfähigen Alter getestet - etwa Reisende oder Lehrer.

Vor allem junge Menschen infizieren sich

Der Virologe Christian Drosten sieht auch einen Grund in der Altersstruktur. Im April lag das Durchschnittsalter der vom RKI erfassten Infizierten bei 50 Jahren, aktuell bei 34 Jahren. Bei jüngeren Menschen treten schwere Verläufe seltener auf als bei älteren. Alte Menschen blieben jetzt eher zu Hause, solche Veränderungen im Verhalten seien mit entscheidend für die niedrigere Todesrate, sagte Drosten im Wissenschaftspodcast "This Week in Virology". Familien würden es zum Beispiel mehr vermeiden, die Großeltern zu besuchen.

Generell gilt: Es gibt wahrscheinlich eine hohe Dunkelziffer an Infizierten und Genesenen. Das liegt unter anderem daran, dass sehr viele Infektionen mild verlaufen. Die Epidemiologin Nicola Low von der Universität Bern geht etwa davon aus, dass der Anteil der Corona-Infizierten, die keine Symptome haben, bei 20 bis 30 Prozent liegt. Die Zahlen aus unterschiedlichen Studien zu dem Thema schwanken insgesamt aber erheblich. Laut RKI liegt die Zahl der asymptomatisch Erkrankten bei etwa 35 Prozent.

In Spanien ist die Situation noch extremer. Das beliebte Urlaubsland verzeichnet derzeit höhere Corona-Neuinfektionen als zu Beginn der Pandemie, zuletzt waren es über 10.000 Neuinfizierte am Tag. Im täglichen Corona-Bericht des Gesundheitsministeriums wird auch der Anteil der Infizierten erfasst, die Corona-Symptome zeigen: In Madrid (31.146 Neuinfizierte in den letzten 14 Tagen) hatte nur jeder zehnte Infizierte Corona-Symptome (3.152).

(Stand: 04.09.2020)

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