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Covid-19Warum die Zahl der Coronavirus-Infektionen in den USA so stark steigt

NYC: Passant mit Atemmaske (Sputnik/dpa )
In den USA fordern die Demokraten eine Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. (Sputnik/dpa )

In den USA weitet sich die Corona-Pandemie wieder schneller aus. Allein am Wochenende wurden fast 90.000 Neuinfektionen gemeldet. Warum steigen die Zahlen so deutlich? Inwieweit ist dafür auch die Politik verantwortlich?

In dem Land mit seinen rund 330 Millionen Einwohnern gibt es der Universität Johns Hopkins zufolge inzwischen 2,5 Millionen bekannte Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2. Mehr als 125.000 Menschen sind nach einer Infektion gestorben.

Wo ist die Lage besonders angespannt?

In den USA hat sich die Pandemie von Städten wie New York auf den Süden verlagert. Besonders stark nehmen die bestätigten Infektionen in den südlichen Bundesstaaten wie Florida, Texas, Kalifornien und Arizona zu.

Vizepräsident Mike Pence, der gleichzeitig auch die Corona-Taskforce der Regierung leitet, sagte Wahlkampfveranstaltungen in Arizona und Florida ab. An den Reisen in die beiden Staaten sowie nach Texas will er diese Woche aber festhalten, um die dortigen Gouverneure zu treffen. Ihnen wird von Kritikern vorgeworfen, zu früh die Corona-Beschränkungen gelockert und damit die Ausbreitung des Virus befördert zu haben.

Wie in Deutschland sind auch in den USA Fleischfabriken ein Herd für Infektionen. In Missouri wurden 371 Angestellte eines Hühnerverarbeitungsbetriebs von Tyson Foods positiv auf das Virus getestet.

Warum sind die Zahlen deratig in die Höhe geschnellt?

Die "New York Times" führt mehrere Gründe für die Entwicklung an. Zum einen gebe es keine einheitliche Vorgehensweise unter den Bundesstaaten, so dass jeder Gouverneur einen eigenen Weg wähle. Zudem sei die Zeit des "Lockdowns" nicht ausreichend genutzt worden, um die Rückkehr zur Normalität vorzubereiten. Zwar gebe es inzwischen Möglichkeiten zur Kontaktverfolgung, Überwachung und auch mehr Tests. Aber selbst Staaten mit ehrgezeigen Zielen hätten Schwierigkeiten, Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln. In Massachusetts meldeten nur etwa 60 Prozent der Betroffenen ihre Infektion auch tatsächlich beim Gesundheitsamt.

US-Gesundheitsminister Alex Azar sieht einen Grund für die Verschlechterung auch darin, dass viele Infektionen unentdeckt blieben. Die Mehrheit der positiv getesteten Personen sei jünger als 35 Jahre und zeige keine Symptome, sagte er dem Sender NBC. Dies mache es für Gesundheitsbehörden schwierig, die Ausbrüche in den Griff zu bekommen.

Außerdem sollen mehrere Bundesstaaten voreilig die Beschränkungen aufgehoben haben. Das Weiße Haus hatte als unverbindliche Richtlinie herausgegeben, dass die Staaten hierfür entweder die Zahl der Infizierten oder der Prozentsatz an positiven Testergebnissen rückläufig sein müsste. Dies war offensichtlich nicht in allen Bundesstaaten der Fall.

Welche Gegenmaßnahmen gibt es?

In Kalifornien hat Gouverneur Gavin Newsom in Teilen des US-Bundesstaats eine erneute Schließung von Bars angeordnet. Der Erlass gilt für sieben Bezirke, darunter auch die Millionenmetropole Los Angeles. Zudem wird den Behörden in acht weiteren Bezirken, darunter auch Sacramento und Santa Barbara, eine Schließung nahegelegt.

Die Behörden in Kalifornien meldeten zuletzt rund 5.000 bis 6.000 bestätigte Neuinfektionen pro Tag. Insgesamt gibt es dort bislang
über 200.000 gemeldete Infektionen. Kalifornien hatte sehr früh als
Vorsichtsmaßnahme Corona-Beschränkungen erlassen, diese zuletzt aber langsam gelockert. Auch in Florida und Texas wurden Bars geschlossen.

Gesundheitsminister Azar spricht von einer sehr ernsten Situation und warnt davor, dass die Zeit, die für Gegenmaßnahmen bleibe, verstreichen könnte. Er appellierte an die Bevölkerung, Abstand zu anderen Personen zu halten und einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Landesweite Maskenpflicht?

Die Demokraten fordern eine landesweite Maskenpflicht. Die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Pelosi, sagte dem Sender ABC, eine solche Anordnung sei überfällig. Die Regierung müsse die Bedrohung durch die Pandemie endlich ernst nehmen. In einzelnen US-Bundesstaaten gibt es bereits eine Maskenpflicht. Zudem rät die US-Gesundheitsbehörde CDC den Menschen das Tragen in der Öffentlichkeit - es ist aber keine Pflicht.

Die Demokraten stoßen sich auch daran, dass US-Präsident Trump bei öffentlichen Auftritten meist auf einen Mund-Nasen-Schutz verzichtet und somit kein gutes Vorbild abgebe. Azar verteidigt dies damit, dass Trump regelmäßig getestet werde und für ihn deshalb andere Maßstäbe gelten würden.

Der Bundesstaat New York, der im April und Mai massiv von der Pandemie betroffen war und daraufhin strikte Maßnahmen ergriffen hatte, meldete am Sonntag die niedrigste Zahl von Covid-19-Todesfällen in dem Bundesstaat seit Beginn der Pandemie. Im April starben bis zu 800 Menschen täglich, aktuell sind es fünf.

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