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Covid-19Was AfD und Querdenker mit Verbreitung des Coronavirus in Deutschland zu tun haben

AfD-Abgeordneter Peter Boehringer spricht auf der Bühne der "Querdenken"-Demo vor dem Brandenburger Tor. (picture alliance/dpa/Annette Riedl)
Auch AfD-Politiker sprechen auf den Demos von "Querdenken" (picture alliance/dpa/Annette Riedl)

Derzeit gibt es etwa in Sachsen besonders viele Corona-Fälle. Daten zur Corona-Ausbreitung und zum Wahlverhalten legen nahe, dass sich das Virus derzeit besonders in Gebieten mit großer AfD-Anhängerschaft verbreitet. Was dafür spricht - und was nicht.

Der "Tagesspiegel" aus Berlin hat vor einigen Tagen eine Deutschlandkarte veröffentlicht, auf der man die Corona-Zahlen und die Wählerstimmen für die AfD vergleichen kann. Die Übereinstimmung vieler besonders stark vom Virus betroffenen Regionen in Deutschland ist offensichtlich. Auf den ersten Blick liegt der Schluss nahe, dass es einen deutlichen Zusammenhang zwischen den beiden Faktoren Wahlverhalten und Corona-Infektionszahlen geben könnte.

Die Erklärung könnte darin liegen, dass die AfD als einzige Partei die Corona-Maßnahmen weitgehend ablehnt. Wenn ihre Anhänger die Regeln also ablehnen und dann auch weniger einhalten als andere, könnte das ein Faktor für eine höhere Ansteckungsrate sein.

Forscher Quent: Noch keine Kausalität nachgewiesen

Der Direktor des Jenaer Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft, Matthias Quent, konnte in einer Analyse der Daten eine solche Korrelation feststellen - und zwar nicht nur für Sachsen, sondern für nahezu alle Bundesländer. Das Ergebnis sei so deutlich, dass er selbst davon überrascht gewesen sei, sagte Quent. Der Forscher betonte aber, dass damit noch keine Kausalität nachgewiesen ist. Es könne andere Faktoren geben, die den Effekt erklären - etwa die Bevölkerungsstruktur oder der Zustand des Gesundheitswesens. Quent will diesen Fragen weiter nachgehen.

Überzeugt von einem Kausalzusammenhang ist der Ostbeauftragte der Bundesregierung, Marco Wanderwitz (CDU). Die AfD leugne Corona ja weitgehend, sagte er. Und wenn sich deren Anhänger dann entsprechend verhielten, sei das für das Virus wie ein Geschenk.

Ein Viertel der AfD-Anhänger hält Pandemie für Verschwörung

Weitere Daten, die einen möglichen Zusammenhang nahelegen, kommen aus einer Umfrage im Auftrag der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung. Demnach hält es eine deutliche Mehrheit der AfD-Anhänger für wahrscheinlich, dass es sich bei der Corona-Pandemie um eine Verschwörung handelt. Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung bejahten 24 Prozent der AfD-Anhänger die Aussage, wonach es sich bei der Pandemie um eine "Verschwörung zur Unterdrückung der Menschen" handele. Weitere 41 Prozent der AfD-Anhänger halten das zumindest für wahrscheinlich. Anhänger anderer Parteien sehen die Pandemie deutlich seltener als Verschwörung. Unter allen Befragten waren sich fünf Prozent sicher, dass es sich um eine Verschwörung zur Unterdrückung der Menschen handelt, neun Prozent hielten dies für wahrscheinlich.

Eine Fallstudie der Grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung von Anfang November untersuchte den Umgang der AfD-Landtagsfraktion in Baden-Württemberg mit Verschwörungstheorien rund um die Corona-Pandemie. Dabei zeigte sich, dass die Fraktion während der ersten Welle im Frühjahr keine Verschwörungstheorien verbreitete. Sie spitzte ihre Rhetorik erst dann verschwörungstheoretisch zu, als sich mit dem Aufkommen der bundesweiten Proteste gegen die Corona-Maßnahmen - etwa von der Initiative Querdenken - ein "Gelegenheitsfenster" bot, schreibt die Autorin. Dieser abrupte rhetorische Wechsel zeige, dass die AfD-Landtagsfraktion verschwörungstheoretische Rhetorik strategisch einsetze, um neue Zielgruppen zu erschließen, hieß es.

Ähnlicher Effekt in den USA festgestellt

In den USA hatten Forschende bereits eine ähnliche Beobachtet gemacht. Im Magazin "Science" erläuterten sie, dass es einen starken Zusammenhang zwischen der Bindung an eine Partei und der Bereitschaft gibt, sich an soziale Distanzierungsmaßnahmen zu halten. Demnach sind Wähler der Republikaner weniger gewillt, wegen der Corona-Pandemie auf Kontakte zu verzichten. Und diese Haltung hat sich in den Monaten der Ausbreitung des Virus sogar verstärkt.

Zahlreiche Einflussfaktoren auf Infektionsgeschehen

Klar ist, dass nicht allein die politische Ausrichtung der Einwohner das Infektionsgeschehen vor Ort bestimmt. Im Fall von Sachsen dürfte etwa auch die Nähe zu Tschechien und Polen Einfluss auf die Infektionszahlen haben. Zudem hängt das Infektionsgeschehen von den vor Ort getroffenen Maßnahmen ab. Einfluss haben auch - gerade in kleineren Orten - Superspreading-Events etwa bei Familienfeiern oder Ausbrüche in Pflegeheimen. Zudem kann die Altersstruktur der Bevölkerung das Infektionsgeschehen und die Belegung der Krankenhäuser bestimmen.

(Stand: 17.12.)

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