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Covid-19Was der Anstieg der Corona-Infektionen für die Krankenhäuser bedeutet

Krankenhausbetten stehen in einer Messehalle auf dem Messegelände Hannover. Seit dem Frühjahr wird für den Fall hoher Infektionszahlen mit dem Coronavirus ein Behelfskrankenhaus mit über 400 Betten vorgehalten. Im Einsatz war das Notfall-Krankenhaus bishe (dpa / Julian Stratenschulte)
Behelfskrankenhaus Messe Hannover am 5. Oktober 2020 (dpa / Julian Stratenschulte)

Die Corona-Infektionen steigen rapide an - in den Nachbarländern und in Deutschland selbst. Experten erklären, einem Anstieg der Infektionen folge mit einem zeitlichen Abstand von etwa 14 Tagen ein Anstieg schwerer Covid-19-Erkrankungen. Wie sieht es derzeit in den Krankenhäusern aus?

"Die Zeit drängt" - mit diesen Worten haben Klinikärzte in Deutschland die Bundesländer mit vielen Corona-Fällen aufgefordert, nicht notwendige Operationen zu stoppen. In einer Erklärung der Ärzteorganisation Marburger Bund und der intensivmedizinischen Fachgesellschaften heißt es, dass Krankenhäuser aus Umsatzgründen ihre Kapazitäten nicht auf Covid-19-Patienten konzentrierten. Ändere sich dies nicht, dann werde die Belastungsgrenze insbesondere auf vielen Intensivstationen schon bald überschritten.

Zahl der Covid-19-Patienten auf Intensivstationen steigt

Seit Wochen steigen in Deutschland die Zahlen der Covid-19-Erkrankten, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das DIVI-Intensivregister gibt Auskunft über die Belegung der Intensivstationen. Grundlage der Zahlen sind Meldungen der Krankenhäuser. Derzeit werden im Register etwa 28.400 Intensivbetten gemeldet, von denen derzeit knapp 6.600 frei sind.

Unklar ist, ob alle freien Betten im Ernstfall genutzt werden können. Mediziner und Pflegeverbände haben mehrfach darauf hingewiesen, dass nicht genug Personal für die Intensivstationen zur Verfügung steht. Das war auch bereits vor der Corona-Pandemie der Fall. Pflegepersonal auf Intensivstationen hat eine spezielle Ausbildung und kann nicht einfach durch andere Pflegekräfte ersetzt werden. Auf Intensivstationen liegen mehr als 3.300 Menschen, die nachweislich an Covid-19 erkrankt sind. Von ihnen müssen fast 1.900 invasiv beatmet werden. (Stand 14.11.)
Dem Lagebericht des RKI zufolge sind bisher etwa zwölf Prozent der auf Intensivstationen behandelten Covid-19-Patienten gestorben. (Stand 13.11.)

Das DIVI-Intensivregister zeigt auch in übersichtlichen Kartendarstellungen bis auf Kreisebene den Anteil der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen. In Zeitreihen lässt sich zudem die Entwicklung der letzten Monate nachvollziehen. Grafiken zeigen steil ansteigende Kurven, die nun teilweise höher liegen als im Frühjahr.

Krankes Pflegepersonal erschwert die Lage

Was den Krankenhäusern nach eigenen Angaben große Probleme macht, ist der Personalmangel, der dadurch erschwert werde, dass sich auch viele Mitarbeiter im privaten Umfeld infizierten und dann für die Arbeit ausfielen. Ulrich Frei, Vorstandsmitglied der Berliner Charité, sagte, man versuche mit allen Mitteln, ausreichendes Pflegepersonal zu rekrutieren. Auch die Brandenburger Kliniken leiden nach Angaben der Landeskrankenhausgesellschaft unter Personalausfällen durch Covid-Infektionen und Quarantänen. Die im November üblichen grippalen Infekte kämen obendrauf.

Wie angespannt die Lage ist, zeigt auch eine Aussage von Bundesgesundheitsminister Spahn beim Deutschen Pflegetag, wonach infizierte oder sich in Quarantäne befindliche Pflegekräfte in Krankenhäuser notfalls weiterarbeiten sollten, damit der Betrieb aufrechterhalten werden könne. Ein Einsatz von Corona-infizierten Pflegekräften solle jedoch die Ausnahme bleiben und könne nur unter hohen Sicherheitsvorkehrungen mit FFP2- oder FFP3-Masken geschehen. Solche Fälle basierten auf einer entsprechenden, bereits seit Monaten bestehenden Empfehlung des Robert Koch-Instituts, sagte der Minister.

Insolvenzen von Krankenhäusern drohen

Die wirtschaftliche Lage vieler Krankenhäuser in Deutschland hat sich in den vergangenen Monaten einer Studie zufolge weiter verschärft. Die "Rheinische Post" zitiert aus Untersuchungsergebnissen des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen. Demnach waren schon im Jahr 2018 13 Prozent der Kliniken von der Insolvenz bedroht. Spätestens ab dem Jahr 2022 könnten noch weitere folgen. Denn die Finanzhilfen des Bundes zur Bewältigung wirtschaftlicher Einbußen in Folge der Corona-Pandemie hätten vielen Häusern nur eine vorübergehende Atempause verschafft.

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+ Krankenhäuser: Was der Anstieg der Corona-Infektionen für sie bedeutet (Stand: 14.11.)

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+ Übersterblichkeit: Wie tödlich ist das Coronavirus wirklich? (Stand: 14.11.)
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